Hertha gegen Bremen Steinhaus überzeugt mit professioneller Unauffälligkeit

Warten auf den Video-Schiedsrichter: Bibiana Steinhaus setzt bei ihrem Debüt in der Bundesliga einmal auf die Unterstützung der neuen Technik.

(Foto: AFP)

Das 1:1 zwischen Hertha BSC und Bremen ist das erste Spiel in der Liga-Geschichte, das von einer Frau geleitet wird - die Begleitumstände werfen aber Fragen auf.

Von Javier Cáceres, Berlin

Zu den oft floskelhaft vorgetragenen Beteuerungen von Trainern und Spielern im Profifußball-Bereich gehört, dass sie niemals - also wirklich nie - über den Schiedsrichter einer Partie reden. Das ist oft geheuchelt, oder bloß der Versuch, sich auf die Zunge zu beißen. Am Sonntagnachmittag machten Pal Dardai, Chefcoach von Hertha BSC, und Alexander Nouri, der Trainer von Werder Bremen, in Berlin eine Ausnahme.

Denn nach dem 1:1 ihrer Mannschaften lag ihnen daran, dem Referee unisono Lob zu zollen. Der Grund: Bibiana Steinhaus leitete als erste Frau der Geschichte eine Bundesliga-Partie der Männer, die durch das 1:1-Unentschieden mit dem ersten Punktgewinn für Werder der laufenden Saison endete. "Ich war wirklich sehr zufrieden", sagte etwa Herthas Coach Dardai über Steinhaus. "Ich bin, ehrlich gesagt, erleichtert, dass es nun rum ist", sagte die Schiedsrichterin selbst, mit Blick auf den medialen Hype um ihre Person. "Ich hoffe, dass morgen die Normalität Einzug hält", fügte sie hinzu.

Sie hat Einiges dafür getan, dass das so wird. Steinhaus, 38, erledigte ihre Aufgabe lange Zeit wie gewünscht, und das heißt: ohne groß aufzufallen. Beim Führungstreffer der Berliner, den Mathew Leckie nach 38 Minuten erzielte, hatte sie insofern eine tragende Rolle, als sie die Vorteilsregel umsichtig anwandte. Auf der rechten Abwehrseite hatte Werders Innenverteidiger Robert Bauer vertändelt, Herthas Kapitän Vedad Ibisevic war zur Stelle und passte den Ball auf die rechte Seite. Am Strafraum riss Milos Veljkovic Herthas Tschechen Vladimir Darida um. Doch Steinhaus ließ weiterspielen. Sie hatte erkannt, dass auf der rechten Außenbahn Herthas Leckie herangerauscht kam - und flach zum 1:0 einschießen konnte, durch die Beine von Werders Torwart Jiri Pavlenka.

Hertha-Fans fordern gleich zwei Strafstöße

"Das spricht für Erfahrung", lobte Herthas Trainer Dardai die Übersicht von Steinhaus. Für die Bremer war das in doppelter Hinsicht betrüblich. Denn in der 19. Minute hatte Steinhaus die gleiche Vorteilsregel falsch ausgelegt - und eine aussichtsreiche Kontermöglichkeit unterbunden. Dafür hatte sie mit dem verdienten Ausgleichstreffer von Werders Kapitän Thomas Delaney (59. Minute) nichts zu tun. Der Däne setzte den Ball nach einer unglücklichen Abwehr von Herthas Niklas Stark aus 15 Metern neben den Pfosten - unerreichbar für Torwart Rune Jarstein. Frei von Aufregern aber war die Partie nicht. In der 73. und in der 75. Minute forderten die Hertha-Fans gleich zweimal einen Strafstoß. Erst war Valentin Stocker nach einem Zweikampf mit Milos Veljkovic im Strafraum allzu leicht gefallen, dann wälzte sich Vedad Ibisevic bei einer Grätsche von Robert Bauer am Boden. Doch Steinhaus blieb ungerührt - zurecht, wie auch die Videoschiedsrichter bestätigten.

Herthas Kapitän Ibisevic war nicht nachtragend. Er zertifizierte Steinhaus eine gute Leistung und sagte: "Ich hätte nichts dagegen, wenn wir in der Liga mehr Frauen als Schiedsrichter hätten". Dem Umstand, dass Steinhaus nicht auf die fallenden Herthaner hereinfiel, wohnte auch Gerechtigkeit inne. Die Berliner hatten nämlich kaum überzeugt. Schon die Führung war überaus schmeichelhaft gewesen. Leckies Treffer zum 1:0 waren Chancen der Bremer vorangegangen, die dem trägen Spielaufbau der Hertha gute, zielgerichtete Konter entgegensetzten. Nach vier Minuten hatten die Bremer für die ersten Chancen der Partie gesorgt: Im Anschluss an eine Ecke, die von Herthas Mittelfeldmann Stark heraufbeschworen worden war, wanderte der Ball von links auf die rechte Seite.

Bundesliga "Ich tue nur, was ich liebe"
Bibiana Steinhaus

"Ich tue nur, was ich liebe"

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Für die Gefahr sorgte dann eine Flanke des gefällig aufspielenden Finn Bartels: Werders völlig ungedeckter Offensivmann Florian Kainz konnte den Ball aus zehn Metern per Aufsetzer auf das Tor von Herthas Schlussmann Rune Jarstein jagen. Doch dieser parierte mit einer Glanzparade. Nach 22 Minuten setzte sich dann wieder Bartels gegen Herthas Linksverteidiger Marvin Plattenhardt durch, betrat den Strafraum und legte den Ball auf Delaney am Fünfmeterraum zurück. Doch der Däne war zu überrascht, als dass er Druck auf den Ball bekommen hätte. Tempo und Chancen auf beiden Seiten sahen die Zuschauer aber erst nach der Pause. "Es war ein gerechtes Ergebnis, mit dem man zufrieden sein kann und muss", sagte Herthas Coach Pal Dardai.