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Trainer-Rauswurf in Berlin:Chaos statt Aufbruch

Nach nur 52 Tagen und fünf Pleiten in Serie entlässt Hertha-Manager Michael Preetz Coach Michael Skibbe - und räumt ein, dessen Engagement sei "eine Fehleinschätzung" gewesen. Es ist bereits die vierte unglückliche Trainerentlassung in Preetz' Führungs-Ära. Weil im Klub keine Struktur erkennbar ist, fühlen sich die Fans verraten.

Die Planungen begannen noch in Stuttgart. Gerade war die Hertha 0:5 beim VfB untergegangen - da griff Berlins Geschäftsführer Michael Preetz zu seinem Handy und hielt Rücksprache mit dem Vereinspräsidium. Etwa zur gleichen Zeit heckten auch enttäuschte Berliner Fans in einem Internetforum einen Plan aus. Fast zeitgleich nahmen so zwei voneinander getrennte Geheimaktionen Gestalt an, die am Sonntagmorgen um 10 Uhr in einer doppelten Überraschung für die Fußballer von Hertha BSC mündeten.

File photo of Hertha Berlin's new coach Michael Skibbe

Aus bei Hertha BSC: Michael Skibbe.

(Foto: REUTERS)

Die eine vor ihrer Kabine: Etwa 170 Hertha-Fans marschierten an der geschlossenen Schranke vorbei aufs Trainingsgelände, um die Mannschaft zur Rede zu stellen. Die andere in der Kabine: Michael Preetz verkündete den Spielern, dass ihr Trainer mit sofortiger Wirkung beurlaubt sei.

Fünf Pflichtspiele war Michael Skibbe auf der Hertha-Bank gesessen. Fünfmal musste er im Anschluss eine Niederlage erklären. Nur ein einziger Treffer gelang seiner Mannschaft dabei, bei zwölf Gegentoren. "Die Art und Weise der Niederlage in Stuttgart hat uns gezwungen zu handeln", sagte Michael Preetz am Sonntag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Von einem Aufbäumen im Abstiegskampf war in Stuttgart nichts zu sehen gewesen.

Stürmer waren nur auf dem Zettel mit der Mannschaftsaufstellung präsent, das Mittelfeld sammelte mehr Fehlpässe als Zweikämpfe, und um die Abwehr zu überlisten, reichte mal wieder eine Standardsituation aus: Der ehemalige Hoffenheimer Vedad Ibisevic erzielte nach einem Freistoß seinen ersten Treffer für seinen neuen Verein.

Michael Skibbe nannte das Auftreten seines Teams: "katastrophal". Was er zu dem Zeitpunkt nicht ahnte: Es war seine letzte Spielanalyse. Bei der Ankunft am Flughafen Tegel ließen ihn seine Spieler stehen, anstatt wie verabredet gemeinsam zum Mannschaftsbus zu gehen. Stunden später traf er sie dann in der Kabine des Trainingszentrums wieder.

Doch eine Entschuldigung seitens der Spieler war nicht mehr nötig. Nach nur 52 Tagen war Michael Skibbe am Sonntagmorgen nur noch gekommen, um sich zu verabschieden. Die Diskrepanz zwischen der verbreiteten Aufbruchsstimmung und dem zählbaren Erfolg war am Ende einfach zu groß.

Der Traum vom Pokalfinale im Heimstadion ist wieder mal geplatzt, der Vorsprung auf die Abstiegsplätze ist fast weg. Sehr enttäuscht sei er, dass nicht erreicht wurde, was man sich vorgenommen habe, sagt Preetz. Erst kurz vor Weihnachten hatte er Skibbe aus der Türkei zurückgeholt, offenbar gegen Zahlung einer sechsstelligen Ablöse - obwohl sich der Klub einen strengen Sparkurs verordnet hat. Sieben Wochen später nennt Preetz die Entscheidung für Skibbe nun "eine Fehleinschätzung."

Als Geschäftsführer trage er natürlich "die Verantwortung für Personalentscheidungen". Und selbstverständlich übernehme er nun auch "die Verantwortung zu sagen, dass wir leider nicht den erhofften Erfolg gehabt haben". Und es sei dann eben "auch meine Verantwortung für Hertha BSC, diese Fehleinschätzung zu korrigieren, wenn ich das Gefühl habe, an einen Punkt gekommen zu sein, an den es nicht mehr weitergeht".

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