Hertha - Hannover (18 Uhr) Chillen oder nicht chillen

Auf Abschiedstour: Fünf Niederlagen in Serie bedeuten das Aus von Pal Dardai als Chefcoach der Hertha zum Saisonende. Am Sonntag geht es gegen die Mannschaft von Hannover 96, das die Hoffnung im Abstiegskampf immer noch nicht aufgegeben hat.

(Foto: Jörg Carstensen/dpa)

Pal Dardai nimmt sein baldiges Ende als Cheftrainer von Hertha BSC gelassen und warnt sein Team eindringlich vor mangelndem Einsatz. Genau darauf setzt der Gegner und Tabellenletzte Hannover 96 seine letzte Hoffnung.

Kein Jammern, kein Nachtreten: Der Trainer Pal Dardai ist sogar etwas erleichtert nach der Bekanntgabe seines baldigen Dienstendes beim Bundesligisten Hertha BSC. "Ich habe schon hundertmal gesagt, Pal Dardai ist ein Vollprofi, er ist in der Fußballkabine aufgewachsen", meinte Herthas Rekordspieler im Lothar-Matthäus-Stil in der dritten Person und wechselte dann doch zurück in die erste: "Ich bin nicht beleidigt, bin nicht wütend."

Nach viereinhalb Jahren muss der Ungar im Sommer gehen, für die Partie am Ostersonntag gegen Hannover 96 (18 Uhr) forderte er von seinen Spielern aber noch einmal vollen Einsatz. "Nicht, dass die Spieler jetzt denken, Pal ist schon mit einem Bein weg, jetzt kann ich chillen", sagte der Ungar, der sich erstmals nach Bekanntwerden seines Abschieds äußerte und in der Liga noch Platz zehn erreichen will.

Dardai bestätigte, dass ihn die kräftezehrende Zeit als Cheftrainer in den vergangenen Jahren auch müde gemacht habe. "Ich habe letztes Jahr schon gesagt, es ist zäh", meinte er. "Jetzt werde ich mich erstmal erholen, ein bisschen Pause machen." Dardai steht noch bis 2020 unter Vertrag und kann danach in anderer Funktion bei Hertha einsteigen.

Die Mannschaft habe aggressiv trainiert, findet Dardai

Zuversicht für die Partie am Sonntag gegen den Tabellenletzten schöpft der Coach aus der Trainingsleistung seiner Spieler. "Die Mannschaft war sehr aggressiv. Das möchte ich am Wochenende sehen", sagte Dardai. "Das war so intensiv wie lange nicht mehr", sagte auch Stürmer Davie Selke über den Trainingsauftritt der Mannschaft.

Selke sieht nach der Niederlagenserie in den vergangenen Wochen unter Dardai nun auch die Spieler in der Pflicht. "Der Trainer ist hier im Verein eine Legende, hat viel für die Hertha getan. Jetzt liegt es an uns, dass wir ihm den richtigen Abschied bereiten."

Herthas Manager Michael Preetz suchte angesichts der besonderen Situation das Gespräch mit der Mannschaft. "Natürlich habe ich den Spielern gesagt, dass wir uns in den nächsten fünf Spielen anders präsentieren müssen, als in den letzten fünf Partien", sagte Preetz. Nach zuletzt fünf Niederlagen nacheinander in der Bundesliga war es zur Entscheidung gegen Dardai gekommen.

Verliert man in Dardais Lage nicht sein Gesicht, fragt 96-Coach Doll

Preetz' Hoffnung auf einem Ruck durch die Hertha-Mannschaft und wieder mal einen Sieg könnte allerdings am Gegner scheitern. Eine so genannte Lame Duck als Trainer und ein Team, dem man extra sagen muss, dass es nun nicht chillen darf - der Tabellenletzte Hannover 96 sieht in der Begegnung wohl eine letzte Chance. Thomas Doll, selber angezählter 96-Coach, sagt: "Nach diesem Spiel nochmal eine kleine Chance haben: Das wäre großartig und das ist machbar." Und listig fügt er die subversive Frage an, ob man denn nicht "sein Gesicht vor Mannschaft und Öffentlichkeit verliert", wenn man so "mitten in der Saison erfährt, dass es am Saisonende nicht weitergeht".

In Berlin dürfte man die Stichelei jedenfalls nach außen ignorieren. Genauso wie all die Spekulationen über einen Nachfolger von Dardai. "So viel kann ich sagen, es sollte jemand sein, der die DNA des Vereins versteht", sagt Preetz. Die Reihe der Kandidaten für Dardais Nachfolge reicht in den Berliner Medien von Jürgen Klinsmann über Domenico Tedesco und Bruno Labbadia bis hin zu Niko Kovac.