Hertha BSC Von der Last befreit

Gegen Bayern mutiger als gegen Dortmund: Die Hertha holt sich den verdienten Applaus für ihre Leistung ab, auch wenn sie keine Punkte brachte.

(Foto: Boris Streubel/Getty Images)

Ohne Brimborium, das die Berliner noch am Mittwoch im Pokal gezeigt hatten, gelingt ihnen gegen Bayern ein guter Auftritt - allerdings wiederum ohne verwertbares Ergebnis. Jetzt gilt es, den Tabellenplatz zu halten.

Von Javier Cáceres, Berlin

Die Absehbarkeit einer Niederlage macht sie nicht weniger schmerzhaft; und so stand die Hertha am Samstag dann doch bedröppelt da. Oder genauer: bedröppelter als sie es verdient gehabt hätte.

Drei Tage nach der unangreifbaren 0:3-Niederlage gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokalhalbfinale im Berliner Olympiastadion hatte Hertha an gleicher Stätte auch gegen Tabellenführer FC Bayern München mit 0:2 (0:0) das Nachsehen, und das machte es den Berlinern schwer, die positiven Aspekte eines sonnigen Nachmittages zu genießen. Einen besonders: Die Desillusion, die die Pokalpleite gegen Dortmund bewirkt hatte, weil sie eine Finalteilnahme im eigenen Stadion verhinderte, hat in den Köpfen der Hertha keine offen erkennbaren Spuren hinterlassen.

Es passte zu der Niederlage, dass sie durch ein Tor eingeleitet wurde, dem aus Berliner Sicht eine gewisse Tragik innewohnte. Niklas Stark, als defensiver Mittelfeldspieler für Per Skjelbred aufgeboten, fälschte in der 48. Minute einen Fernschuss von Arturo Vidal unerreichbar für Torwart Thomas Kraft ab. Und das 2:0 durch Douglas Costa, ein Fernschuss von betörender Gewalt, von rechts in den linken Winkel, ereignete sich, als nicht mehr damit zu rechnen war, dass das Ergebnis noch gedreht werden könnte. "So ein Tor habe ich noch nie gesehen", sagte Herthas Manager Michael Preetz zum Treffer von Douglas Costa, "und ich bin ja auch schon 30 Jahre dabei."

Bis zum 1:0 hatte sich wieder einmal erwiesen, dass Fußball eine Frage des Gemütszustandes ist. Hertha wirkte regelrecht von der Last befreit, der Erwartungshaltung einer ganzen Metropole gerecht zu werden, die sie noch am Mittwoch gegen die Dortmunder gelähmt hatte. Die Berliner agierten wieder vor der imponierenden Kulisse eines vollbesetzten Berliner Olympiastadions. Aber ohne das ganze Lichtshow-Brimborium, das die Hertha vorm Halbfinale inszeniert hatte, und ohne den Zwang, siegen zu müssen, fiel es der Hertha einfacher, sich auf ihre Kerntugenden zu konzentrieren. Sie war aggressiver, ausgeruhter und kurioserweise kompakter. Trainer Pal Dardai durfte gar, ohne die Wahrheit allzu sehr zu dehnen, ungestraft behaupten, "dass wir in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft waren." Er lobte sein Team dafür, dass es viele zweite Bälle erobert und gut nach vorne verteidigt hatte, "damit konnte der Gegner nicht viel anfangen."

Bemerkenswert war das alles vor allem deshalb, weil Hertha-Trainer Pal Dardai noch mehr Wechsel vorgenommen hatte als vorab angedeutet. Gegenüber dem Dortmund-Spiel brachte er gleich sechs neue Spieler in die Startelf. Neben Kraft, der allein wegen seiner tadellosen Fügung in die Rolle des Ersatzmanns hinter Stammtorwart Rune Jarstein eine Geste der Anerkennung verdient hatte, rotierten Peter Pekarik, Valentin Stocker, Sebastian Langkamp, Tolga Cigerci und Maximilian Mittelstädt.

Hertha begann ähnlich nach hinten orientiert wie gegen Borussia Dortmund, legte aber eine positivere Körperhaltung an den Tag. Allein mit der Erarbeitung von Torchancen haperte es. In der ersten Halbzeit kam nur Mitchell Weiser (20.), wie Kraft ein früherer Bayern-Spieler, im Strafraum mit links zum Schuss. Er wurde von Serdar Tasci geblockt, unter anderem mit dem Unterarm, doch eine elfmeterreife Szene war das nicht: Weiser schoss Tasci aus einem Meter an. Umgekehrt wusste die Hertha mit kompaktem Stellungsspiel Sand ins Getriebe der Bayern zu streuen. Und kam so ohne rote Flecken im Gesicht durch die erste Halbzeit - trotz eines eklatant höheren Ballbesitzes der Bayern.

Auch nach der Pause spielte Hertha dezent mit, auch wenn nach dem Tor von Vidal die Kräfte und die Konzentration ein wenig nachließen. Hertha ist weiterhin Tabellenvierter und muss nun "die letzten Kräfte mobilisieren", wie Trainer Pal Dardai sagte - in Leverkusen, gegen Darmstadt und in Mainz. Das Ziel ist klar: "Wir wollen da bleiben, wo wir sind."