Karriereende von Martin Hinteregger:Mit 29 im Klub der Legenden

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Karriereende von Martin Hinteregger: Sein größter und letzter Erfolg: Hinteregger mit dem Europa-League-Pokal.

Sein größter und letzter Erfolg: Hinteregger mit dem Europa-League-Pokal.

(Foto: Florian Ulrich/Imago)

Überraschend beendet Martin Hinteregger wenige Tage nach dem Eklat um eine Geschäftsbeziehung zu einem rechtsextremen Politiker seine Karriere. Eintracht Frankfurt lässt seinen Vertrag vorerst ruhen.

Von Javier Cáceres

Wer Martin Hinteregger Mitte Mai nach dem Europa-League-Finale in den Katakomben des Stadions des FC Sevilla sprechen konnte, stand einem leisen, fast sentimentalen Menschen gegenüber. Er hatte wegen einer Verletzung nicht eine Minute des Endspiels der Frankfurter Eintracht gegen die Glasgow Rangers bestreiten können. Doch dass die Eintracht im Elfmeterschießen gewann und sich damit für die Königsklasse qualifizierte, verhieß, dass am Horizont eine Entschädigung aufschien: "Die Champions League will ich mir mit diesen Fans sicher nicht entgehen lassen", sollte Hinteregger wenig später sagen. Nun kam doch alles anders.

Am Donnerstagmittag versandte sein Arbeitgeber Eintracht Frankfurt eine Pressemitteilung, die von der österreichischen Kronen Zeitung mit dem Warnhinweis "Kein Scherz!" versehen wurde: "Hinteregger beendet seine Profikarriere". Mit 29 Jahren. Im besten Fußballeralter, wie man zu sagen pflegt.

Hinteregger selbst war danach nicht zu sprechen, sein Berater wollte keinen weiteren Kommentar abgeben, es sei in der Mitteilung "alles gesagt". Das Kommuniqué liest sich, als habe man vor allem verabredet, einander keine weiteren Verletzungen zuzufügen, von denen in den letzten Wochen so viel die Rede gewesen war. Was da zu lesen stand? Unter anderem, dass der gleiche Hinteregger, der vor ein paar Wochen noch voller Vorfreude von der Champions League geschwärmt hatte, nun schon länger mit der Idee vom Karriereende schwanger gegangen sein wollte.

"Ich hatte bereits im vergangenen Herbst erste Gedanken, nach der Saison aufzuhören. Ich habe mich sportlich in einer schwierigen Phase befunden: Meine Leistungen waren schwankend. Die Siege haben sich nicht mehr so gut angefühlt, dafür tat jede Niederlage doppelt so weh", sagte Hinteregger.

Hinteregger bittet um Entschuldigung für "emotionale, vielleicht unbedachte Worte"

Nun also das Aus - und der Rückblick auf den Europa-League-Sieg, auf fünf österreichische Meistertitel sowie vier Pokalsiege mit RB Salzburg, zudem auf 67 Einsätze in der österreichischen Nationalelf und 188 Partien in der deutschen Bundeliga für den FC Augsburg, Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt. Was allerdings auch absehbar mit dem Namen Hinteregger assoziiert werden wird: eine Reihe von Affären, die teilweise auf Alkoholkonsum zurückzuführen waren, und der jüngste Eklat um den "Hinti-Cup", ein Turnier für Hobby- und Jugendmannschaften in seinem Heimatort Sirnitz in Kärnten.

In die Schlagzeilen geriet Hinteregger nach einem Artikel des österreichischen Journalisten Michael Bonvalot. In einem Artikel, der im Online-Magazin Standpunkt.press erschien, machte Bonvalot am 8. Juni öffentlich, dass Hinteregger die Sause über eine Firma organisierte, zu deren Gründungsmitgliedern auch ein gewisser Heinrich Sickl zählte, "ehemals Grazer FPÖ-Gemeinderat, Identitären-Förderer und bekannter extremer Rechter", wie Bonvalot schrieb.

Auch der österreichische Verband wurde vom Rücktritt überrascht

Am Donnerstag erklärte Hinteregger nun, dass sich zuletzt "einige Themen ergeben" hätten, "deren Tragweite mir erst im Nachhinein klar geworden" sei. "Emotionale, vielleicht unbedachte Worte" seinerseits hätten zu Irritationen geführt, für die er nun um Entschuldigung bitte. Unter anderem hatte Hinteregger nach der Auflösung seiner Geschäftsbeziehung zu Sickl den Journalisten Bonvalot als linksextrem tituliert und über eine angebliche mediale Hetzjagd geklagt. "Um es noch mal ganz klar zu sagen: Rechtes, intolerantes und menschenverachtendes Gedankengut verurteile ich aufs Schärfste. Wer mich kennt, weiß das", ließ Hinteregger am Donnerstag ausrichten.

Auch der österreichische Verband wurde vom Rücktritt überrascht und kündigte an, Hinteregger in den Legenden-Klub des Verbandes aufzunehmen. Hinteregger sei ein "individueller Typ mit Ecken und Kanten, mit dem sich viele Menschen und Fans identifizieren konnten", sagte Sportdirektor Peter Schöttel.

Auch Markus Krösche, der Manager von Eintracht Frankfurt, klang versöhnlich: "Nicht zuletzt aufgrund seiner aufrichtigen Entschuldigung für sein Verhalten in den zurückliegenden Tagen und Wochen und seiner deutlichen und glaubhaften Distanzierung von rechtem Gedankengut bleibt er in Frankfurt als verdienter Spieler und Europapokalsieger immer willkommen."

Auch Krösche sprach von einer "unerwarteten" Entscheidung, aber der Spieler habe "seine Perspektive und Gründe eindrücklich und überzeugend dargelegt". Hinteregger habe darum gebeten, von seinen vertraglichen Pflichten entbunden zu werden, die Eintracht willigte ein, "baba und fall ned" zu sagen, um es österreichisch auszudrücken. Hintereggers bis 2024 laufender Vertrag wurde aber vorerst nur "ausgesetzt", also ruhend gestellt, wie die Eintracht mitteilte. Mit anderen Worten: Die Eintracht sicherte sich für den Fall ab, dass Hinteregger sich alles doch noch mal anders überlegt. Falls er vor dem Ende des Vertrags doch wieder professionell kicken wollte, könnte die Eintracht eine Transfersumme einstreichen.

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