Heimsieg gegen Paderborn:Stocker stochert Hertha ins Glück

Hertha BSC - SC Paderborn 07

Valentin Stocker jubelt, Berlin ebenso: Die Hertha besiegte Paderborn.

(Foto: dpa)
  • Hertha BSC Berlin gewinnt mit 2:0 gegen den SC Paderborn und setzt sich damit acht Punkte von den Abstiegsplätzen ab.
  • Beide Mannschaften liefern eine leidenschaftslose Partie ab. Die Tore erzielten Valentin Stocker (68.) nach einem Freistoß und Nico Schulz (88.).
  • Für den Aufsteiger aus Ostwestfalen wird der Klassenerhalt immer unwahrscheinlicher.
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Von Javier Cáceres, Berlin

Der Berliner Bundesligist Hertha BSC hat am Sonntagabend einen möglicherweise entscheidenden Sieg im Kampf gegen den drohenden Abstieg erzielt. In einer teilweise absurd schlechten Partie siegte Hertha gegen den Tabellenvorletzten SC Paderborn mit 2:0 (0:0) - und baute damit seinen Vorsprung auf den Abstiegsplatz 17 auf acht Punkte aus. Hertha blieb damit im fünften Spiel hintereinander unbesiegt.

"Ich glaube, das ist das erste Mal, dass das (Tabellenbild) beruhigend aussieht", sagte der Schweizer Mittelfeldspieler Valentin Stocker, der zum vorentscheidenden 1:0 traf. Das zweite Tor erzielte der eingewechselte Nico Schulz. Er jagte drei Minuten vor Schluss eine Flanke von Peter Pekarik volley ins Netz. Den Glückwünsch von Paderborns Trainer André Breitenreiter ("...dass ihr heute die Klasse gehalten habt"), wollte Herthas Coach Pál Dárdai freilich noch nicht annehmen. Es gehe noch immer um den Klassenerhalt, sagte er. Sollten nun, möglicherweise schon am Freitag in Hannover, drei weitere Punkte folgen, könne sich Hertha "andere Ziele setzen", sagte Dárdai - und meinte damit vor allem: besser Fußball zu spielen.

"Beide Mannschaften haben Probleme im Aufbauspiel"

Gemessen an dem Vortrag der Hertha ist das eine nachgerade monumentale Herausforderung. Gegen Paderborn brachten die Berliner das seltsame Kunststück fertig, defensiv organisiert zu operieren und im Spiel nach vorne jeden auch nur ansatzweise nach Struktur aussehenden Zusammenhang vermissen zu lassen. Zu den kreativsten Momenten zählte ein weit in den Strafraum bugsierter Einwurf.

Potenziert wurde die geballte Ideenlosigkeit durch den gleichfalls schwachen Gegner Paderborn, der zudem den weitgehend perfiden Plan verfolgte, Hertha den Ball zu überlassen. Die zahllosen Unterbrechungen durch kleine Ungehobeltheiten taten ihr Übriges, um die Partie in eine Tortur für 44.000 Zuschauer zu verwandeln. "Man hat insbesondere in der ersten Halbzeit gesehen, dass beide Mannschaften Probleme im Aufbauspiel haben", sagte Gästetrainer Breitenreiter.

Nach der Pause wurde die Partie zwar etwas lebendiger, qualitativ aber nicht sonderlich besser. Bei den Paderbornern war zwar der Wille zum sauberen Vortrag zu erkennen. Doch die krude Realität fing sie immer wieder ein und verurteilte ihre Versuche, Torgelegenheiten zu erspielen, allzu oft zu unerreichbaren Träumen. Es trat dann aber das ein, was Breitenreiter seinen Spielern in der Pause warnend mit auf den Weg gegeben hatte: dass eine Standardsituation entscheidend sein könne. Wie dann zu beweisen war.

Eine "perfekte Woche" für den Schweizer Stocker

Denn nach einem Freistoß, den Linksverteidiger Marvin Plattenhardt an die Latte gezirkelt hatte, stocherte Stocker, der letzte verbleibende filigrane Spieler in den Reihen der Berliner, den Ball ins Netz der Paderborner. Schon mit der Schweizer Nationalelf hatte Stocker ein Tor getroffen. "Das war eine perfekte Woche für mich, würde ich sagen. Aber wichtiger war natürlich, dass wir die drei Punkte geholt haben", sagte er.

Erst danach kam Hertha zu zwingenden Torgelegenheiten. Doch der frühere Champions-League-Sieger Salomon Kalou vergab in der 77. und 81. Minute frei vor Gästetorwart Lukas Kruse; der Japaner Genki Haraguchi stand Kalou dann noch vor Schulzes Treffer zum 2:0-Endstand in Nichts nach. In der Schlusssekunde hätte ein früherer Berliner, Srdjan Lakic, fast noch verkürzen können. Doch sein Schuss ging an den Pfosten.

"Wichtig ist, dass wir in den letzten beiden Spielen zwei direkte Konkurrenten schlagen konnten", sagte Herthas Manager Michael Preetz. Nun steht den Berlinern am Freitagabend ein weiteres Abstiegsduell ins Haus: Die Hertha reist nach Hannover. Sobald der Klassenerhalt gesichert ist, will sich Preetz der Frage zuwenden, die die Berliner zunehmend umtreibt: der vertraglichen Bindung von Pál Dárdai als offizieller Cheftrainer der Profimannschaft. Zurzeit ist er das nur "bis auf Weiteres".

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