Hertha BSCMehr als 50 Verletzte nach Zusammenstößen zwischen Fans und Polizei

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Aus Protest verließen Teile der organisierten Fanszene von Hertha BSC die Ostkurve.
Aus Protest verließen Teile der organisierten Fanszene von Hertha BSC die Ostkurve. (Foto: Sebastian Räppold/Matthias Koch/Imago)

Vor dem Zweitligaspiel zwischen Hertha BSC und Schalke 04 kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Fans und Einsatzkräften. Hertha-Geschäftsführer Görlich kündigt eine intensive Aufarbeitung der Vorfälle an.

Vor dem Heimspiel von Hertha BSC gegen den FC Schalke 04 (0:0) in der 2. Fußball-Bundesliga ist es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Berliner Fans und der Polizei gekommen. Dabei wurden nach Polizeiangaben 21 Einsatzkräfte und 31 Fans verletzt. Hertha BSC nahm den Vorfall in einer Stellungnahme vom Sonntag „mit großer Sorge“ zur Kenntnis.

Über den Hergang der Zusammenstöße gab es widersprüchliche Angaben. Die Polizei sprach „von gewalttätigen Angriffen einzelner Fangruppen auf unsere Einsatzkräfte“; Polizisten sollen am Eingang zur Ostkurve beleidigt, mit Absperrgittern beworfen und mit Schlagwerkzeugen attackiert worden sein. „Zum Schutz der Einsatzkräfte und unbeteiligter Zuschauender“ sei unter anderem der Einsatz von Pfefferspray notwendig gewesen. Herthas Geschäftsführung und Präsidium ließen Skepsis erkennen. „Diese Darstellungen“ würden „wie alle anderen Ausführungen sorgfältig geprüft und in die weitere Einordnung einbezogen“, hieß es in der Stellungnahme.

Zuvor hatte die „Fanhilfe Hertha BSC“ der Polizei vorgeworfen, sich nicht an Absprachen mit dem Verein gehalten und anwesende Fans „provoziert“ zu haben. Es sei „zu massiver Polizeigewalt gegen wartende Fans am Eingang zur Ostkurve“ gekommen. Es habe „Provokationen der Hundertschaften“ gegeben, ebenso „eine Festnahme ohne ersichtlichen Grund“.

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Hertha zufolge sei in der Vergangenheit „wiederholt der Eindruck entstanden, dass Einsatzkonzepte und polizeiliche Präsenz von Fans als zunehmend konfrontativ“ empfunden werden. „Diese Wahrnehmung teilt auch Hertha BSC“. Ziel müsse es sein, zu einer „verhältnismäßigen und deeskalierenden Vorgehensweise – insbesondere mit und in sensiblen Bereichen – zurückzukehren“. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) war bei dem Spiel im Stadion, man stehe in Kontakt, berichtete Geschäftsführer Peter Görlich.

Die aktiven Fan-Szenen beider Klubs reagierten während der Partie durch kollektives Schweigen auf die aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Polizeiaktion. Phasenweise gab es verunglimpfende Sprechchöre gegen Sicherheitskräfte von den Rängen, ansonsten herrschte in der mit mehr als 70 000 Zuschauern gefüllten Arena eine beklemmende Stimmung. Große Teile der Hertha-Fans verließen nach rund 20 Minuten die Ostkurve. Sie hinterließen einen blauen Schriftzug mit einer Polizei-Beleidigung.

Schalke-Kapitän Kenan Karaman erklärte später, dass die Mannschaft schon „vor dem Aufwärmen aufgeklärt“ worden sei, „dass es einige Verletzte vor dem Spiel gab“. Herthas Trainer Stefan Leitl hingegen zeigte sich überrascht von den Vorfällen: „Ich höre das gerade zum ersten Mal. Wir haben natürlich schon mitbekommen, dass irgendwas sein muss, aber unser Fokus lag natürlich erstmal beim Spiel.“ Es endete auch aufgrund der herausragenden Leistung von Schalke-Torwart Loris Karius torlos. Die Gelsenkirchener blieben trotz des Unentschiedens Tabellenführer der zweiten Liga.

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