Randale in der Bundesliga Der Fußball prallt auf eine neue Realität

Feuerwerkskörper brennen im Berliner Fanblock - danach gab es in Dortmund Ausschreitungen.

(Foto: dpa)

Hamburger G20-Gipfel, Krawalle von Chemnitz, Randale der Hertha-Fans: Die Hemmschwelle zur Gewalt gegen die Polizei ist gesunken. Fußball ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Vorgänge.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Ein Rückblick in den Februar 2017. Die Dortmunder Südtribüne war ein Meer aus Bannern, die alle RB Leipzig schmähten und besonders heftig Ralf Rangnick attackierten, den sportfachlichen Inspirator dieses aus der Red-Bull-Dose entschlüpften Klubs. Wären jene Sprüche vor einem Zivilgericht gelandet, Rangnick hätte diverse Verleumdungsklagen durchsetzen können. Stattdessen wurde der Fall betriebsintern vor dem DFB-Sportgericht verhandelt, es gab eine Kollektivstrafe: Für das nächste Heimspiel blieb die Südkurve, die Gelbe Wand, mit ihren gut 25 000 Stehplätzen komplett gesperrt.

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Solche Kollektivstrafen sind generell umstritten, weil da immer auch die Frage ist, ob es gerecht sein kann, wenn der Einzelne für die Gruppe mitverpflichtet wird. Aber wer hätte unter all den Tausenden ermitteln können, wer die Täter waren? Jene, die den Filzstift führten, als Sätze geschrieben wurden, die Rangnick ins Jenseits wünschten. Das alles liegt weit jenseits aller tolerablen Stadionfolklore, das DFB-Sportgericht hoffte da wohl auf den kollektiven pädagogischen Effekt.

Nicht mehr zuständig ist die DFB-Justiz jetzt für fast alles, was im Dortmunder Stadion am Samstag geschah, auf der anderen Seite, im Gästefanblock. Der Gewalt-Exzess in der Hertha-Kurve mit fast 50 Verletzten ist Sache von Staatsanwälten und einer Ermittlungskommission. Natürlich muss auch hier die Rolle des Fußball-Betriebs geprüft werden, er sollte ja seine Kundschaft kennen. Waren die Sicherheitsvorkehrungen maximal? Hat der Ordnungsdienst versagt? Irgendwann aber stößt ein Klub dann vielleicht doch an seine Grenzen. Meist dort, wo ein gewaltbereiter Kern von Adrenalin-Hooligans sich überhaupt nicht mehr fürsorglich integrieren lassen will, im Gegenteil.

Trennt man die Bilder der Dortmunder Prügelei einmal aus ihrem Stadion-Kontext, so ähneln sie frappierend jenen vom Hamburger G-20-Gipfel oder denen der Krawalle von Chemnitz. Der gemeinsame Nenner all dieser Bilder ist die offensichtlich gesunkene Hemmschwelle zur Gewalt gegen die Polizei. Damit wird für den Fußball wieder einmal auf brutale Weise bestätigt, dass er Spiegelbild gesellschaftlicher Vorgänge ist. Es gibt auch dort linke wie rechte Fan-Gruppen, nicht in allen großen Stadien war deshalb vor Wochen die Distanzierung von den Chemnitzer Krawallen ähnlich intensiv (die ja aus der Hooligan-Kurve des dortigen Viertligisten stimuliert worden waren).

Hier prallt der Fußball auf eine neue Realität. An der wirkt die DFB-Kollektivstrafe nicht, sondern nur die individualisierte Verfolgung: Die Klubs als Hausherr müssen ihr Instrument der persönlichen Stadionverbote verschärfen, der Staat muss seinen Fahndungsdruck erhöhen. Und im Stadion selbst? Da braucht es Protest, den Aufstand der Anständigen, die Distanzierung von jedwedem Gewaltritual. Das wird anstrengend, ist aber kaum anders als da draußen vor den Toren.

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