Hertha gegen Frankfurt:Kampf dem Gurkenelfmeter

Lesezeit: 3 min

Hertha gegen Frankfurt: Da ist die Berührung von Hertha-Torwart Christensen - aber bringt sie Rafael Santos Borré auch zu Fall? Schiedsrichter Willenborg pfiff erst und revidierte dann seine Entscheidung.

Da ist die Berührung von Hertha-Torwart Christensen - aber bringt sie Rafael Santos Borré auch zu Fall? Schiedsrichter Willenborg pfiff erst und revidierte dann seine Entscheidung.

(Foto: Gerald Matzka/Getty Images)

Beim Duell der Auftaktspieltags-Verlierer trennen sich Hertha BSC und Eintracht Frankfurt 1:1. Für Diskussionen sorgt Schiedsrichter Frank Willenborg, weil er einen in letzter Minute verhängten Strafstoß wieder zurücknimmt.

Von Javier Cáceres, Berlin

Eintracht-Stürmer Rafael Santos Borré war der erste, der den Platz in Berlin verließ. Und in die Kabine stürmte, sprich: den Gang in die Kurve zu den Fans von Eintracht Frankfurt vermied und auch an den Journalisten vorbeistürmte. Erst mal: kein Kommentar. Es brodelte in ihm. Aber dann platzte es doch aus ihm heraus. "Hat er nun den Ball berührt oder hat er ihn nicht berührt?", rief der Kolumbianer und meinte Herthas Torwart Oliver Christensen: "Wie lautete denn nun die Regel?" Sprach's und war fort.

Die Szene, die ihn echauffierte, trug sich in der 89. Minute zu, und sie führte dazu, dass sich Santos Borré um ein mögliches Tor und einen Sieg bei Hertha BSC betrogen fühlte. Als er schon bereitstand, um einen Elfmeter auszuführen, der wegen eines Foulspiels an ihm verhängt worden war, wurde Schiedsrichter Frank Willenborg vom Videoschiedsrichter an den Bildschirm gerufen. Und dort studierte er die Standbilder und Zeitlupen, bis er sich revidierte. "Ich sehe in den Bildern, dass es eine Berührung gibt, die aber nicht ursächlich ist für das Fallen des Spielers. Für mich ist das ein Streifen", sagte Willenborg später.

Er habe "keinen Gurkenelfmeter" geben wollen, habe der Referee wiederum zu ihm gesagt, berichtete Eintrachts Nationaltorwart Kevin Trapp. Und wunderte sich: "So wie ich das verstehe, ist der Video-Schiedsrichter dafür da, dass bei einer klaren Fehlentscheidung eingegriffen wird. Wenn du dann aber gefühlt zehn Minuten schauen musst, ist es für mich keine Fehlentscheidung mehr, von daher weiß ich nicht, was er sich da angeschaut hat."

Der Ärger bei den Frankfurtern war umso größer, als Herthas Torwart Oliver Christensen in einer Hinsicht geständig war und die Version von Santos Borrés stützte. Der Däne bekannte offen, den Eintracht-Stürmer berührt zu haben. Aber: So wie Sandro Schwarz, der seinen ersten Punkt als Hertha-Trainer einfuhr, befand auch Christensen, dass die Berührung nicht ausgereicht hätte, um ein so gravierendes Urteil wie einen Elfmeter zu verhängen. "Nicht jeder Körperkontakt ist ein Foul", sagte Schwarz.

Dass der Elfmeter im Wege der Revision annulliert wurde, war für den Trainer doppelt wichtig. Denn ein mögliches 1:2 hätte die Debatten um einen Fehlstart neuerlich befeuert. Zur Erinnerung: Hertha war im Pokal bei der (in der zweiten Liga torlosen) Braunschweiger Eintracht ausgeschieden; am ersten Spieltag verlor der Verein aus dem Berliner Westend in Köpenick beim Nachbarn 1.FC Union. Im Vergleich zum Derby präsentierte sich die Hertha gegen die Eintracht aber entschlossener und - anfangs - auch effizienter. Wobei den Berlinern in die Karten spielte, dass die Eintracht Schwierigkeiten hatte, eine Haltung zu dieser Partie zu entwickeln.

Keine drei Minuten waren gespielt, als Daichi Kamada in der eigenen Hälfte einen Ball an Herthas Zugang Chidera Ejuke verlor. Der Nigerianer passte auf die rechte Eckfahne hinaus - und dort hatte der (übrigens großartig aufgelegte) Dodi Lukébakio so viel Zeit, seine Flanke vorzubereiten, dass nicht weiter aufgefallen wäre, wenn er noch eine Pediküre-Session dazwischengeschoben hätte. Mittelfeldspieler Suat Serdar verwandelte per Kopf zum 1:0 - und ließ den Radius der Halsader von Eintracht-Trainer Oliver Glasner auf Bambusrohrgröße anwachsen. "Unser Zweikampfverhalten in der ersten Halbzeit war einfach desaströs", sagte er.

Mehr noch: Es drängte sich der Eindruck auf, der Eintracht falle es schwer, sich nach den kontinentalen Festwochen und -monaten wieder an den grauen Bundesliga-Alltag zu gewöhnen. Als sei der Europa-League-Sieg noch ein Faktor, der die Eintracht-Profis zu einer Verträumtheit einlädt, die Glasner aufstößt. "Wir dürfen nicht immer über Europa sprechen. Wir waren Elfter in der Bundesliga und haben nun mit Filip Kostic und Martin Hinteregger zwei Schlüsselspieler verloren. Wenn wir uns verbessern wollen, müssen wir besser spielen als heute." Die Eintracht spielte, immerhin, besser als beim 1:6 gegen den FC Bayern. Doch wer weiß, was passiert wäre, wenn die Hertha sich nach der Pause nicht ähnlich großzügig gezeigt hätte wie die Eintracht bei Spielbeginn.

Denn in der 48. Minute ließ sich Herthas neuer Innenverteidiger Filip Uremovic im Mittelfeld den Ball stibitzen, der überragende Eintracht-Stürmer Randal Kolo Muani leitete einen Konter ein, Daichi Kamada vollendete. Es blieb beim 1:1, trotz einer Reihe von Chancen und Fehlern auf beiden Seiten. "Jeder hätte das Spiel gewinnen können", sagte Glasner: "Am Ende hat's der Schiedsrichter entschieden, weil er einen Fehler gemacht hat, wie auch beide Mannschaften Fehler gemacht haben." Was bei der Hertha - zumindest in Bezug auf die Rolle des Schiedsrichters - freilich anders gesehen wurde.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB