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Hintergründe der Olympia-Vergabe:"Ein gefährlicher Gangster"

Und seitdem? Den hohen Sportfunktionär, der stets alle Vorwürfe bestritt, im Heroin-Geschäft tätig zu sein, erreichte ABC in Dubai. Dort lebt er, seit ihn auch in Usbekistan eine Strafanklage erwartet. Nun strahlte der Sender ein Interview mit Craig Murray aus: Der frühere britische Botschafter in Usbekistan bezeichnete Rachimow als "einen der vier oder fünf wichtigsten Leute im globalen Heroinhandel" und als "gefährlichen Gangster".

Diese Sichtweise teilt die US-Finanzbehörde, die 2012 versuchte, Konten des hohen Olympiafunktionärs rund um den Globus einzufrieren: Demnach sei Rachimow "Schlüsselmitglied eines russisch-asiatischen Verbrechersyndikats", spezialisiert auf "Drogenproduktion in den Ländern Zentralasiens".

Auch diese Länder schauen jetzt auf das nahe Sotschi, dem Rachimow zu den Spielen verhalf, und über dem auch so eine Wolke des Korruptionsverdachts hängt. Putins Administration lässt das kalt, sie teilt mit, wer Hinweise auf Korruption beim Projekt Sotschi habe, möge sie vorlegen. Nicht so sicher fühlt sich offenbar der Projektpartner IOC. Das ließ konkrete Fragen zu Rachimow unbeantwortet, teilte ABC mit; es habe auf seinen "starken, transparenten, ausgereiften Bewerbungsprozess" verwiesen.

Rachimow sagte ABC, er werde Sotschi nicht besuchen. Aber olympische Schattenmänner, die im Exil festsitzen, gibt es auch in Russland. Alimschan Tochtachunow, hoher Fußballfunktionär, verlässt das Land seit Jahren nicht mehr; auch ihn sucht das FBI. Es geht um Wettbetrug in den USA, und um Olympia-Gate: Ermittler in den USA und Italien führen den gebürtigen Usbeken auf Grundlage von Telefonmitschnitten und Geständnissen Beteiligter als Kopf hinter der Eispaarlauf-Affäre bei den Winterspielen 2002 in Salt Lake City.

Damals siegte ein russisches Paar, das IOC korrigierte das manipulierte Votum und gab auch den Kanadiern Gold. Unberührt blieb der Eistanz-Entscheid, der laut FBI-Akten auch beeinflusst worden sei. Ob Tochtachunow nach Jahren in einem venezianischen Gefängnis und dem Moskauer Exil mal wieder bei Olympia vorbeischaut? Es wäre eine spannende Frage an die IOC-Session - die ja nun in Sotschi ihre Rolle in der Gesellschaft neu erörtern will.

© SZ vom 05.02.2014/jbe

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