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Formel 1 in Hockenheim:Vettel und seine irrwitzige Aufholjagd

German Grand Prix

Schiebt sich immer weiter nach vorne: Sebastian Vettel in Hockenheim

(Foto: REUTERS)
  • Lewis Hamilton und Valtteri Bottas patzen beim Regenrennen von Hockenheim.
  • Sebastian Vettel krönt seine Aufholjagd im Ferrari - und schafft es aufs Podium.
  • Im Ziel ist nur noch Max Verstappen vor ihm.

Der Regen prasselte fröhlich auf Sebastian Vettels Helm, als in seine Ohren die Stimme seines Strategen ertönte. "Box Sebastian, box! Slicks!"

Aha, Slicks, also Trockenreifen. Vettel fuhr brav raus und ließ sich die neuen Gummis anschrauben. 24 von 64 Runden waren da erst gefahren auf dem Hockenheimring, es hatte die ganze Zeit getröpfelt. Mal richtig stark, mal stark, mal weniger stark, aber immer noch ganz ordentlich. Trockene Traumbedingungen für Trockenreifen hatte es eigentlich zu keiner Zeit gegeben. Aber was half es denn der Scuderia Ferrari? Sie hatten dieses Rennen schon in der Qualifikation am Samstag verloren, als Defekte gleich beide Fahrzeuge lahmlegten, weswegen Charles Leclerc als Zehnter ins Rennen gestartet war - und Vettel gar als Letzter, als Zwanzigster. Ein bisschen mutig darf man da schon mal sein.

Formel 1 Vettel rast von ganz hinten auf den zweiten Platz
Formel 1 in Hockenheim

Vettel rast von ganz hinten auf den zweiten Platz

Das Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring verläuft turbulent: Hamilton fällt nach einem verpatzten Stopp zurück, Vettel gelingt eine eindrucksvolle Aufholjagd - und Verstappen gewinnt.

Und Vettel wurde belohnt für diesen Mut! Er pflügte durch die Pfützen in Hockenheim und wurde noch Zweiter hinter Max Verstappen im Red Bull. Ein Jahr nachdem er, in Führung liegend, in der feuchten Sachs-Kurve ausgerutscht war, worauf er zwölf Monate lang von sehr vielen Menschen angesprochen wurde, umfing dieser zweite Platz im Regen nun seine Seele auf wohltuende Weise. "Eine fantastische Leitung von ihm", lobte Ferrari-Chef Mattia Binotto. "Das hat er gebraucht. Das hat das Team gebraucht." Und das war sogar eine Untertreibung.

Eine herrliche Abrisssause

Nach seinem Stopp fuhr Vettel wieder raus auf die nasse Strecke mit seinen Trockenreifen. Und weil es ihm kurz darauf alle Spitzenfahrer gleichtaten und sich ebenfalls für die trockenen Mischungen entschieden, tobte für einige Minuten der Irrsinn auf dem Hockenheimring - der sich am Sonntag fürs Erste von der Formel 1 verabschiedete. Jeder Gast dürfte sich noch eine Weile erinnern an eine herrliche Abrisssause, auf der es feucht und wild zuging wie auf einer Ü30-Schaumparty. Die Piloten wechselten so oft hin und her zwischen Trocken- und Regenreifen, als würden sie Socken tauschen.

Max Verstappen kam an die Box, ihm wurde eine härtere Mischung gereicht als Vettel. Kurz darauf drehte er sich in seinem Red Bull, fing ihn aber spektakulär wieder ab. Er fluchte. "Ihr hättet mir die Soft-Reifen geben sollen!" Als nächstes reagierte Mercedes, sie schickten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf Trockenreifen auf die Strecke. Nun rutschte Leclerc aus, er versenkte seinen Ferrari im Kiesbett von Kurve 16. Seine Reifen drehten sich, der Kies flog in die Luft, Leclerc stieg aus, das Rennen war vorbei. Und auch Hamilton patzte, der zuvor, von der Pole Position gestartet, das Rennen diktiert hatte. Er verlor den Wagen kurz vor der Einfahrt in die Boxengasse. Dabei demolierte er seinen Frontflügel. Schließlich bog er auf der falschen Seite der Boxenmauer ein zu seiner Versorgungsstation, wofür er eine Fünf-Sekunden-Strafe erhielt. Und das war noch nicht einmal sein größtes Problem.

Als er schließlich seinen Silberpfeil zu den Mechanikern gelenkt hatte, da lag weder ein passender Frontflügel parat, noch lagen dort die richtigen Reifen. Wie ein Kaugummi zog sich sein Boxenstopp in die Länge, eine ganze Minute, und als er auf die Strecke rollte, da war er nicht mehr Erster, sondern Fünfter. Sieben Runden vor Schluss flog auch noch Valtteri Bottas von der Strecke, der es vielleicht noch aufs Podium geschafft hätte. Ein Wahnsinn alles.