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Heckings Aus in Mönchengladbach:"Eine Riesen-Enttäuschung"

Pk Borussia Mönchengladbach

Dieter Hecking wird ab Sommer nicht mehr Trainer in Gladbach sein.

(Foto: dpa)
  • Borussia Mönchengladbach trennt sich überraschend zum Saisonende von Trainer Dieter Hecking.
  • Sportdirektor Max Eberl begründet den Schritt mit der "Perspektive des Klubs".
  • Gleichzeitig sagt Eberl, dass Veränderungen nicht nur den Trainerposten betreffen und bedauert, sich "verquatscht" zu haben.

Nach der 1:3-Blamage in Düsseldorf mit drei Gegentoren in den ersten 16 Minuten hat es keine 48 Stunden gedauert, ehe man sich bei Borussia Mönchengladbach entschieden hat, die Zusammenarbeit mit dem Trainer Dieter Hecking im kommenden Sommer zu beenden. Bis dahin soll Hecking die Borussia in den verbleibenden sieben Saisonspielen aber möglichst noch in den Europapokal führen.

Am Sonntag haben Hecking und die Spieler mit den Familien noch gemeinsam etwas unternommen, doch am Montagnachmittag hat Hecking bei sich zu Hause den Sportdirektor Max Eberl empfangen, und dieses Gespräch sollte sich "als eine Riesenenttäuschung" für ihn entpuppen, wie der Trainer am Dienstag mitteilte.

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Der Trainer hatte in der Hinrunde noch seinen Vertrag bis 2020 verlängert. Sportdirektor Eberl bezeichnet die Trennung als "strategische Entscheidung".

Eberl betonte, diese Entscheidung, die er am Wochenende getroffen habe, sei "nicht der Niederlage in Düsseldorf" geschuldet. "Es ist eine strategische Entscheidung." Er habe als Sportdirektor "die Perspektive des Klubs im Kopf", und in diesem Zusammenhang könne es sogar sein, "dass Veränderungen nicht nur den Trainer betreffen". Es gehe um den Kader, um den Trainer - und um vielleicht noch mehr. Auf Nachfrage wollte Eberl aber nichts mehr preisgeben und bedauerte gar sogleich, sich verquatscht und mit diesem Satz "einen Fehler begangen" zu haben. Die Spekulationen, dass er als Sportdirektor Gladbach womöglich verlassen könnte, werden jetzt wieder losgehen. Er war ja als Sportchef beim FC Bayern München gehandelt worden, ehe dort Hasan Salihamidzic den Posten antrat.

Im Januar 2017 hatte Hecking als vormaliger Coach des VfL Wolfsburg das Amt in Mönchengladbach vom Trainer André Schubert übernommen. In der Rückrunde jener Saison führte Hecking die Borussia aus dem unteren Mittelfeld auf Platz neun. Nach der Hinrunde der Spielzeit 2017/18 stand er mit Gladbach auf Platz sechs mit Kontakt zu den Champions-League-Plätzen - beschloss die Saison nach einer schwachen Rückrunde aber erneut auf Platz neun. Und in der nun laufenden Saison führte er Gladbach in der Rückrunde sogar auf Platz zwei, ehe das Team binnen sieben Spieltagen hinter Frankfurt auf Rang fünf abrutschte und sogar Gefahr läuft, die Europapokalplätze ein drittes Mal nacheinander zu verpassen.

Dass man in dieser Rückrunde unter Niveau spiele, wies Hecking entrüstet von sich. "Die Mannschaft spielt über ihrem Limit in dieser Saison - auch wenn die letzten Ergebnisse natürlich nicht mehr so gut waren." Die jüngsten Leistungen seien, so Hecking, aber nur "normal", und dies sei wohl das eigentliche Problem der Borussia, dass sie mit den guten Leistungen in der Hinrunde die Erwartungen selbst so hoch geschraubt habe. Er selbst habe sich jedenfalls nichts vorzuwerfen. Am Montagabend, nach dem Vier-Augen-Gespräch mit Eberl, hat Hecking sogar kurz überlegt, ob er sofort hinwerfen soll, "es gab bei mir diesen Gedanken, das gebe ich zu", aber noch am Abend habe er sich entschlossen, alles zu versuchen, "um die Borussia nach Europa zu bringen". Hecking sagte: "Wir ziehen das jetzt durch bis zum bitteren Ende - von dem ich natürlich hoffe, dass es süß wird."

Die gut zwei Jahre unter Hecking waren für Mönchengladbach eine Achterbahnfahrt, aber unter dem Strich hat sich der Klub fußballerisch nicht sehr weiterentwickelt. Das gilt auch für das größere Zeitfenster seit dem September 2015, als der Trainer Lucien Favre die Borussia aus eigenen Stücken verlassen hatte, weil er glaubte, dem Team nicht mehr weiterhelfen zu können. Mit den Trainern Schubert und Hecking hat sich Gladbach über drei Jahre hinweg zwar weiter in der oberen Tabellenhälfte etabliert - mehr aber auch nicht. Dabei will der Klub so gern international spielen.

Dazu bedürfte es vom kommenden Sommer an eines Trainers, der auch einen international tragbaren Tempo- und Umschaltfußball spielen lassen kann. Der von vielen Klubs umgarnte Marco Rose von RB Salzburg gilt diesbezüglich als ein Kandidat in Mönchengladbach. Aber dass es da offenbar noch keine feste Verabredung gibt, könnte man daraus schließen, dass Jörg Schmadtke, Sportdirektor des VfL Wolfsburg, mitgeteilt hat, Rose sei ein ernsthafter Kandidat beim VfL: Wolfsburg trennt sich ja im Sommer von Bruno Labbadia und erwarte eine Entscheidung Roses. Oder war das nur eine Schmadtkesche Nebelkerze? (Angeblich soll Rose inzwischen abgesagt haben.) Dennoch könnte dies die Gladbacher unter Zugzwang gesetzt haben, zumal ja auch noch Schalke 04 auf Trainersuche ist.

Spannend werden in Mönchengladbach nun die restlichen sieben Saisonspiele, in denen es um Champions League, Europa League oder das Verpassen sämtlicher Saisonziele geht. Da mit dem Europapokal erhebliche Mehreinnahmen verbunden wären, ist es riskant, die Mannschaft unter Hecking weiterspielen zu lassen, immerhin hat sie zuletzt nicht mehr zeigen können, dass Matchpläne und Motivation funktionieren.

"Aber wenn ich Dieter Hecking das nicht zutrauen würde, dann wäre er jetzt nicht mehr unser Trainer", sagte Eberl. "Ich halte ihn nach wie vor für einen exzellenten Trainer, aber ich hatte so ein Gefühl, dass wir im Sommer etwas Anderes machen wollen."

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