Hockey-EM in MönchengladbachDie nächste Chance, Heim-Europameister zu werden

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„Wir haben stets nur eine Logik: ein Turnier gewinnen!“ Das Männer-Team um Kapitän Mats Grambusch strebt nach Olympia-Silber in Paris den Titel an.
„Wir haben stets nur eine Logik: ein Turnier gewinnen!“ Das Männer-Team um Kapitän Mats Grambusch strebt nach Olympia-Silber in Paris den Titel an. Volker Essler/Sven Simon/Imago
  • Der Hockeypark in Mönchengladbach ist erneut Austragungsort der Doppel-Europameisterschaft im Hockey, nachdem andere Nationen kein Interesse an der Ausrichtung zeigten.
  • Die deutschen Männer- und Frauenteams streben nach enttäuschenden Ergebnissen bei der letzten Heim-EM 2023 nun den Titel an, wobei beide Teams zuletzt 2013 Europameister wurden.
  • Nach dem Rücktritt mehrerer erfahrener Spieler treten beide deutsche Teams mit verjüngten Kadern an, während die Trainer den Heimvorteil und die Unterstützung des Publikums als Motivation für Erfolg sehen.
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Der Hockeypark in Mönchengladbach ist wie schon 2023 die Bühne für eine Doppel-Europameisterschaft. Diesmal wollen die DHB-Teams der Männer und Frauen ihren Vorteil nutzen.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

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Einer der schönsten Begriffe im Sport ist gewiss: Heimvorteil. Die Verknüpfung von Heimat und Begünstigung verspricht Freude und Erfolg. Selten genug haben Sportler das Vergnügen, einen Heimvorteil bei einem so besonderen Turnier wie einer Europameisterschaft gleich zweimal nacheinander zu genießen.

Die deutschen Hockeyspielerinnen und -spieler sind in einer exklusiven Lage, wenn sie von diesem Freitag an bei der Doppel-Europameisterschaft im Mönchengladbacher Hockeypark zum zweiten Mal hintereinander nach 2023 schon wieder Gastgeber der kontinentalen Meisterschaften sind. „Ja, das ist sicherlich ungewöhnlich“, räumt der Sportdirektor Martin Schultze vom Deutschen Hockey-Bund ein, aber andere Nationen hätten aus verschiedensten Gründen diesmal kein Interesse an der Ausrichtung gezeigt. Und so gehen beide deutsche Nationalteams erneut mit Ambition vor heimischem Publikum in den Wettbewerb, ganz zu schweigen von der musikalischen Extramotivation, dass die Kölner Band „Höhner“ auch noch den EM-Song beisteuert.

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Vor zwei Jahren, muss man einräumen, hat der Heimvorteil allerdings nicht dazu geführt, dass die große Hockeynation Deutschland auch nur einen der beiden Titel gewonnen hätte. Die Männer verloren das Halbfinale gegen England und das Spiel um Bronze gegen Belgien. Die Frauen verloren das Halbfinale gegen Belgien und gewannen das Spiel um Bronze gegen England. Beide Teams konnten den Heimvorteil nicht bis zum Ende ausnutzen, weshalb es umso tröstlicher ist, dass sie nun direkt eine neue Chance erhalten. Die deutschen Hockeyspielerinnen und Hockeyspieler waren als Team beide letztmals 2013 Europameister – damals sogar ohne Heimvorteil bei der EM in Antwerpen.

Besonders wohl dürfte sich in den kommenden zehn Tagen im Mönchengladbacher Hockeypark der gebürtige Mönchengladbacher Mats Grambusch fühlen, der für den Gladbacher HTC spielt. Der 32-Jährige hat aus dem 18er-Kader mit 213 Länderspielen die meiste Erfahrung und läuft als Kapitän auf. Ihm ist nicht zuletzt aus nostalgischen Gründen wichtig, dass seine Mannschaft bei dieser EM, seinem letzten Turnier, einen optimalen Eindruck hinterlässt: „Beim deutschen WM-Triumph 2006 in Mönchengladbach war ich Ballkind, und 2011 fand hier eine coole EM statt, bei der Deutschland ebenfalls gewonnen hat“, erzählt er, „aber leider kam danach längere Zeit nichts mehr, und es war ein bisschen schade, dass zwischenzeitlich nur tolle Konzerte im Hockeypark stattgefunden haben.“

