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Hertha BSC:"Es geht um eure Jobs"

Corona-Fälle bei Hertha BSC

"Wir sind ein Berliner": Auf einem Stück der alten Mauer wird vor der Geschäftsstelle von Hertha BSC an den Zusammenhalt appelliert.

(Foto: Andreas Gora/dpa)

Geschäftsführer Carsten Schmidt erinnert die Profis des vom Abstieg bedrohten Klubs sehr scharf, dass sie nach der Corona-Quarantäne auch um ihre eigene Zukunft spielen

Von Javier Cáceres, Berlin

Die Profis von Hertha BSC sind seit Donnerstag für die Dauer von zwei Wochen in der häuslichen Isolation, und so hatten sie am Sonntagmorgen womöglich nicht viel Besseres zu tun, als ihrem Chef zu lauschen. Carsten Schmidt, seit Dezember 2020 Vorsitzender der Geschäftsführung des Fußball-Bundesligisten, hatte einen Auftritt in der Talksendung Doppelpass.

Was sie am Tag nach dem vorläufigen Abrutschen auf den Relegationsplatz hörten, waren Worte der Anerkennung und des Optimismus. Zum Beispiel, als Schmidt die "Widerspenstigkeit" lobte, die der Hertha innewohne - in einem Jahr, in dem der Mannschaft "nicht viel gelingen will", habe sie sich stetig gewehrt, zuletzt sogar einigermaßen erfolgreich, und ob der Umstände "eine gewisse Wut" entwickelt. Er versuchte auch, die Schwierigkeiten zu relativieren, die daraus erwachsen, dass die Hertha nach zwei Wochen Verzicht auf Training im Mannschaftsverbund in voraussichtlich maximal 22 Tagen sechs Spiele absolvieren muss. Blöd sei das, sagte Schmidt sinngemäß. Aber habe andererseits nicht Inter Mailand in Italien gezeigt, dass man auch nach einer behördlich angeordneten Quarantäne eine positive Serie starten kann? Doch just, nachdem er betont hatte, dass man den Spielern gerade jetzt auch "Zuspruch" geben und ihnen "Ängste vor einer Vorabstiegssituation nehmen" müsse, brach dann doch der Manager aus Schmidts Brust hervor.

Man werde "auch noch mal ganz genau hingucken, wer für uns in der Zukunft die Mentalität und das Hertha-Bewusstsein zeigt", betonte Schmidt, und unterstrich, dass für die Spieler die Zeit gekommen sei, "alles in die Waagschale zu legen, um ihre Jobs in der Zukunft zu sichern". Für diejenigen, die es noch nicht ganz verstanden haben sollten, brach er es auch individuell herunter: "Da werden möglicherweise einzelne Karrieren beeinträchtigt und beeinflusst."

Was solche unverblümten Wahrheiten für mitunter zartbesaitete Fußballerseelen bedeuten, die ja Fußball vor allem spielen sollen und dafür ein gerüttelt Maß an Unbekümmertheit brauchen? Gute Frage. Andererseits: Am Sonntag wurden sie auch von guten Nachrichten gestreichelt, angefangen damit, dass es keine weiteren positiven Fälle gab und sich die fünf Infizierten, unter ihnen Trainer Pal Dardai, auf dem Weg der Besserung befanden. Vor allem aber wurde Torwart Rune Jarstein nach mehrtägigem Krankenhausaufenthalt wieder entlassen.

Die positiven Fälle sind auf alles mögliche zurückzuführen, offenkundig aber nicht auf Fahrlässigkeit der Herthaner. "So lange wir nicht in einen kompletten Lockdown gehen, ist das Leben mit Risiken behaftet", betonte Schmidt. Hertha habe die DFL-Hygienevorgaben "übererfüllt" und werde das weiter tun. So kündigte Schmidt an, dass "externe Mitarbeiter in Schutzanzügen" die Hertha-Profis aufsuchen werden, um zusätzliche PCR-Test zu machen und das Kontrollnetz also noch enger zu ziehen. Die DFL wird in den nächsten Tagen entscheiden, ob die Mannschaften in die "freiwillige" Hotelisolation geschickt werden; der 1. FC Union Berlin hat eine solche Kasernierung für die kommenden Spiele vorauseilend schon angekündigt. Derweil versuchen sich Sportdirektor Arne Friedrich und andere Verantwortliche an der Quadratur des Kreises. Die einzelnen Teammitglieder sollen nun, da sie in häuslicher Isolation sind, "näher zusammenrücken".

© SZ/moe
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