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Verlängerung mit Hansi Flick:Das Heynckes-Experiment

Hans Dieter Flick (Hansi ,Trainer Bayern Muenchen), steht im rot silbernen Konfettiregen, Einzelbild,angeschnittenes Ein

Löste im November Niko Kovac ab und darf laut neuem Vertrag ziemlich lange beim FC Bayern bleiben: Hansi Flick.

(Foto: Frank Hoermann/imago)

Mit der Vertragsverlängerung für Hansi Flick wissen die Spieler vom FC Bayern, was sie in Zukunft erwartet. Die Klubführung erinnert er an den Altmeister Jupp Heynckes.

Hansi Flick hat keine Zeit für schönes Wetter. Am Wochenende hatte er zum Beispiel wieder eine Menge Indoor-Termine, er war mit seinen Spielern zum Videocoaching verabredet. Es ist ja ein Vorurteil, dass ein Fußballtrainer keine Arbeit hat, wenn es keinen Fußball gibt; und so wie Flick seinen Fußball versteht, muss man sich als Trainer auch immer um die Mannschaft kümmern, auch dann, wenn es kein Mannschaftstraining gibt.

Flick war schon als Spieler ein fleißiger Mann, im Mittelfeld hat er all die Bälle apportiert, die andere übrig gelassen haben, und er hat auch jene Meter auf sich genommen, die andere links oder rechts liegen gelassen haben. Flick war die Verkörperung des mannschaftsdienlichen Profis, diesen Charakterzug hat er ins Trainerleben hinüber gerettet. Er dient den Spielern immer noch - inzwischen aber als ihr Vorgesetzter.

Am Wochenende haben die Spieler des FC Bayern, ebenfalls per Videogruß, erfahren, was sie längst geahnt haben dürften: dass Flick, 55, ihr Trainer bleibt. Bis 2023 hat der FC Bayern jenen Mann an sich gebunden, der erst nur für zwei Spiele übernehmen sollte, dann bis Weihnachten, dann bis Saisonende.

Die optimistische Vertragslaufzeit solle das Vertrauen des Klubs dokumentieren, erklärte Klubchef Karl-Heinz Rummenigge, die Elf habe unter Flick "eine sehr gute Entwicklung genommen, sie spielt attraktiven Fußball, der sich auch in den Ergebnissen widerspiegelt". Und, vielleicht der Schlüsselsatz: "Dazu gefällt mir die Art, wie er die Mannschaft führt, seine menschlichen Qualitäten überzeugen, seine Empathie spricht für ihn." Der bislang letzte Coach, über den die Bayern das gesagt haben, war nicht Niko Kovac, auch nicht Pep Guardiola und sowieso nicht Louis van Gaal, der schon auch empathisch sein konnte, vorausgesetzt allerdings, beim Empfänger der Empathie handelte es sich um Louis van Gaal.

Der letzte Coach, über den die Bayern das gesagt haben, hat sich nun zu Wort gemeldet: Hansi Flick sei für ihn "der ideale Bayern-Trainer", sagte Jupp Heynckes.

Beim FC Bayern und seinen Trainern ist es ja so: Gut gegangen ist es all die Jahre meistens, wenn die Trainer verdiente Männer waren, deren Titelsammlung bei Wikipedia (früher: im kicker-Almanach) mehrere Zeilen beanspruchte, schon bevor sie nach München kamen. Nicht gut ging es, wenn die Bayern plötzlich Experimente wagten - mit Sören Lerby in den Neunzigern, mit Jürgen Klinsmann in den Nullerjahren oder jüngst mit Niko Kovac.

Flick ist nichts dergleichen und alles in einem. Er ist einerseits ein verdienter Mann, weil er fünf Jahre bei Bayern spielte, weil er 2014 als einflussreicher Co-Trainer seinen Chef Jogi Löw zum WM-Titel mit Deutschland führte, weil er Erfahrungen als DFB-Sportdirektor sammelte. Andererseits ist Flick auch ein Experiment, weil er auf großer Bühne noch nie alleine an der Rampe stand.

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