Dieser Zustand soll so nicht anhalten; und deshalb will Grambusch sein Team mit gleich vier Turnierdebütanten (Raphael Hartkopf, Erik Kleinlein, Benedikt Schwarzhaupt, Michel Struthoff) sowie ohne den aus Studiengründen fehlenden Stürmer Christopher Rühr möglichst bis in den finalen Tag des Männerturniers am Samstag, 16. August, führen. Als größte Hürde in der Vierergruppe erachtet Grambusch „England, ganz klar“ – die „wirklich dicken Fische“ kämen erst im Halbfinale. „Von den Mannschaften Spanien, Belgien, Niederlande, England und uns“, sagt Grambusch, „kann jeder diese EM gewinnen.“

Obwohl nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Sommerspielen in Paris Niklas Wellen und Marco Miltkau aus dem Nationalteam zurückgetreten sind, hat der Bundestrainer André Henning, 41, eine eindeutige Meinung zur Herangehensweise an diese EM: „Wir haben stets nur eine Logik: ein Turnier gewinnen!“

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So weit lehnt sich die neue Bundestrainerin Janneke Schopman nicht aus dem Fenster. Das liegt einerseits daran, dass die 48 Jahre alte Niederländerin als Nachfolgerin von Valentin Altenburg erst seit neun Monaten im Amt ist. Aber noch viel mehr, weil nach den Spielen in Paris 2024 samt Viertelfinal-Niederlage gleich sechs Spielerinnen ihren Rücktritt aus dem Nationalteam erklärt haben: Nike Lorenz, Anne Schröder, Charlotte Stapenhorst, Kira Horn, Cecile Pieper und Viktoria Huse.

Als Kapitäninnen fungieren diesmal gemeinsam Linnea Weidemann und Lisa Nolte. „Ich bin gebürtige Krefelderin und spiele seit sieben Jahren in Düsseldorf“, sagt Nolte, 24, „ein EM-Turnier so nah an Zuhause ist ein unglaubliches Gefühl.“ Sie erhoffe sich bei jedem Spiel ein volles Stadion. „Die Energie der Zuschauer kann man nutzen, um zu performen – das ist für uns als Mannschaft eine Riesenmotivation.“

Zum Thema Heimvorteil hat Bundestrainerin Schopman eine differenzierte Ansicht, zumal ihr deutsches Team am Montagabend auf die Niederlande trifft: „Ich singe die deutsche Hymne in Gedanken mit“, sagt Schopman verschmitzt, „laut singen kann ich sie als Niederländerin nicht.“ Dafür springen ihre Nationalspielerinnen vermutlich umso kraftvoller ein.

Hockey-EM der Männer und Frauen in Mönchengladbach vom 8. bis 17. August

Kader Männer: Tor: Jean Danneberg (Rot-Weiss Köln), Alexander Stadler (Den Bosch/Niederlande). - Feld: Mats Grambusch (Gladbacher HTC), Johannes Große (Club an der Alster), Thies Prinz (Bloemendaal/NL), Paul Kaufmann (Hamburger Polo Club), Teo Hinrichs (Pinoke/NL), Hannes Müller, Benedikt Schwarzhaupt (beide UHC Hamburg), Tom Grambusch, Michel Struthoff (beide Rot-Weiss Köln), Moritz Ludwig, Lukas Windfeder, Malte Hellwig (alle Uhlenhorst Mülheim), Gonzalo Peillat, Justus Weigand, Raphael Hartkopf, Erik Kleinlein (alle Mannheimer HC).

Gruppenspiele: Deutschland – Frankreich (Freitag, 19.30 Uhr), Deutschland – England (Sonntag, 15.00 Uhr); Deutschland – Polen (Dienstag, 19.30 Uhr). Halbfinale: Donnerstag, 14. August. Finale: Samstag, 16. August.

Kader Frauen: Tor: Julia Sonntag (Rot-Weiss Köln), Nathalie Kubalski (Nijmegen/Niederlande). - Feld: Sonja Zimmermann (Mannheimer HC), Linnea Weidemann (Berliner HC), Johanna Hachenberg (Club Raffelberg), Emilia Landshut (Harvestehuder THC), Ines Wanner (TSV Mannheim), Amelie Wortmann (UHC Hamburg), Jette Fleschütz, Lena Micheel (beide Großflottbeker THGC), Hanna Granitzki, Felicia Wiedermann, Emma Davidsmeyer (alle Club an der Alster), Selin Oruz, Lisa Nolte, Sophia Schwabe, Lilly Stoffelsma, Sara Strauss (alle Düsseldorfer HC).

Gruppenspiele: Deutschland – Frankreich (Samstag, 18 Uhr), Deutschland – Niederlande (Montag, 20.30 Uhr), Deutschland – Irland (Mittwoch, 20.00 Uhr). Halbfinale: Freitag, 15. August. Finale: Sonntag, 17. August.

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