Hockey:Frust auf der Insel

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v.li.: Kilian Sollermann (MSC, 4), Paul-Philipp Kaufmann (TSVMH, 11), Philip Bezzenberger (MSC, 28), Zweikampf, Spielsz

Hintendran gegen Mannheim: Münchens Kilian Sollermann (li.) und Philip Bezzenberger (re.) bei der knappen Niederlage.

(Foto: Oliver Zimmermann/foto2press/imago)

Der Münchner Sportclub startet mit einer Derby-Niederlage gegen Nürnberg in die Hallen-Saison, die U21-Juniorinnen des Klubs trauern zugleich um ihre WM-Chance.

Von Katrin Freiburghaus

Kurz nach dem ersten Heimspiel der Hallen-Bundesliga standen die Hockey-Männer des Münchner Sportclubs einigermaßen bedröppelt in Grüppchen auf dem Spielfeld herum, und unter normalen Umständen wäre für sie vom ersten Doppelspieltag der Indoor-Saison wohl kaum mehr als Frust übrig geblieben. Sie kassierten zum Auftakt im Derby gegen den Nürnberger HTC eine krachende 4:9-Niederlage und bestätigten damit die Sorge ihres Interimstrainers Stefan Kermas, der im Vorfeld befürchtet hatte, die Saison-Vorbereitung könne womöglich "zu gut" gelaufen sein. "Es ist ärgerlich, weil wir viel mehr vorhatten. Womöglich war es ein guter Warnschuss", sagte Kermas, "aber natürlich nervt das erstmal - denn obwohl wir giftig sein wollten, waren die giftiger."

Dass die weniger als hundert Zuschauenden die Halle dennoch in aufgeräumter Stimmung verließen, mochte zu einem guten Teil daran liegen, dass momentan eben keine normalen Umstände herrschen. Trotz des Frusts von Spielern und Trainer schwang die in diesem Herbst allgegenwärtige zweite Komponente mit: die, dass man froh sein muss, während der Pandemie überhaupt spielen zu dürfen. Dieses Glück haben ja längst nicht alle.

Die drei U21-Nationalspielerinnen Jule Bleuel, Nike Beckhaus und Chiara Vischer beispielsweise hätten ungeachtet aller Klub-Verbundenheit viel lieber die Koffer für ihren Montagsflug zur Weltmeisterschaft in Südafrika gepackt, als den Team-Kolleginnen beim 8:3 gegen Bietigheim zuzusehen. Das Turnier war jedoch wegen der in Südafrika neu aufgetretenen Omikron-Mutation am späten Freitagabend vergangener Woche vom Weltverband auf unbestimmte Zeit verschoben worden. "Wir sind mega enttäuscht und finden noch nicht die richtigen Worte", sagte Bleuel, "aber wir wollen Hockey spielen, und wenn nicht schnell was passiert, hauen wir halt alles für den MSC rein."

"Wir gehen davon aus, dass wir die Liga zu Ende spielen", sagt der MSC-Vorsitzende Michael Nahr

Die Chancen dafür, dass das tatsächlich für die komplette Hallen-Runde möglich sein könnte, stehen nach Einschätzung der Klub-Verantwortlichen nicht schlecht. Während die Inzidenzen in die Höhe klettern und Einschränkungen immer mehr Bereiche des öffentlichen Lebens stilllegen, schickt sich der Profisport - unter dem Bundesliga-Hockey trotz seines faktischen Amateurcharakters geführt wird - erneut an, eine der letzten Inseln relativer Normalität zu bleiben. "Wir gehen davon aus, dass wir die Liga zu Ende spielen, auch wenn wir damit rechnen, dass wir das auf Sicht ohne Zuschauer tun müssen", sagte Michael Nahr, Erster Vorsitzender des MSC.

Aber auch auf Inseln herrscht nicht immer eitel Sonnenschein, und so war Kermas ob der Vorstellung seiner Mannschaft doch nachhaltig zerknirscht. Nach lediglich neun Spielsekunden hatte Nürnbergs Fritz Bernet den ersten Angriff mit einem Tor abgeschlossen. Bis zur 11. Minute folgten zwei weitere Treffer, erneut durch Bernet und Kapitän Frederic Wolff. "Das war katastrophal", sagte Kermas knapp, "danach haben wir immer, wenn wir wieder dran waren, die Bude nicht gemacht." Ein wenig versöhnlich stimmte ihn das 4:5 am Sonntag beim TSV Mannheim, wo sich die erhoffte Lernkurve zwar noch nicht auf die Tabelle auswirkte, laut Kermas aber deutlich sichtbar war. "Wir haben dort eine Reaktion gezeigt und ein wirklich gutes Spiel gemacht", resümierte er.

Der NHTC, der dem MSC in der Vorbereitung in zwei Kurzpartien noch haushoch unterlegen war und am Sonntag 5:19 gegen den Mannheimer HC verlor, gab dagegen unumwunden zu, selbst vom Auftakterfolg überrascht worden zu sein. "Nach dem Start hat man gespürt, wie bei uns plötzlich die Lichter angegangen sind und alle gemerkt haben, dass hier vielleicht doch was geht. Das hat uns wahnsinnig Selbstvertrauen gegeben", sagte Wolff. Mit FFP2-Masken im Gesicht verließen die Nürnberger die Halle ohne das unter normalen Bedingungen übliche Abendessen mit dem Gegner. Gemeinsam am Lagerfeuer zu sitzen, ist momentan sogar auf Profi-Inseln nicht angesagt.

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