96-Manager Schmadtke im Gespräch:"Enormes Einzugsgebiet und ein tolles Stadion"

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SZ: Was fällt einem da so ein, das bundesweit bekannt wäre?

Hannover 96 - FC Kopenhagen

Jörg Schmadtke: "Ich denke, Markus Miller wird in absehbarer Zeit zurückkehren."

(Foto: dpa)

Schmadtke: Der Maschsee.

SZ: Der Maschsee?

Schmadkte: Na gut, die Cebit. Hannover als Messestadt.

SZ: Mir fiele der Leibnitz-Keks ein. Und Hannover 96, das kennt man außerhalb der Stadt doch auch ein bisschen.

Schmadtke: Nicht nur ein bisschen. Wussten Sie, das unsere Trikots inzwischen in der Türkei nachgebaut werden?

SZ: Ach?

Schmadtke: Da muss man schon eine gewisse Wahrnehmung haben, damit einem diese Ehre zu Teil wird. Das geht letztlich nur über sportlichen Erfolg. So wie wir ihn jetzt mit der Teilnahme an der Europa League haben. Vor zwei Jahren hat man in Istanbul jedenfalls noch keine gefälschten Trikots von 96 gefunden.

SZ: Trotz des vielleicht etwas ernüchternden 2:2 am Donnerstag gegen Kopenhagen, kann man sagen: Hannover hat gerade einen Lauf. Die Stadt hat in den vergangenen zwei Jahren einen Bundespräsidenten, einen FDP-Chef und einen Bundesliga-Spitzenklub hervorgebracht.

Schmadtke: Und Lena nicht zu vergessen! Wobei man sagen muss, wir haben mit Stefan Raab einen Kölner gebraucht, um die bekannt zu machen.

SZ: Das muss Sie als Düsseldorfer besonders ärgern.

Schmadtke: Wieso? Die große Party hat ja dann in Düsseldorf stattgefunden.

SZ: Wie entflammt man als unterkühlter Rheinländer die unterkühlten Niedersachsen mit Fußball?

Schmadtke: Uns ist es schon gelungen, die Stadt in den vergangen Jahren zu emotionalisieren. Ich war zum Beispiel wirklich überrascht über den Auftritt der Fans hier in der Europa-League-Qualifikation gegen Sevilla. Das war schon sehr südländisch. Da sind mal alle richtig aus sich herausgegangen. Es wird in der Stadt inzwischen auch viel mehr über den Klub gesprochen, es gibt viel mehr Autos mit 96-Emblem. Wir haben deutlich mehr Zulauf, weil wir gezeigt haben, dass es Spaß machen kann, sich mit Hannover 96 zu beschäftigen.

SZ: Was ist das Besondere am Standort Hannover?

Schmadtke: Was wir hier haben, ist ein enormes Einzugsgebiet und ein tolles Stadion, das durch die WM 2006 entstanden ist. Das ist zumindest schon mal kein Wettbewerbsnachteil.

SZ: Vielleicht ist ja die Sprache ein Wettbewerbsnachteil. Die Bayern sagen "Mia san mia", das vermittelt die heimelige Wärme der Muttersprache und ist zudem ein Slogan für ihr kleines Vaterland.

Schmadtke: Mag sein, dass die regionale Zugehörigkeit hier schwerer herstellbar ist, weil hier das reine Hochdeutsch gesprochen wird. Da geht schon ein wenig das Heimatgefühl verloren. Was uns hier aber vor allem fehlt, ist eine Generation von Fußballfans. Der Verein hat in den Neunzigern über Jahre nicht in den ersten beiden Ligen stattgefunden. Er war verschwunden von der Fußball-Landkarte, und zwar genau in der Zeit, als der Sport in Wahrnehmung und in Vermarktung extrem gewachsen ist.

SZ: Welche Generation fehlt Ihnen?

Schmadtke: In der Werbebranche würde man sagen, die werberelevante Zielgruppe zwischen 29 und 49. Der klassische Fußballfan wächst in so etwas hinein, und das bleibt dann auch ein Leben lang. Nehmen Sie zum Beispiel den KFC Uerdingen, der heute überhaupt keine Rolle mehr spielt. Wenn Sie in den Westen gehen, da werden Ihnen die Leute immer von dem 7:3 gegen Dresden erzählen. Wahrgenommen wird man nur, wenn man Erfolg hat. Oder eine Geschichte, und die haben wir nicht.

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