Herren-Abfahrt Österreichischer Auswärtssieg

Im Flug zum Sieg: Der Österreicher Vincent Kriechmayr bei seiner Abfahrt in Wengen.

(Foto: Anthony Anex/dpa)

Der Österreicher Vincent Kriechmayr gewinnt die Abfahrt in Wengen - das deutsche Team hadert mit Pech und Fehlern.

Der Samstag der Lauberhorn-Abfahrt in Wengen gilt in der Schweiz als hoher Feiertag. Wenn sich die besten Skirennläufer der Welt vor dem imposanten Panorama von Eiger, Mönch und Jungfrau auf die kraftraubende, fast 4,5 Kilometer lange Strecke stürzen, stehen bis zu 35.000 Zuschauer am Berg, der Marktanteil der TV-Übertragung betrug zuletzt sagenhafte 78 Prozent. Wenn im Berner Oberland dann noch ein Schweizer gewinnt, ist der Feiertag perfekt. Doch diesmal fuhr den Schweizern - ausgerechnet - einer der unter den Fans recht unbeliebten Österreicher in die Parade.

Dabei hatte es lange gut ausgesehen für die Eidgenossen. Beat Feuz, im vergangenen Jahr überlegener Sieger auf der längsten Abfahrt im Weltcup, übertrumpfte mit einer herausragenden Fahrt den zu diesem Zeitpunkt führenden Norweger Aksel Lund Svindal und fuhr eine umjubelte Bestzeit. Doch nur zwei Startnummern später schoss Vincent Kriechmayr aus Österreich über den roten Zielstrich und riss den Sieg an sich - er war 0,14 Sekunden schneller. Schon im Abfahrts-Bewerb der Kombination am Freitag war Kriechmayr Bestzeit gefahren, am Samstag nun gelang ihm sein vierter Weltcupsieg. Allein Aleksander Aamodt Kilde (Norwegen) konnte ihm noch gefährlich werden, verlor jedoch im Schlusshang noch etwas Zeit.

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll, es ist sehr, sehr gut", sagte Kriechmayr nach seiner Fahrt im ORF: "Das Lauberhornrennen ist nach Kitzbühel das wichtigste Rennen." Für die Ski-Nation Österreich war es der erste Sieg am Lauberhorn seit 2015, in den vergangenen Jahren jedoch hatten sich die ÖSV-Athleten stets auf dem Podest platzieren können. Die Schweizer auf der anderen Seite waren etwas enttäuscht: "Ich bin mit meiner Fahrt nur teils zufrieden", sagte Feuz und schaute dabei ein wenig unglücklich drein. "Der Sieg", betonte er, "wäre möglich gewesen", allerdings sei er eben "nicht ganz einwandfrei" gefahren. Lob hatte er für den Sieger: "Vincent fährt eine sehr gute Technik, die ihm hier zu Gute gekommen ist. Da ist er im Moment vielleicht der Beste."

Als bester Deutscher belegte Manuel Schmid (Fischen) mit der hohen Startnummer 39 noch Rang 18. Wenig zu lachen hatte Josef Ferstl. Und als er wenigstens tapfer lächelte nach seiner "ein bisschen verkorksten Fahrt" auf Rang 28 (+2,54), dann sah das Lächeln ziemlich schief aus - auch, weil ihm beim Einfahren noch die Krone vom linken oberen Schneidezahn rausgefallen war. Ferstl landete knapp vor Dominik Schwaiger auf Rang 29 (Königssee/+2,63) und klagte hinterher, er sei viele Passagen nicht gut gefahren, "viele Kleinigkeiten" hätten nicht gepasst. Ferstl, Schmid und Schwaiger haben es allerdings auch schwer dieser Tage. Zu Beginn der Saison waren sie Mitglieder eines aufstrebenden Abfahrtsteams, doch nach den Kreuzbandrissen von Anführer und Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen sowie Andreas Sander fehlen wichtige Mannschaftskollegen. "Für das Team ist das schon blöd", sagte Ferstl, und: "Wir sind geschwächt, aber das heißt ja nicht, dass wir nichts können. Wir machen weiter, greifen an." Nächster Versuch: Am kommenden Samstag auf der berüchtigten "Streif" in Kitzbühel.