Trainer-Rauswurf in Berlin:Preetz in der Kritik

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Ein Schaden entstehe dem Verein durch die vorzeitige Beendigung des Vertrages nicht, da "wurden entsprechende Regelungen getroffen", sagt Preetz. Hat er trotzdem an persönliche Konsequenzen gedacht? Bei der Frage blickt Preetz kämpferisch: "Ich bin a) ein Kämpfer, der b) nicht wegläuft. Und c) macht es auch nicht jeder, Fehler einzuräumen."

Weglaufen konnte am Sonntag bei Hertha sowieso niemand. Die aufgebrachten Fans ließen niemanden durch. Als die Spieler vom Auslaufen zurückkamen, wurden sie auf dem Vereinsgelände an der Hanns-Braun-Straße von mehr als hundert Menschen umringt. "Wir wollen sie alle", war zu hören, als auffiel, dass nicht alle Protagonisten der Stuttgart-Pleite zum Auslaufen gekommen waren.

Ein paar Meter weiter, im "Haus des Deutschen Sports", wurde eine spontane Aussprache organisiert. Die Szenerie erinnerte zunächst an ein Gefängnis. Ein Eisengitter trennt die Vorhalle des 1934 erbauten Gebäudes von der ehemaligen Fechthalle im hinteren Bereich. Es gibt nur einen Durchgang, dort stellten sich die Hertha-Spieler auf. Links ein Gitter, rechts ein Gitter, vor ihnen mehr als hundert aufgebrachte Herthaner. Die fühlten sich durch den Auftritt in Stuttgart verraten: Die Mannschaft trete nicht geschlossen auf, schimpften die Wortführer. Sie wolle gar nicht gewinnen.

Der letzte Vorwurf war unter anderem an Andreas Ottl gerichtet. Am Samstag war er nach einer halben Stunde dem Stuttgarter Tamas Haijnal im Mittelfeld von hinten in die Beine gesprungen. Für das grobe Foul ohne Aussicht auf einen Ballkontakt sah Ottl die rote Karte.

Nur zwei Minuten vorher hatte er an derselben Stelle den Ball verloren, was zum 2:0 durch Martin Harnik geführt hatte. Danach durften die Stuttgarter ihre Versöhnung mit den eigenen Zuschauern vorantreiben, während die Wut des Berliner Anhangs mit jedem Gegentreffer wuchs.

Im "Adlersaal" artikulierten die Anhänger ihren Frust nun laut und deutlich. Handgreiflich wurde aber niemand. Dafür sorgten die besonnenen Anführer der Fangruppe sowie die Spieler Peter Niemeyer und André Mijatovic. Die zwei hatten schon nach dem Spiel den Kontakt gesucht, als sie über die Absperrungen hinweg zum Gästeblock geklettert waren. Nun versprachen sie den Fans, in der Zukunft "gemeinsam" zu kämpfen. Welcher Trainer die Hertha-Elf dabei führen wird? Die Überraschung steht noch aus.

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