Bundesliga Warum Hannover 96 sogar die Oma verkaufen würde

Abmarsch: Hannovers zurückgetretener Trainer Michael Frontzeck.

(Foto: Dennis Grombkowski/Getty)
  • Trainer Frontzeck tritt zurück, Wunschstürmer Kießling sagt ab: Hannover 96 muss den größten anzunehmenden Unfall verhindern.
  • Doch der Klub steckt in einem Dilemma.
Von Jörg Marwedel

Bevor Borussia Mönchengladbach einst seinen Aufstieg unter Trainer Lucien Favre begann, musste erst der Vorgänger entlassen werden. Das passierte am 12. Februar 2011, der Klub lag als Tabellenletzter bereits sieben Punkte hinter dem Relegationsplatz. Michael Frontzeck, der Ur-Gladbacher, musste gehen, weil es ihm nicht gelungen war, aus den Borussia-Talenten ein funktionierendes Team zu basteln. Knapp fünf Jahre später gibt es nun eine Art Neuauflage des Falls - nur ohne die besonderen Talente. Hannover 96 hat mit 14 Punkten die schlechteste Hinrunde seit dem Aufstieg 2002 hingelegt. Die Niedersachsen belegen Platz 17, ohne neue Profis in der Winterpause gäbe es eher wenig Hoffnung. Und die Diskussion, ob man wohl an Trainer Michael Frontzeck festhalten solle, hat dieser am Montagmorgen selbst beendet: mit einem Rücktritt.

Er sei zwar "nicht amtsmüde", teilte Frontzeck mit, aber er spüre "aktuell im Umfeld von Hannover 96" nicht mehr jenes Vertrauen, das nötig sei, um den Klassenerhalt zu schaffen. Zum Umfeld zählen aber nicht nur die Fans und die örtlichen Medien, bei denen Frontzeck den im Frühjahr erworbenen Ruf als "Retter" - er hatte zunächst ja nur einen Vertrag für die letzten fünf Saisonspiele - ziemlich schnell verspielt hat. Zum Umfeld zählt auch Präsident Martin Kind, der wohl eher seine Großmutter verkaufen würde als tatenlos zuzusehen, wie sein Klub dem Abstieg entgegen taumelt. Und als letzter Fürsprecher fiel jetzt auch der neue Sport-Geschäftsführer Martin Bader aus, der Frontzeck lange in den 96-Gremien verteidigt hatte.

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Am Montag rief Bader, Anfang Oktober aus Nürnberg gekommen, dem gescheiterten Coach immerhin noch warme Worte hinterher. Der "charakterlich starke und loyale Mensch" Frontzeck sei ein "ausgewiesener Fachmann" und der Klassenerhalt im Mai werde "immer mit diesem Namen verbunden bleiben". Der schlimmste Fehler passierte Frontzeck im August, als er nach missglücktem Liga-Start Kinds Angebot, den Kader nochmals zu verstärken, ausschlug - mit dem Argument, er wolle "keine Schnellschüsse". Dabei war schon da erkennbar, dass das von Frontzeck und dem ehemaligen Sportdirektor Dirk Dufner zusammengestellte Team den Ansprüchen kaum genügen würde.

Kind hatte Dufner nochmals mit Transfer-Aufgaben betraut, obwohl er schon an ihm zweifelte und bereits auf dessen Abschied eingestellt war. Dafür hatte er Frontzeck mehr Einfluss eingeräumt, als es bei einem starken Manager der Fall gewesen wäre. Für den Trainer war das im Nachhinein kein Vorteil. Denn auch er erkannte nicht, dass etwa der 3,5 Millionen Euro teure Stürmer Mevlüt Erdinc (St. Etienne) oder Felix Klaus vom SC Freiburg (3 Millionen) nicht ins Team passten. Nun sucht Bader nicht nur einen Nachfolger für Frontzeck, der spätestens am 7. Januar bereitstehen soll, wenn das Trainingslager in Belek beginnt. Bader muss auch noch eine Handvoll neuer Profis besorgen, um den Abstieg zu verhindern. Mit diesen Spielertransfers muss er jetzt aber ein wenig warten, weil er ja erst einen Trainer braucht.