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Hannovers Coach Mirko Slomka:Promi-Trainer ohne Limit

Mirko Slomka hat Hannover 96 aus den unteren Regionen der Tabelle ins Viertelfinale der Europa League geführt. Er ist in der Stadt gut vernetzt und kann hier, was den Promi-Status angeht, fast mithalten mit Männern wie Christian Wulff oder Carsten Maschmeyer. Gut möglich, dass es Slomka irgendwann zu einem viel größeren Verein zieht.

Jörg Marwedel, Hannover

Nein, sagt Mirko Slomka, ein Denkmal würden sie noch nicht bauen für ihn. Und weil sich Slomka gut auskennt in seiner Stadt, fügt er noch ein Detail aus dem lokalpolitischen Tagesgeschäft an: Der Neubau des Schlosses Herrenhausen passe sowieso viel besser zu Hannover.

Europa League -  Standard Lüttich - Hannover 96

Hannover 96 hatte sein Zuhause in unteren Regionen der Liga. Mit Mirko Slomka schaffte es den Viertelfinal-Einzug in der Europa League  - die Belohnung: zwei Spiele gegen Atlético Madrid.

(Foto: dpa)

Kein Denkmal also, Slomka sieht sich eher als aktiver "Bürger der Stadt" - als solcher weiß er natürlich, wie sehr ihn die Fans des Bundesligisten Hannover 96 inzwischen schätzen. Trainer kommen und gehen in diesem Geschäft, sie wohnen mal hier und mal dort und meistens im Hotel. Wurzeln schlagen sie selten.

Bei Slomka, 44, und Hannover liegen die Dinge etwas anders. Slomka ist nicht nur Trainer in Hannover, er ist auch einer jener erfolgreichen Gutverdiener, die möglichst auf keiner bedeutenden Party fehlen dürfen.

Was den Promi-Status angeht, kann er hier fast mithalten mit Männern wie Gerhard Schröder, Christian Wulff oder Carsten Maschmeyer, dem Gründer des umstrittenen Finanz-Dienstleisters AWD - mit letzterem ist er seit Jahren so eng befreundet ist, dass man schon Familienurlaube zusammen verbracht hat.

Slomka und die "Maschsee-Mafia"

"Maschsee-Mafia", "Erbfreunde", "Wohnzimmer der Macht", das sind so Begriffe, mit denen in Hannover jener Klüngel bezeichnet wird, der schon manche Karriere beflügelt und manch andere auf dem Gewissen hat. Slomka gehört dazu. Wobei man einschränken muss: Er hat sich alles ohne die Hilfe von Freunden erarbeitet.

Die Rettung von Hannover 96 vor dem Bundesliga-Abstieg 2010, der sensationelle vierte Tabellenplatz ein Jahr danach, und nun der Viertelfinal-Einzug in der Europa League und zwei Spiele gegen Atlético Madrid: Das alles ist schwer zu überbieten für einen Klub, der aus den unteren Regionen der Liga kam.

Wenn Slomka dabei jemandem etwas zu verdanken hat, dann dem von ihm nicht besonders geliebten 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke, der mit Kumpaneien so wenig zu tun haben will wie der gewichtige 96-Alt-Torjäger Dieter Schatzschneider mit einem Fitnessstudio.

Zu seiner Freundschaft mit Maschmeyer stehe er "zu hundert Prozent", sagt Slomka. Das "negative Licht, in dem diese charismatische Persönlichkeit" gesehen werde, sei "der Neidgesellschaft geschuldet". Kurioserweise hat die Verbundenheit zu dem Unternehmer, der schon manchen Euro in seinen Heimatklub gesteckt hat, Slomkas Einstellung vor gut zwei Jahren nicht unbedingt gefördert.

Das kulturelle Opfer des Erfolgs

Auch Präsident Martin Kind sieht die Maschmeyer-Clique kritisch. Fast hätte es nichts genützt, dass Slomka einst als 96-Jugendcoach, als Assistent beim Aufstiegstrainer Ralf Rangnick und dann mit Schalke Erfolge hatte. Slomka galt als jemand, der immer lächelt, aber hintenrum konsequent seinen Vorteil sucht.

