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Dieter Hecking:Zurück in neuer Funktion

Dieter Hecking

Dieter Hecking kehrt zum Club zurück.

(Foto: dpa)

Dieter Hecking kommt zum 1. FC Nürnberg - nicht als Trainer, sondern als mächtiger Sport-Vorstand, der mit seinem Konzept offenbar alle begeistert hat.

Von Philipp Schneider

Dieter Hecking hat den Zeitpunkt für seinen Wechsel diesmal etwas klüger gewählt. Es ist mitten im Jahr, in Bayern beginnen gerade die Sommerferien, auf den Autobahnen rollt eine nie für möglich gehaltene Blechlawine vom Norden in den Süden der Republik. Was auch damit zu tun hat, dass die Blechlawine mangels hygienisch seriöser Flugverbindungen die einzig verbliebene Fortbewegungsmöglichkeit ist, mit der jedermann mit seiner Familie und seinen Viren unter sich bleiben kann. Dieter Hecking war in den vergangenen Tagen am Gardasee. Er rollte also nicht vom HSV aus dem Norden zum 1. FC Nürnberg, er sah die Blechlawine auf der anderen Spur. Und anders als bei seinem fluchtartigen Abschied vom Club im Winter 2012/13 schlug er bei seiner Rückkehr auch zeitlich einen weiten Bogen: um Weihnachten und andere Festtage. Es soll diesmal garantiert keiner auf die Idee kommen, Hecking als Weihnachtsgeschenk zu bezeichnen. Oder als Ei vom Osterhasen.

Die Geschichte hing ihm ja beim Club eine ganze Weile nach: Wie er kurz vor Weihnachten 2012 eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag nutzte, um in den Norden zum VfL Wolfsburg zu rollen. Und er so den armen Club mit der unerfahrenen Trainer-Doppelspitze Michael Wiesinger und Armin Reutershahn im Trainingslager in Marbella zurückließ. "Ich hatte jedenfalls kein Schleifchen um, als ich hier ankam", rechtfertigte sich Hecking Tage später in Wolfsburg, als er im Angesicht des Christbaumes den Dienst als VfL-Trainer antrat.

Alles vergessen. Siebeneinhalb Jahre später darf Hecking wieder zurück zum Verein am Valznerweiher. Zwar steht der nun eine Liga tiefer als bei Heckings Abschied. Dafür ist Hecking nun eine Liga höher: Er ist nicht mehr Trainer wie damals, sondern soll, wie die SZ erfuhr, zum Sportvorstand umfunktioniert werden. Ob Hecking zur Entlastung ein Sportdirektor unterstellt werden wird - und es sich dabei, wie die Bild berichtet, um Martin Przondziono handelt, ist unklar. Der 51-Jährige war Geschäftsführer beim SC Paderborn, ehe sich der Verein wegen "unterschiedlicher Auffassungen in der sportlichen Weiterentwicklung" von ihm trennte.

Unterschiedliche Auffassungen dürfte es auch über das Saisonfinish von Heckings ehemaligem Arbeitgeber gegeben haben, dem Hamburger Sportverein. Am letzten Spieltag hätte der von Hecking trainierte HSV nur unentschieden gegen Sandhausen spielen müssen, um die Aufstiegsrelegation zur Bundesliga zu erreichen. Stattdessen verlor er 1:5. Man darf sagen: Hecking verpasste den Aufstieg haarscharf. Aber nicht ganz so haarscharf wie der 1. FC Nürnberg dem Abstieg in die 3. Liga entkam: erst nach einem Treffer in der Nachspielzeit des Relegationsrückspiels. Es zeichnet sich also ein fruchtbarer Erfahrungsaustausch über sportliche Grenzerfahrungen ab zwischen dem neuen Sportvorstand und der Mannschaft.

Für die muss Hecking möglichst bald noch einen neuen Trainer präsentieren. Das war zuletzt der ausdrücklich Wunsch des Aufsichtsrats. Einen Nachfolger für Jens Keller muss er finden, der nach der Katastrophen-Saison genauso gehen musste wie Sportvorstand Robert Palikuca. Gecoacht wurde das Team in den Entscheidungsspielen nicht mehr von Keller, sondern von eben jenem Michael Wiesinger, den Hecking mit seinem Wechsel nach Wolfsburg einst ins warme Poolwasser in Marbella warf.

Über Wiesinger heißt es, er wolle wie vor der Relegation das Nachwuchsleistungszentrum leiten.

Hecking durfte einen Dreijahresvertrag unterschreiben

Der Deal mit Hecking zeichnete sich am Freitag ab, nachdem Benjamin Schmedes als zweiter Kandidat abgesagt hatte. Der Sportdirektor des VfL Osnabrück bestätigte, er stehe "unter den aktuellen Umständen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht zur Verfügung". Ob er mit den Umständen die Aussicht auf einen Job als Sportdirektor unter Hecking meinte, blieb offen. Dass Schmedes, der im Aufsichtsrat des Vereins auch Befürworter hatte, nun von sich aus abgesagt hat, sorgt jedenfalls dafür, dass alle Beteiligten ihr Gesicht wahren können: Schmedes - und die Schmedes-Befürworter.

Am Donnerstagabend hatte der Aufsichtsrat getagt, Hecking stellte ihm bei der Gelegenheit erstmals sein sportliches Konzept vor. Offenbar war dieses so rundum begeisternd, dass Hecking gleich am Freitag ein Dreijahresvertrag angeboten wurde.

© SZ vom 25.07.2020/schm
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