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Hertha BSC Berlin:Marktgeraune um "Platte"

Eintracht Braunschweig - Hertha BSC

Herthas Marvin Plattenhardt (rechts) bejubelt sein Traumtor im DFB-Pokal.

(Foto: Peter Steffen/dpa)
  • Wechselt Nationalspieler Marvin Plattenhardt noch ins Ausland? Atlético Madrid hat Interesse am Berliner Linksverteidiger.
  • Er ist - neben Jérôme Boateng vom FC Bayern - der einzige deutsche WM-Fahrer, der international im Gespräch ist.
  • Plattenhardt könnte sich aber auch einen Verbleib bei Hertha BSC gut vorstellen.

Von Javier Cáceres

Dass der deutsche WM-Fahrer Marvin Plattenhardt, 26, für spektakuläre Tore sorgen kann, hat sich herumgesprochen. Doch ein Treffer wie jener, den er am Montagabend beim 2:1-Sieg beim Drittligisten Eintracht Braunschweig erzielte, als ihn sein Team, der Fußballbundesligist Hertha BSC, am nötigsten hatte, fehlte bislang in seinem Portfolio.

"Da warte ich schon vier, fünf Jahre drauf", sagte Plattenhardt, nachdem ihm unter die Nase gerieben worden war, dass sein famoses Volleyschusstor zum zwischenzeitlichen 1:0 für die Gäste auch sein erster Pflichtspieltreffer aus dem Spiel heraus gewesen war, sich also von seinen bisherigen Treffern - allesamt direkt verwandelte Freistöße - elementar unterschied.

Weil Filipe Luis nach Paris will, prüft Atlético Madrid, ob Herthas Pokalheld ins System passt

"Das ist der Platte!", rief Außenstürmer Valentino Lazaro nach dem mühsamen Erfolg der Hertha in der ersten Runde des DFB-Pokals, "das ist ihm scheißegal, der haut einfach drauf." Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, sollte das heißen, dass der Ball nur einen Millimeter vom Spann hätte verrutschen müssen, um zu einem lächerlichen Fehlversuch zu werden. Plattenhardt selbst wusste das zu gut: "Wenn ich den nicht so gut erwisch', geht der übers Stadion." Lazaro hatte eine Flanke zu hoch angesetzt, Eintracht-Torwart Marcel Engelhardt boxte den Ball in hohem Bogen aus dem Strafraum heraus, doch ehe er den Boden berührte, hatte Plattenhardt, 25 Meter vor dem Tor, das linke Bein durchgeladen: Volley jagte er den Ball unter die Latte des Eintracht-Tores, ganz in die Nähe des rechten oberen Ecks.

"Es war ein fantastisches Tor", lobte Trainer Pal Dardai, "bis der Ball aus dem Netz zurückrollte, wusste der Torwart gar nicht, wo der war." Selbst Plattenhardt hatte freilich die Orientierung verloren: "Ich habe spät gesehen, dass der drin war, da standen ja 20 Leute davor." Und das erklärte, warum er einen Treffer kaum bejubelte, der, wie es neudeutsch heißt, viral gehen, also auch jenseits deutscher Grenzen wahrgenommen werden dürfte.

Das Tor, gestand Plattenhardt einem ZDF-Reporter, habe ihm "nach dieser WM gutgetan". Plattenhardt hatte in Russland nur beim 0:1 gegen Mexiko spielen dürfen, danach war Jonas Hector (1. FC Köln) wieder gesund. Kurioserweise ist Plattenhardt dennoch - neben Jérôme Boateng vom FC Bayern - der einzige Spieler aus dem deutschen WM-Kader, der international im Gespräch ist. Zuletzt gab es Gerüchte um einen Wechsel nach England, wo der Transfermarkt inzwischen geschlossen ist. Aktuell befasst sich Atlético Madrid mit dem Berliner Linksverteidiger, denn der Brasilianer Filipe Luis steht vor einem Wechsel zu Paris Saint-Germain.

Ein konkretes Interesse Atléticos ist dem Vernehmen nach aber weder bei Hertha noch bei Plattenhardt hinterlegt. Jenseits davon nimmt Plattenhardt das Marktgeraune gelassen hin: "Ich habe schon direkt nach der WM gesagt, dass ich bei Hertha einen langfristigen Vertrag habe, dass ich mich hier wohlfühle", sagte Plattenhardt. Ein Transfer komme eh nur infrage, wenn es für alle Parteien passt. Und das heißt unter anderem, wenn für Hertha eine erkleckliche, zweistellige Millionen-Euro-Ablöse herausspringen würde. "Ich freue mich auf die nächsten Wochen mit Hertha", sagt Plattenhardt, der am Tag nach dem Pokalsieg einen neuen Kollegen begrüßen durfte: den vielseitigen serbischen Mittelfeldspieler Marko Grujic, 22, der vom FC Liverpool ausgeliehen wurde.

Ob die sehr behutsam verstärkte Hertha in der neuen Saison einen Schritt nach vorn tut, könnte man nach dem Anfangsgewürge in Braunschweig skeptisch beurteilen. Freilich experimentierte das Team erstmals unter Wettkampfbedingungen im neuen 3-4-3-System, das Interessantes bietet: die Aussicht auf initiativeres und abwechslungsreicheres Spiel.

Die Probleme in Braunschweig führte Trainer Pal Dardai zum Teil auch auf Eingewöhnungsschwierigkeiten zurück: Seine Profis hätten mitunter gezögert, den nötigen Mut aufzubringen. Als es am Ende eng wurde, war der Mut aber doch da: Nach dem Ausgleich der Eintracht (Mergim Fejzullahu/81.) spielte Herthas Zehner Ondrej Duda erstmals seit seiner Verpflichtung 2016 das, was man von ihm erwartete: einen Spielmacherpass in den Strafraum. Mittelstürmer Vedad Ibisevic (83.) traf zum 2:1, die letzte Vorlage kam von Dennis Jastrzembski. "Es war mir eine Ehre, diesem Stürmer ein Tor auflegen zu dürfen", sagte der 18-jährige, talentierte Einwechselspieler demütig.

© SZ vom 22.08.2018/ebc
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