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Rücktritt bei Hertha BSC:Die wirkliche Triebfeder ist für Windhorst das Geld

Dass Großkapitalisten den Fußball entern, ist nicht neu. Sie tun dies oft, um die soziale Anerkennung zu bekommen, die sie sich nicht erkaufen konnten. Doch daran, dass er polarisiert, dass ihn die einen für einen Gauner und Hochstapler, andere für einen genialen und gerissenen Hochseilartisten in der Finanzwelt halten - an all das hat sich Windhorst längst gewöhnt. Die Triebfeder ist für ihn wohl weniger das Image, sondern: Geld.

So hat er nie einen Hehl daraus gemacht, dass sein Engagement bei Hertha für ihn ein Investment ist. Nicht mehr, nicht weniger. Windhorst stammt aus einer Welt abgezockter Jungs mit Dollarzeichen in den Augen, die heute in Kohleminen, morgen in künstliche Intelligenz und zwischendurch in einen Fußballklub investieren. Nur das Ziel, das sie dabei verfolgen, bleibt gleich: Rendite. Das heißt im Falle des Engagements bei Hertha, seine Anteile am Klub wertvoller zu machen, um sie ganz oder teilweise zu verkaufen. Mit möglichst hohem Gewinn.

Genau das aber hängt von einem Faktor ab, der in der kurzen Zeit gar nicht gegeben sein konnte: vom sportlichem Erfolg, der wiederum wirtschaftliches Wachstum hervorrufen sollte. So gesehen ist nicht davon auszugehen, Windhorst könnte kurzfristig bei Hertha aussteigen. Das würde nur geschehen, wenn ihm bei seinen Reisen rund um den Erdball ein Scheich oder ein Oligarch über den Weg laufen sollte, der bereit wäre, seinen Anteil für einiges mehr als jene famosen 224 Millionen Euro zu übernehmen. Und so wird Windhorst wohl vorerst weiter daran arbeiten, aus der Hertha einen "Big City Club" zu machen.

Dass der Weg hin zu seinem ökonomischen Ziel riskant ist und auch scheitern kann, raubt ihm nicht den Schlaf. Auch nicht, dass Klinsmann weg ist. Windhorst hat zwar erklärtermaßen so viel Ahnung vom Fußball wie die Berliner Karmelitinnen von den Mottoabenden im verruchten Kit-Kat-Club. Aber wer als junger Mann nach einer Privatinsolvenz mit 70 Millionen Euro Schulden und - daraus resultierend - ohne Konto, Handyvertrag und Auto binnen weniger Jahre ein Comeback hinlegt, der hat Nerven. Und wirft nicht hin.

© SZ vom 13.02.2020/ebc
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