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Nationalmannschaft:Flicks eigenartiger Weg auf die Bundestrainer-Bank

FC Bayern Muenchen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

Die letzte gemeinsame Feier: Hansi Flick inmitten der Bayern-Spieler. Leroy Sané (links) könnte er als Bundestrainer schon bald wiedersehen.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty)

Die Bayern und der DFB sind sich offenbar schon einig, wie der Wechsel von Hansi Flick kompensiert werden würde. Doch während Bayern-Chef Rummenigge zur Eile anmahnt, bremst der Trainer selbst.

Von Christof Kneer

Spätestens Ende August wird der deutsche Bundestrainer wieder Kontakt zu den Trainern und Managern der Bundesliga aufnehmen müssen. Anfang September stehen gleich drei deutsche Länderspiele im Programm, und so wird der Bundestrainer sich einen Überblick darüber verschaffen müssen, wie seine Nationalspieler über den Sommer gekommen sind. Wer ist schon wieder in tauglicher Verfassung, wer braucht nach dem anstrengenden Turniersommer vielleicht noch ein bisschen Schonung? Und wie sind die Manager der Klubs gerade so in Form, wer ist bereit, all seine Spieler für die Spiele gegen Liechtenstein, Armenien und Island abzustellen, und welcher Manager ist vielleicht ein bisschen widerspenstig?

Es könnte also gut sein, dass der Bundestrainer Hansi Flick Ende August Max Eberl anrufen muss. Und natürlich auch Hasan Salihamidzic.

Angeblich hat der Bayern-Trainer Flick dem Gladbacher Manager Eberl am Rande des Bundesligaspiels einen sogenannten Vogel gezeigt, jedenfalls hat der Zeuge der Anklage - Eberl - das in der Hitze des Gefechts behauptet ("Zeig mir keinen Vogel, Hansi! Das mag ich nicht"). Flick, Angeklagter und Verteidiger in einer Person, hat die Anschuldigung zurückgewiesen ("das habe ich nicht gemacht"), ein Urteil des DFB-Sportgerichts oder des Europäischen Gerichtshofs erging bisher nicht. Man kann davon ausgehen, dass die Parteien sich gütlich einigen werden. Sie müssen ja bald wieder zusammen arbeiten.

So kurios wie Hansi Flick wäre schon lange keiner mehr Bundestrainer geworden. Zwar gab es schon Menschen, die als Teilnehmer einer Trainerfindungskommission in eine Sitzung gingen und als Bundestrainer wieder herauskamen, weil sie im falschen Moment den Kopf gehoben hatten, so wie Rudi Völler, der im Jahr 2000 auf Erich Ribbeck folgte (dessen Installierung ebenfalls überraschend gekommen war, möglicherweise auch für ihn selbst). Bei Flick ist es anders. Seine Berufung ist so naheliegend, dass es keine Trainerfindungskommission dafür braucht, zumal niemand wissen kann, welches Personal beim DFB demnächst noch für die Besetzung einer solchen Runde übrig bliebe.

Dennoch verläuft Flicks Weg auf Deutschlands oberste Trainerbank ein wenig eigenartig: Er läuft nicht einfach hin und setzt sich drauf. Er geht ganz, ganz langsam, viele Kameras schauen ihm dabei zu. Alle ahnen, dass Flick am Ende auf dieser Bank ankommen wird, aber er bleibt auf dem Weg manchmal kurz stehen oder schaut sich demonstrativ nach anderen Trainerbänken um, oder er hört vergnügt zu, wie ein paar Stimmen aus dem Off seinen Gang mit Text untermalen.

Eine der Stimmen gehört Karl-Heinz Rummenigge, er sagt: "Hansi würde perfekt zum DFB passen." Eine andere Stimme gehört Oliver Kahn, kurze Hörprobe: "Es arbeitet in Hansi, dass die Position von Jogi Löw nun vakant ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass er diese Herausforderung annehmen wird." Dazu noch mal die Stimme Rummenigges, direkt aus dem ZDF-Sportstudio: "Es gibt grundsätzlich schon eine Vereinbarung zwischen Bayern München und dem DFB, für eine smarte Geste." Man müsse, sollte es so weit kommen, "nicht mehr groß verhandeln, es gibt eine weitgehende Einigung, wie man das dann handhabt".

Okay, ihr Stimmen aus dem Off, danke für den Tipp: Flick wird also Bundestrainer, und die Einnahmen des Ablösespiels zwischen DFB-Elf und dem FC Bayern werden auf das Münchner Festgeldkonto überwiesen.

Die Stimme Rummenigges sagt aber auch: "Hansi ist in Fußball-Europa ein sehr nachgefragter Trainer. Es wäre ein Drama, wenn er ins Ausland oder sonst wohin gehen und nicht beim DFB landen würde." Er, Rummenigge, würde dem DFB "nicht empfehlen, groß rumzumachen. Man hat immer den Eindruck, dass sie auf irgendwas warten. Worauf die warten, weiß ich nicht. Das dauert schon wieder. Das Wetter ist gerade schön, es wird nicht besser".

Flick liegen offenbar auch einige konkrete Anfragen aus Europa vor

Rummenigge war Stürmer, so eine Chance lässt er sich nicht entgehen. Das Chaos beim DFB nutzt er lustvoll, um dem Verband ein paar piksende Ratschläge zu erteilen, aber gewiss spricht er dabei auch in eigener Sache. Es wäre dem FC Bayern sicher ganz recht, wenn Flick zum DFB überlaufen würde - auch, weil dann die Ablösespiel-Vereinbarung greifen und dem Klub eine ordentliche Summe bescheren würde.

Der Protagonist selbst klingt noch etwas defensiver. Er sei "für viele Dinge offen", sagt Flick und meint damit - theoretisch - auch Angebote von Juventus Turin, Real Madrid oder Tottenham; offenbar liegen ihm einige konkrete Anfragen aus Europa vor. Er betont aber auch "die enorme Wertschätzung, die enorme Loyalität" und "das tiefe Vertrauen", das ihn mit dem DFB-Manager Oliver Bierhoff verbinde. Flick will in der ganzen Debatte auf keinen Fall den Eindruck vermitteln, dass er leicht zu haben sei und dass alles längst feststünde - aber vor allem sollen alle wissen, dass er als Bundestrainer im Fall der Fälle ausdrücklich auf eine Zusammenarbeit mit dem alten Vertrauten Bierhoff Wert legen würde.

So was muss man im Moment schon mal dazu sagen. Denn wie dieser DFB Anfang September aussieht, kann im Moment ja keiner wissen.

© SZ/fse/tbr
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