Hamburger SV Heckings große Aufgabe

Vormals bei Gladbach, nun beim HSV: Trainer Dieter Hecking.

(Foto: dpa)
  • Der vormalige Gladbach-Coach Dieter Hecking ist neuer Trainer des Hamburger SV.
  • Er kommt als starker Mann zum HSV, der nach dem verpassten direkten Wiederaufstieg gerade schwer nach Orientierung sucht.
  • Während der Verhandlungen mit dem Zweitligisten erlebte er einen Wechsel des Sportvorstands.
Von Carsten Scheele

Ob Dieter Hecking Anfang des Jahres erahnt hat, dass er schon im Mai beim Zweitligisten Hamburger SV landen würde? Ganz sicher nicht, denn Hecking hatte da gerade als Trainer in Mönchengladbach frisch verlängert, sogar bis ins Jahr 2020, befand sich mit der Mannschaft auf Champions-League-Kurs. Kurzum: Es lief für Hecking. Man durfte sich den 54-jährigen Familienvater (fünf Kinder) als zufriedenen Mann vorstellen.

Danach ist allerdings viel passiert, Gladbach wollte doch lieber mit einem anderen Coach in die Zukunft gehen, wirklich schlüssige Argumente hörte Hecking für diesen Schritt nicht. Der Vertrag wurde zum Saisonende aufgekündigt, der plötzliche Sinneswandel seines Klubs führte bei Hecking zu großer Enttäuschung. Doch schnell galt er als aussichtsreicher Kandidat bei vielen trainersuchenden Klubs. Die auch darüber hinweg sehen konnten, dass Hecking die Champions League mit Gladbach noch verspielt hat.

Ein Faible für Traditionsvereine

Nun ist es der HSV geworden - ein Traditionsverein, klar, für solche hatte Hecking, der schon als Spieler für Waldhof Mannheim, Hannover und Braunschweig tätig war und später Alemannia Aachen und Hannover trainierte, schon immer ein Faible. Aber ein Traditionsverein in der zweiten Liga? Positiv formuliert könnte die Aufgabe für Hecking nicht größer sein: Er kommt als starker Mann zum HSV, der nach dem verpassten direkten Wiederaufstieg gerade schwer nach Orientierung sucht; als arrivierter Trainer, der schon den DFB-Pokal gewonnen hat (2015 mit Wolfsburg) und sich nun in die zweite Liga "herablässt", um einem besonderen Verein zu helfen.

Hecking darf sich, wenn auch bei einem hoch verschuldeten Klub, eine neue Mannschaft aufbauen. Und wenn er es ist, der den einstigen Bundesliga-Dino zurück in die erste Liga führt - das wäre ein spezieller Triumph. Und es würde auch bedeuten, dass sich Heckings Vertrag automatisch verlängern würde, wie Sportvorstand Jonas Boldt bei einer Pressekonferenz am Mittwoch sagte; derzeit hat der Kontrakt eine Laufzeit von einem Jahr.

"Die zweite Liga schreckt mich nicht, sie ist viel besser als ihr Ruf. Und vom ersten Tag an gestalten, das fühlt sich gut an", sagte Hecking bei seiner Vorstellung. Und: "Gäbe es nur die Vorgabe, ein guter Zweitligist zu sein, säße ich nicht hier." Doch er wird wissen, dass Träume in Hamburg schnell geträumt sind und die Realität oft eine andere ist. Er hat auch gleich erfahren, wie das läuft beim HSV: Bereits in der vergangenen Woche hatte er Gespräche mit dem damaligen Sportvorstand Rolf Becker geführt, wonach sich beide Seiten bereits einig gewesen sein sollen. "Damaliger Sportvorstand" bedeutet jedoch, dass in einer Woche viel passiert ist. Schwuppdiwupp war Becker nicht mehr Sportchef, sondern rausgeworfen, da ihm ein Großteil der Schuld am verpatzten Aufstieg angelastet wurde. Für ihn übernahm der frühere Leverkusener Boldt, und Hecking wusste erst einmal nicht, was er davon halten sollte.

Boldt hat dann doch recht schnell Kontakt aufgenommen - und die Gespräche mit Hecking finalisiert. HSV statt Gladbach, so schnell kann es gehen. Und Hecking, der zuletzt immer wieder das "Hire&Fire" in der Branche kritisiert hat, wechselt nun zu einem Klub, der das "Hire&Fire" in den vergangenen Jahren mit besonderer Leidenschaft zelebriert hat. Das ist die besondere Pointe, die hinter diesem Trainerwechsel steht.

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