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Flicks Zukunft beim FC Bayern:Der Elefant im Raum

Mit der Aussage, er müsse als Trainer auch mal "schauspielern", kommuniziert Hansi Flick erneut seinen Ärger über Abläufe beim FC Bayern. Der vakante Bundestrainerposten gibt ihm alle Freiheiten zur Konsequenz.

Kommentar von Martin Schneider

Hansi Flick hatte gerade sein erstes Champions-League-Spiel verloren, aber man kann sicher sagen, dass das nicht allein der Grund für seinen verbalen Ausbruch war. Er müsse "auch ein bisschen schauspielern, auch das gehört zum Trainerjob", sagte er auf der Pressekonferenz und gab den Satz damit zur Interpretation frei.

Der direkte Kontext war die Personalie Jérôme Boateng. Dessen Abschied am Saisonende wurde vor dem Spiel von Sportvorstand Hasan Salihamidzic offiziell verkündet, schon vorher wurde die Information aus dem Aufsichtsrat an diverse Medien durchgestochen. Flick wurde nun gefragt, wie er es finde, dass so was just vor dem Paris-Spiel kommuniziert werde. Seine Antwort: Ich muss schauspielern.

Was das heißt, ist klar: Flick ist verärgert - mal wieder. Ihm gefallen in der Summe zu viele Entscheidungen nicht - und weil er a) direkt davon betroffen ist und b) als sechsmaliger Titeltrainer eine gewisse Autorität hat, bemüht er sich auch nicht mehr wirklich, seine Gefühlslage zu verstecken. Konflikte mit Salihamidzic gab er vor Kurzem offen zu, ergänzt mit der Information, man sei aufeinander zugegangen. Jetzt offenbar wieder voneinander weg.

Der Streit zwischen den beiden wird ja vor aller Augen geführt. Schon im ersten Wintertrainingslager forderte Flick öffentlich Verstärkung, was Salihamidzic ausdrücklich nicht gut fand. Flick bekam Alvaro Odriozola, der praktisch nie spielte. Im Sommer kam Alexander Nübel, Flick hatte sich zuvor für Sven Ulreich starkgemacht. David Alaba hätte er gern behalten, und von den vier Spätsommereinkäufen spielt eigentlich nur Eric Maxim Choupo-Moting - die anderen (Costa, Sarr, Roca) sieht Flick offensichtlich nicht als tragende Alternativen. Wobei er das natürlich nie gesagt hat, man kann es aus Aufstellung und Einwechslungen herauslesen. Jetzt auch noch Boateng.

Divergierende Interessen von Trainern und Sportvorständen sind nicht ungewöhnlich im Fußball. Der Trainer will immer die beste Mannschaft haben, der Sportdirektor muss schauen, was auf dem Markt möglich ist. Es ergibt aus Vereinssicht schon Sinn, die Aufgaben zu trennen. Andererseits bringt es aber auch nichts, wenn derjenige, der die Mannschaft trainiert, und derjenige, der sie zusammenstellt, ständig anderer Meinung sind.

Der Elefant, der beim FC Bayern zusätzlich im Raum steht, heißt "Bundestrainerposten". Der wird nach der Europameisterschaft frei, und Flick weigert sich beharrlich, mit einem einzigen Satz die Spekulationen darüber zu beenden. So lässt er sich die Option offen, bei weiterer Unzufriedenheit München zu verlassen.

Der "nette Herr Flick", wie er früher mal genannt wurde, ist schon oft durch resolute Konsequenz aufgefallen, es ist die Basis seines Erfolgs. Sein Spielstil ist einer, der nur bei stringenter Umsetzung funktioniert. Und dass Alaba Abwehrchef wurde, dass Müller immer spielt, dass Kimmich auf die Sechs muss - das sind Flicks Entscheidungen und so selbstverständlich, wie sie jetzt klingen, waren sie gar nicht. Einmal hat er auch Leroy Sané ein- und wieder ausgewechselt. Seitdem läuft es bei Sané übrigens besser.

Man kann davon ausgehen, dass das Grummeln im Süden Münchens bis kommenden Dienstag leiser wird - bis zum Rückspiel in Paris hat Flick genug zu tun. Je nach Ausgang der Partie wird das Thema aber sofort wieder da sein.

© SZ/nee/bek
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