2. LigaEin Hörnchen Kroos

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Los geht’s mit der Profikarriere: Berlins Kennet Eichhorn bei seiner Premiere gegen den Karlsruher SC.
Los geht’s mit der Profikarriere: Berlins Kennet Eichhorn bei seiner Premiere gegen den Karlsruher SC.
Sebastian Räppold/Matthias Koch/Imago
  • Kennet Eichhorn ist mit 16 Jahren und 14 Tagen zum jüngsten Zweitliga-Fußballprofi der Geschichte geworden. Er debütierte für Hertha BSC gegen den Karlsruher SC.
  • Eichhorn zeigte bei seinem 25-minütigen Einsatz eine beeindruckende Leistung im defensiven Mittelfeld. Trainer Stefan Leitl lobte ihn als "Riesentalent".
  • Der Nachwuchsspieler steht sinnbildlich für den "Berliner Weg" von Hertha BSC. Er widerstand Angeboten anderer Bundesligisten und wird mit Toni Kroos verglichen.
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Mit 16 Jahren und 14 Tagen ist Kennet Eichhorn zum jüngsten Zweitliga-Fußballprofi der Geschichte geworden. Sein Debüt für Hertha BSC zeugt von erstaunlicher Reife – und weckt große Hoffnungen.

Von Javier Cáceres

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In seinem Personalausweis steht Eichhorn, Kennet Eichhorn. Doch der frischeste Absolvent der Akademie des Fußballzweitligisten Hertha BSC ist so jung, dass er fast schon zwangsläufig Eichhörnchen genannt werden müsste. Am Sonntag schaute ihm sein Trainer Stefan Leitl süß lächelnd in die Augen und gab ihm, nachdem er ihm die Hände auf die Schultern gelegt hatte, noch einen Klaps in den Nacken. Dann wechselte er ihn ein. Und Eichhorn wurde mit 16 Jahren und 14 Tagen der jüngste Zweitligaprofi der Geschichte.

Dass er nicht als jüngster Profi-Debütant im deutschen Fußball gilt, liegt daran, dass ihm Fußballnationalspieler Youssoufa Moukoko offiziell voraus ist – zumindest auf der Basis „der amtlichen Ausweisdokumente und Geburtsurkunden, die von deutschen Behörden ausgestellt worden sind“ und „bis zum heutigen Tag Bestand haben“.

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Diese Zitate und der Verweis auf „eidesstattliche Erklärungen im Rahmen gerichtlicher Verfahren“, in denen der Spieler und die in den Urkunden ausgewiesenen Eltern bestätigten, dass die Angaben in den offiziellen Dokumenten „zutreffend“ seien, fanden sich in einer Erklärung, die Moukokos früherer Klub Borussia Dortmund laut dpa Ende 2024 veröffentlichte. Seinerzeit war – nicht zum ersten Mal – in Zweifel gezogen worden, dass Moukoko im Jahr 2004 geboren wurde. Der Sender Pro Sieben hatte nach Recherchen für eine TV-Doku behauptet, der mittlerweile nach Dänemark abgewanderte Moukoko sei in Wahrheit vier Jahre älter. Moukoko hatte im November 2020 für den BVB debütiert, mit offiziell 16 Jahren und einem Tag, kurioserweise im Berliner Olympiastadion. Seinerzeit wehte eine Werbebande weg, auf der einer der schönsten und unerfüllten Claims der Hertha-Slogan-Geschichte stand: „Die Zukunft gehört Berlin.“ Erfährt er nun vielleicht doch Gültigkeit?

In den rund 25 Minuten, in denen er gegen Karlsruhe mitwirken durfte, legte Eichhorn ein Zeugnis früher und extremer Reife ab. Er spielte, als hätte ihn Leitl rasch zum Milchholen geschickt und nicht auf einen von 60 000 Zuschauern bestaunten Rasen, um dort in „einer Phase, in der es bei uns nicht so lief, als alleiniger ‚Sechser‘“ zu spielen, sprich: im defensiven Mittelfeld für Ordnung zu sorgen. Eichhorn forderte die Bälle, spielte mit Bedacht und Ruhe, wirkte physisch auf der Höhe, besetzte klug die Räume – und leistete sich kaum einen Ballverlust. „Ich bin superzufrieden mit ihm“, sagte Leitl und bestätigte schon zuvor getätigte Äußerungen: „Ich habe immer gesagt, das ist ein Riesentalent.“

Der Einsatz gegen den KSC „war kein Geschenk“, betonte Sportdirektor Benjamin Weber

Das geben auch Branchenbeobachter her. Nicht, dass die Marktwerte, die vom Spezialportal Transfermarkt angegeben werden, immer maßgeblich wären. Aber dass Eichhorn hinter Fabian Reese (fünf Millionen Euro), Maurice Krattenmacher und Michaël Cuisance (je 3,5) an Rang vier der potenziell teuersten Hertha-Spieler geführt wird, weil er einen Marktwert von drei Millionen Euro habe, sagt zumindest relativ viel darüber aus, welche Entwicklungsmöglichkeiten dem Teenager attestiert werden.

Der Einsatz gegen den KSC „war kein Geschenk“, betonte Sportdirektor Benjamin Weber, „das hat er sich durch die Leistung in der Vorbereitung und den letzten zwei Trainingswochen verdient“. Trainer Leitl wiederum bestätigte, es habe Überlegungen gegeben, Eichhorn in die Startelf zu stellen. Nun winkt – auch wegen der Verletzungen von Diego Demme und Paul Seguin – in der ersten Runde des DFB-Pokals bei Preußen Münster ein Einsatz in der Startelf. „Wir gucken mal, wie er das Ganze mental verarbeitet, und dann werden wir sehen“, sagte Leitl.

Den Hertha-Anhängern wäre es ein Fest. Eichhorn wurde bei seiner Einwechslung frenetisch bejubelt. Nicht zuletzt, weil er sinnbildlich für den sogenannten Berliner Weg steht und der Verlockung widerstand, den Angeboten diverser Bundesligisten nachzugeben. Leverkusen, Frankfurt und Wolfsburg galten als interessiert. Aber: Eichhorn blieb in Berlin.

Mit Toni Kroos ist er hier und da schon verglichen worden

Bei Hertha spielte er schon seit der U 9. Zuletzt übersprang er diverse Entwicklungsschritte und war als 15-Jähriger in der U 23 aktiv. Im Januar 2024 wurde er beim renommierten Matthias-Pape-Gedächtnisturnier des 1. FC Magdeburg zum Spieler des Turniers gewählt – eine Ehre, die Nationalspielern wie Julian Draxler (2008), Florian Wirtz (2018) und Toni Kroos (2005) zuteilwurde. Mit Kroos ist er hier und da schon verglichen worden.

Angesichts solcher Umstände ist es nicht überraschend, dass Eichhorn gefeiert wird – und die Kollegen sich kümmern. „Wir müssen ihm die Zeit geben, ihm nicht zu viel Vorschusslorbeeren geben“, mahnte Kapitän Fabian Reese. Torhüter Tjark Ernst wirkte gleichwohl gelassen, Eichhorn sei „extrem geerdet“. Das seien beste Voraussetzungen, sagte der Hertha-Keeper, um ein Versprechen einzulösen, das seit Sonntag in der Berliner Luft hängt: „An dem Jungen werden wir noch viel Freude haben.“

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