Die Vorkommnisse beim Zweitliga-Topspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC haben erschrockene Reaktionen ausgelöst und werden als Rückschlag im Kampf um die Erhaltung der Fankultur und die Stadionsicherheit gewertet. „Unsere Heimspiele sind bekannt für eine einzigartige Atmosphäre. Bilder, wie wir sie am heutigen Abend gesehen haben, sind nicht akzeptabel und schaden nicht nur unserem Verein, sondern dem gesamten Fußball in Deutschland massiv“, sagte Dynamos Geschäftsführer Stephan Zimmermann in einer Stellungnahme des Vereins nach dem 0:1 gegen die Berliner.
Zimmermann erklärte, dass er sich mit zahlreichen weiteren Vereinen bei den Politikern „seit Monaten für Faninteressen und ein sicheres Stadionerlebnis“ einsetzt. „Da sind solche Szenen ein absoluter Schlag ins Kontor“, betonte er. Schon während der Begegnung mit zwei Unterbrechungen redeten die Dynamo-Verantwortlichen mit den leitenden Einsatzkräften der Polizei, „um erste Erkenntnisse kommunikativ auszutauschen. Diese Wahrnehmungen und Beobachtungen sind jetzt Bestandteil der grundlegenden Aufarbeitung“, hieß es in der Stellungnahme.
Bei dem Topspiel unter Flutlicht war zunächst aus beiden Fanlagern Pyrotechnik gezündet worden. Danach kletterten Anhänger beider Teams über die Zäune. Dresdner Anhänger rannten vermummt entlang des Spielfeldes zum Hertha-Fanblock. Dabei kam es zu einem kurzen Aufeinandertreffen beider Fangruppen, bei dem es zum Einsatz von Pyrotechnik als Wurfgeschosse kam. Schiedsrichter Sven Jablonski musste die Zweitliga-Begegnung ein zweites Mal unterbrechen und schickte die Teams nach den Krawallen in die Kabine. Polizisten drängten dann die Dynamo-Anhänger zurück in ihren Block. Dort wurde eine Hertha-Fahne abgebrannt.
„Wir müssen und werden diesen Abend detailliert auswerten und möchten uns bereits jetzt in höchster Form bei allen Unbeteiligten entschuldigen, die in solche unnötigen Aktionen hineingezogen wurden“, meinte Zimmermann. Dynamos Cheftrainer Thomas Stamm war sichtlich enttäuscht über die Vorkommnisse.
Gerade, weil die Zuschauer im Stadion zuvor noch würdevoll und mit vollem Respekt des verstorbenen Ehrenspielführers Hans-Jürgen Kreische gedacht hatten. „Der Sport hätte heute im Vordergrund stehen sollen, war es meiner Meinung nach nicht und noch viel schlimmer, dass wenn Du gerade die Anfangsphase auch mit Trauerminute, mit sehr viel Respekt auch von den Hertha-Fans – keiner hat irgendeinen Mucks gegeben – siehst, dann stehen nachher leider andere Dinge im Vordergrund, die nichts zu suchen haben im Fußball“, sagte Stamm auf der Pressekonferenz.

