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Deutsche Nationalelf:Mehr Havertz, bitte!

Germany v Argentina - International Friendly; Kai Havertz Nationalmannschaft

"Viele Spieler haben gezeigt, dass sie auf diesem Niveau spielen können", sagte Kai Havertz nach dem Spiel und meinte bestimmt auch sich selbst. Hier erzielt er gerade das 2:0.

(Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images)
  • Das 2:2 gegen Argentinien gerät zur Werbeveranstaltung für den 20-Jährigen.
  • Joachim Löw sagt, an ihm führe auf Dauer kein Weg vorbei
  • Doch bislang nahm der Bundestrainer regelmäßig den Weg, der Havertz links liegen ließ.

Suat Serdar war nicht nach Fachgesprächen zumute, als er den kurzen Weg zwischen der Mannschaftskabine und dem Mannschaftsbus zurücklegte. Der Name des 22-jährigen Schalkers steht jetzt mittendrin in der heiligen Liste, die mit Rüdiger Abramczik beginnt und mit Carl Zörner und Felix Zwolanowski endet, aber er spürte überhaupt keinen Drang, jene Sätze zu sagen, die man gemeinhin spricht, wenn man in den Rang des A-Nationalspielers befördert wurde. Serdar hätte sagen können, dass ein Traum in Erfüllung gegangen sei, er hätte damit die Wahrheit gesagt, seit der U16 hatte er jedem Juniorenteam des DFB angehört, nun war die Krönung gekommen. Doch Serdar senkte das Haupt und schwieg, als er das Spalier der Berichterstatter passierte.

"Einige Spieler, die zum ersten Mal auf dem Platz standen, haben ihre Sache verdammt gut gemacht", hob der Bundestrainer nach dem 2:2 im Testspiel gegen Argentinien hervor; ob er damit auch Suat Serdar gemeint hatte, das hat er nicht verraten. Ziemlich sicher dürfte Joachim Löw aber an ihn gedacht haben, als er darum bat, bei den jungen Spielern "ein bisschen Nachsicht" walten zu lassen, er mahnte aus aktuellem Anlass. Die jungen Spieler, das lässt sich bei aller fürsorglichen Nachsicht nicht verschweigen, hatten dazu beigetragen, dass aus der deutschen 2:0-Führung noch ein 2:2 wurde. Genötigt durch die stündlich gestiegene Zahl von Absagen etablierter Spieler, hatte Löw vier Debütanten in seinen Betrieb eingeführt, einer von ihnen, der Innenverteidiger Robin Koch, 23, ließ beim 1:2 durch Lucas Alario den Schützen in seinem Rücken entwischen, was nicht so schlimm gewesen wäre, wenn er nicht auch die Flanke verpasst hätte. Ein anderer Neuling, eben Suat Serdar, ließ sich tief in der deutschen Hälfte den Ball entwenden und löste den Gegenstoß aus, der mit Lucas Ocampos' Ausgleich endete. So nahm sein schöner Traum ein böses Ende.

Deutsche Nationalmannschaft Provokante Fragen und ein Schreihals
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Beim 2:2 gegen spät erwachte Südamerikaner unterstreicht Kai Havertz, dass Löw bald einen festen Platz für ihn finden sollte - auch das Dortmunder Publikum hat einen gewichtigen Moment.   Von Martin Schneider, Dortmund

In seinen guten Momenten, und von denen hatte er zuletzt auf Schalke einige, ist Serdar ein dynamischer und durchsetzungsstarker Mittelfeldspieler offensiver Prägung, während Koch, Sohn des sagenumwobenen Ex-Profis und Betzenbergmanns Harry Koch, mit seiner sachlichen Abwehrarbeit dafür gesorgt hat, dass sich der SC Freiburg unter die Spitzenklubs der Liga einreihen durfte. Ob die beiden oder auch die zwei anderen Neu-Nationalspieler Nadiem Amiri und Luca Waldschmidt mit weiteren Einladungen rechnen dürfen, hat Löw nicht gesagt, aber man kann festhalten, dass bis in die zweite Hälfte der Partie hinein keiner die aus Verletzungs- und Krankheitsgründen fehlenden Angehörigen des Stammpersonals vermisst hatte.

Deutschlands B-Nationalelf begeisterte das anfangs stumme Publikum im wieder mal eher halb leeren als halb vollen Stadion. Zumal etwas ja "nicht vergessen" werden dürfe, wie Emre Can später mitteilte: "Wir haben gegen Argentinien gespielt, eine Weltklassemannschaft." Davon war zunächst nicht viel zu erkennen, dies lag aber auch an der spielfreudigen und blitzgeschwinden wie -gescheiten deutschen Elf, die trotz umfassender Improvisationen auch defensiv ordentlich funktionierte.