Sieben Kurven in der Formel 1"Wie verrückt ist das denn?"

Sebastian Vettel fährt vom letzten auf den zweiten Platz, Verstappen macht einen Dreher für die Galerie - und Kwjat bekommt vor dem Rennen ein Kind. Die Höhepunkte des Formel-1-Wochenendes.

Sebastian Vettel

Wäre diese Saison in der Formel 1 ein klassisches Drama, dann dürfte man das elfte Rennen, am Sonntag ausgetragen auf dem Hockenheimring, als das sogenannte retardierende Moment bezeichnen. Jenen Augenblick der letzten Spannung im Handlungsverlauf, in der sich der Leser fragen darf: Wird der Held etwa doch noch einmal gerettet? Der Held dieser Geschichte ist noch immer Sebastian Vettel, ein viermaliger Weltmeister, der vor fünf Jahren auszog bei Red Bull, um beim edelsten aller Rennställe Karriere zu machen. Und der dann fürchterlich tief stürzte in dieser Saison bei Ferrari. Teils über sich, teils über sein Auto, und der sich auch noch mit dem frechen Emporkömmling Charles Leclerc auseinanderzusetzen hatte. All dies durfte Vettel am Sonntag für einen kurzen Augenblick vergessen.

Nach einer der irrsten Aufholjagden der Renngeschichte, beendete er ein von Position 20, also von ganz hinten, gestartetes Rennen allen Ernstes als Zweiter. "Wie verrückt ist das denn?", fragte Vettel nach seiner großen Tat. Und dann ließ er sich zurecht huldigen von den rotgewandeten Fans, die ja vor allem wegen ihm gekommen waren. Nicht allein wegen seines Rennstalls, der seine zwei Fahrer am Vortag während der Qualifikation noch mit der in ihren Autos verbauten Technik in die Verzweiflung getrieben hatte. Erst ein Defekt hatte Vettel auf Platz 20 getrieben, ein anderer Leclerc auf Rang zehn. "Nach der Enttäuschung von Samstag wusste ich: Ich kann von ganz hinten aus nichts verlieren, und im Regen kann alles passieren", sagte Vettel. "Aber dann war das Rennen noch verrückter als ich erwartet hätte!" Vettel profitierte von der richtigen Taktik, er traute sich als erster Spitzenfahrer den Wechsel auf Trockenreifen zu. Weil er es auf den Intermediates ab einem gewissen Moment nicht weiter nach vorne schaffte, war die Entscheidung alternativlos. Die vielen Unterbrechungen und Safety Cars ließen Vettel immer wieder die Lücke nach vorne schließen. Und nach einem finalen Wechsel in der 47. Runde auf Trockenreifen bewies er, was er für ein großartiger Rennfahrer ist. "Das Auto kam richtig zum Leben", sagte Vettel.

Mit dem lebendigen Auto schoss er vorbei an sechs Kollegen, nur Max Verstappen fehlte ganz am Schluss. Und Sebastian Vettel war nun ein Held, der sich vorübergehend selbst gerettet hatte. In jenem Drama, an dessen Ende vermutlich trotzdem Lewis Hamilton siegen wird. "Es ist ja nicht so, als könnten wir erwarten, dass Mercedes keine Punkte mehr holt", sagte Vettel.

Bild: Getty Images 29. Juli 2019, 12:372019-07-29 12:37:28 © SZ.de/schm