Hertha BSC in der Bundesliga:Marco Richter setzt den I-Punkt

Lesezeit: 2 min

Hertha BSC in der Bundesliga: Umarmung für den Torschützen: Keeper Oliver Christensen mit Richter.

Umarmung für den Torschützen: Keeper Oliver Christensen mit Richter.

(Foto: Klaus Rainer Krieger/Imago)

Hertha BSC gelingt der erste Saisonsieg durch ein 2:0 in Augsburg. Der zurückgekehrte Offensivspieler erzielt dabei in der alten Heimat sein erstes Tor nach einer Hodenkrebs-Erkrankung.

Von Maik Rosner, Augsburg

Viel haben der FC Augsburg und Hertha BSC nicht miteinander gemein, dennoch ähnelt sich ihre Situation. Vieles sollte an beiden Standorten ja besser werden nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre. Allzu gut hatte es aber auch diese Saison noch nicht mit ihnen gemeint. Vor allem das Toreschießen fiel ihnen schwer. Die Augsburger hatten sich nur wenige Chancen erspielt, diese aber immerhin mit der besten Quote der Liga konsequent genutzt. Die Berliner dagegen kamen zwar oft zu Abschlüssen, waren an den ersten vier Spieltagen jedoch mit der schlechtesten Chancenverwertung der Liga aufgefallen.

Es verwunderte nicht, dass der direkte Vergleich am Sonntag lange Zeit torarm verlief. 2:0 (0:0) gewann die Hertha vor allem durch das Kopfballtor von Dodi Lukebakio (57.), ehe der ehemalige Augsburger Marco Richter in der Nachspielzeit zum Endstand traf (90.+3). Für die Berliner war es der erste Saisonsieg, nach fünf Ligaspielen weisen sie vier Punkte auf.

"Endlich konnten wir drei Punkte einfahren. Wir freuen uns riesig", sagte der eingewechselte Richter. Sein Tor bezeichnete der Offensivspieler als "I-Tüpfelchen". Das war es auch deshalb für ihn, weil er zum zweiten Einsatz nach seiner Hodenkrebs-Erkrankung gekommen war und nun erstmals wieder über einen eigenen Treffer jubeln durfte. Die Augsburger dagegen ärgerten sich über den nächsten Rückschlag und ihre Harmlosigkeit in der Offensive. "Wir sind sehr enttäuscht", sagte Trainer Enrico Maaßen, "wir haben es nicht geschafft, nach dem 0:1 zurückzukommen." Beim FCA blicken sie nach nur drei Punkten aus fünf Spielen auf ihren schlechtesten Start seit zehn Jahren.

Augsburg ist zunächst gefährlicher

Es hatte sich ins Bild des Saisonverlaufs gefügt, dass sich beide Geschäftsführer bereits am Ende des Transfersommers damit beschäftigten, den Kader nachzuschärfen. Herthas Manager Fredi Bobic nahm dafür die lange Winterpause wegen der WM in Katar in den Blick. Sein Augsburger Kollege Stefan Reuter entschloss sich bereits zur kurzfristigen Korrektur durch die Leihe des Stürmers Mergim Berisha, 24, von Fenerbahce Istanbul. Die Verpflichtung ging mit der Einsicht einher, dass Ricardo Pepi, 19, mehr Zeit benötigt, um ein gefährlicher Bundesligastürmer zu werden. Mit 16 Millionen Euro Ablöse ist der US-Amerikaner mit Abstand der teuerste Transfer in der Geschichte des FCA, ein Tor war ihm seit seiner Ankunft im Januar aber nicht gelungen. Nun soll er seine Eingewöhnung in Europa als Leihspieler beim FC Groningen in der niederländischen Eredivisie fortsetzen.

Berisha dagegen trauen sie auch wegen seiner Erfahrungen auf höchstem Niveau mit sechs Spielen und vier Toren in der Champions League bei RB Salzburg zu, dass er beim FCA sofort helfen kann. Das gelang zunächst auch. Berisha war sofort an fast allen gefährlichen Situationen beteiligt, dazu zählte sein Schuss an den Außenpfosten (28.). Kurz zuvor hatte er seinen Sturmkollegen Ermedin Demirovic mit einem Steilpass in Szene gesetzt. Allerdings beendete Herthas Filip Uremovic als letzter Mann den Angriff mit einem Klammergriff, für den er beim Ringen vermutlich eine Wertung erhalten hätte, nun aber von Glück sagen konnte, dass es Harm Osmers bei der gelben Karte beließ. Nach Ansicht des Schiedsrichters hätte der mitgelaufene Marvin Plattenhardt noch eingreifen können.

Offensiv hatte die Hertha bis zur Pause immerhin zwei nennenswerte Abschlüsse erwirtschaftet. Doch erst Lukebakio brachte den Ball in der zweiten Halbzeit aufs Tor, und weil sein Kopfballaufsetzer nach Plattenhardts Flanke von links ins Netz sprang, durften sich die Berliner über ihr drittes Saisontor und das zweite von Lukebakio freuen. Später folgte noch Richters erstes Tor nach seiner Rückkehr. "Wir freuen uns, dass er gesund ist und seiner Leidenschaft nachgehen darf", sagte Herthas Trainer Sandro Schwarz, "wir freuen uns, dass wir den I-Punkt gesetzt haben mit dem Tor von Marco."

Zur SZ-Startseite

SV Werder
:Bremer Spätmusikanten

Der erstaunliche Aufsteiger führt auch gegen Bochum das Wettkampfglück und die Leichtigkeit vor, die dem VfL abhandengekommen sind. Stürmer Niclas Füllkrug kommt kühnen Propheten gar für den WM-Kader in den Sinn.

Lesen Sie mehr zum Thema