Hanover 96 training

96 und Slomka, das passt. Ob der Hannoveraner Mirko Slomka aber noch lange in Hannover bleibt, ist allerdings ungewiss. Er ist sich seines derzeitigen Marktwertes sehr bewusst.

(Foto: dpa)

Doch die Vorträge zum Thema "Motivationsstrategien in Krisenzeiten", die Slomka während seiner 21-monatigen Fußball-Auszeit vor Managern und Werbetreibenden hielt, entpuppten sich danach in der Praxis als durchaus plausibel. Hannover 96 zählt zu jenen Mannschaften im Liga-Betrieb, deren Akteure fit sind - und taktisch gut eingestellt.

Der studierte Mathematik-Lehrer und prächtige Fußball-Verkäufer Slomka setzt auf wissenschaftliche Erkenntnisse, er entnimmt den Blutwerten der Spieler manchen Hinweis für die richtige individuelle Dosierung des Trainings und er hat in dem Wuppertaler Bewegungswissenschaftler Jürgen Freiwald einen Mann im Hintergrund, den manche als Slomka-Guru bezeichnen.

Fast alle Profis, ob nun Torhüter Ron-Robert Zieler oder die Mittelfeldspieler Sergio Pinto, Lars Stindl und Konstantin Rausch, haben sich unter Slomka weiterentwickelt. Den einstigen Problemfall Jan Schlaudraff, inzwischen das Gesicht des hannoverschen Aufschwungs, hat Slomka, wie der Spiegel beschrieb, "so lange degradiert, denunziert und zu einem Vereinswechsel gedrängt, bis es besser wurde".

Heute sagt kein 96-Profi mehr etwas gegen den Chef. Nicht einmal der bisherige Stammspieler Emanuel Pogatetz. Der Österreicher bekam zuletzt eine Pause verordnet, "wegen mangelnder Frische und nicht aus disziplinarischen Gründen", wie Mirko Slomka vorbeugend erklärte. Der Coach kann, im Gegensatz zu seinem öffentlichen Image, sehr hart sein. Und er weiß ziemlich genau, was seinem Ruf guttut.

Trainer beim FC Bayern - warum eigentlich nicht?

Längst ist er in Niedersachsen einer der wichtigsten Werbeträger, er lächelt für einen Technikmarkt und einen Autokonzern. Zur Beschreibung seines Neubeginns 2010 bei Hannover 96, bei dem er vieles in der Betreuung des Teams veränderte, hat er schnell das passende Lied gefunden: "Alles neu" vom deutschen Reggae-Musiker Peter Fox.

Slomka mag Musik und pflegt Kontakte zum Sänger Klaus Meine von der Rockband Scorpions und zum Schlagzeuger der hannoverschen Combo Fury and the Slaughterhouse. Dass Udo Lindenberg in Hannover ausgerechnet am vergangenen Mittwoch ein Konzert gab, als der Trainer in Mönchengladbach das Spiel des nächsten Gegners FC Bayern anschauen musste, hat ihn aber nicht wirklich geärgert. Slomka nahm es als "ein kulturelles Opfer des Erfolges".

Ob der Hannoveraner Mirko Slomka noch lange bei 96 bleibt, ist ungewiss. Er ist sich seines derzeitigen Marktwertes sehr bewusst. Sein Berater Harun Arslan, der auch Bundestrainer Joachim Löw betreut, will sich Zeit lassen mit Gesprächen über eine Verlängerung des bis 2013 laufenden Vertrages. Es gebe "keine Planungen über einen längeren Zeitraum", sagt Arslan.

Ob dahinter auch ein Interesse am Trainerposten beim FC Bayern steht, der 2013 frei werden könnte? Geschäftsführer Schmadtke hat Slomka gerade erst das Rüstzeug für einen Spitzenklub bescheinigt. Er sei in der Lage, ein Team zu führen, eloquent, die Medienarbeit mache ihm keine Mühe. Es gebe keine "limitierenden Elemente". Das scheinen beste Voraussetzungen zu sein, um auch ohne die Maschsee-Clique weiter Karriere zu machen.

© SZ vom 24.03.2012
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