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Hannovers Coach Mirko Slomka:Das kulturelle Opfer des Erfolgs

Auch Präsident Martin Kind sieht die Maschmeyer-Clique kritisch. Fast hätte es nichts genützt, dass Slomka einst als 96-Jugendcoach, als Assistent beim Aufstiegstrainer Ralf Rangnick und dann mit Schalke Erfolge hatte. Slomka galt als jemand, der immer lächelt, aber hintenrum konsequent seinen Vorteil sucht.

Hanover 96 training

96 und Slomka, das passt. Ob der Hannoveraner Mirko Slomka aber noch lange in Hannover bleibt, ist allerdings ungewiss. Er ist sich seines derzeitigen Marktwertes sehr bewusst.

(Foto: dpa)

Doch die Vorträge zum Thema "Motivationsstrategien in Krisenzeiten", die Slomka während seiner 21-monatigen Fußball-Auszeit vor Managern und Werbetreibenden hielt, entpuppten sich danach in der Praxis als durchaus plausibel. Hannover 96 zählt zu jenen Mannschaften im Liga-Betrieb, deren Akteure fit sind - und taktisch gut eingestellt.

Der studierte Mathematik-Lehrer und prächtige Fußball-Verkäufer Slomka setzt auf wissenschaftliche Erkenntnisse, er entnimmt den Blutwerten der Spieler manchen Hinweis für die richtige individuelle Dosierung des Trainings und er hat in dem Wuppertaler Bewegungswissenschaftler Jürgen Freiwald einen Mann im Hintergrund, den manche als Slomka-Guru bezeichnen.

Fast alle Profis, ob nun Torhüter Ron-Robert Zieler oder die Mittelfeldspieler Sergio Pinto, Lars Stindl und Konstantin Rausch, haben sich unter Slomka weiterentwickelt. Den einstigen Problemfall Jan Schlaudraff, inzwischen das Gesicht des hannoverschen Aufschwungs, hat Slomka, wie der Spiegel beschrieb, "so lange degradiert, denunziert und zu einem Vereinswechsel gedrängt, bis es besser wurde".

Heute sagt kein 96-Profi mehr etwas gegen den Chef. Nicht einmal der bisherige Stammspieler Emanuel Pogatetz. Der Österreicher bekam zuletzt eine Pause verordnet, "wegen mangelnder Frische und nicht aus disziplinarischen Gründen", wie Mirko Slomka vorbeugend erklärte. Der Coach kann, im Gegensatz zu seinem öffentlichen Image, sehr hart sein. Und er weiß ziemlich genau, was seinem Ruf guttut.

Trainer beim FC Bayern - warum eigentlich nicht?

Längst ist er in Niedersachsen einer der wichtigsten Werbeträger, er lächelt für einen Technikmarkt und einen Autokonzern. Zur Beschreibung seines Neubeginns 2010 bei Hannover 96, bei dem er vieles in der Betreuung des Teams veränderte, hat er schnell das passende Lied gefunden: "Alles neu" vom deutschen Reggae-Musiker Peter Fox.

Slomka mag Musik und pflegt Kontakte zum Sänger Klaus Meine von der Rockband Scorpions und zum Schlagzeuger der hannoverschen Combo Fury and the Slaughterhouse. Dass Udo Lindenberg in Hannover ausgerechnet am vergangenen Mittwoch ein Konzert gab, als der Trainer in Mönchengladbach das Spiel des nächsten Gegners FC Bayern anschauen musste, hat ihn aber nicht wirklich geärgert. Slomka nahm es als "ein kulturelles Opfer des Erfolges".

Ob der Hannoveraner Mirko Slomka noch lange bei 96 bleibt, ist ungewiss. Er ist sich seines derzeitigen Marktwertes sehr bewusst. Sein Berater Harun Arslan, der auch Bundestrainer Joachim Löw betreut, will sich Zeit lassen mit Gesprächen über eine Verlängerung des bis 2013 laufenden Vertrages. Es gebe "keine Planungen über einen längeren Zeitraum", sagt Arslan.

Ob dahinter auch ein Interesse am Trainerposten beim FC Bayern steht, der 2013 frei werden könnte? Geschäftsführer Schmadtke hat Slomka gerade erst das Rüstzeug für einen Spitzenklub bescheinigt. Er sei in der Lage, ein Team zu führen, eloquent, die Medienarbeit mache ihm keine Mühe. Es gebe keine "limitierenden Elemente". Das scheinen beste Voraussetzungen zu sein, um auch ohne die Maschsee-Clique weiter Karriere zu machen.

© SZ vom 24.03.2012
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