Hannover Heldts Heimatgefühle

Der Sportchef erhält ein verführerisches Angebot und will nun tatsächlich mit dem 1. FC Köln über einen Wechsel reden. Der mächtige 96-Präsident Martin Kind stellt derweil klar, dass er nicht vorhat, den nächsten Angestellten schon wieder zu verlieren.

Von Carsten Scheele, Hannover

Vielleicht sollte Hannover 96 die Position des Sportchefs abschaffen? So wenig Glück wie der Verein auf dieser Position über die Jahre hatte? Unruhe gab es oft, im Schnitt alle 24 Monate kam ein neuer Manager; manche blieben nur kurz, wie Thomas von Heesen, der einst im Sommer unterzeichnete und kurz vor Weihnachten kündigte. Länger hielt es Jörg Schmadtke aus, von Juli 2009 bis Juni 2013. Aber auch dieses Ende war unschön: Schmadtke hatte sich so lange mit Trainer Mirko Slomka gestritten, bis Präsident Martin Kind das Rücktrittsgesuch annahm. "Aus privaten Gründen" wollte Schmadtke 96 verlassen, Kind akzeptierte. Zwei Monate später war klar, was Schmadtke im Sinn hatte: Er unterschrieb beim 1. FC Köln. Es ist diese Vorgeschichte, die Kind nun die Stimmung vermiest. Er müsste eigentlich besser gelaunt sein, schließlich hat sein Team als Aufsteiger nach dem 1:1 am Freitag gegen den VfB Stuttgart schon 19 Punkte gesammelt. Und doch geht es wieder um den Sportchef, diesmal um Horst Heldt, seit März im Amt. Auch Heldt würde nun am liebsten zum 1.

FC Köln wechseln. Nach Tagen des Lavierens herrscht diesbezüglich endlich Klarheit. Heldt ist bei Kind nicht nur vorstellig geworden, um ihn vom Interesse des Ligarivalen zu unterrichten. Heldt wird Gespräche aufnehmen; "Ja, ich möchte mit Köln reden", bestätigte er offenherzig. Täte er dies nicht, könne es ein "Riesenfehler" sein, der FC sei sein "Heimatverein, ich bin da groß geworden". Heldt wuchs in Königswinter auf, spielte in der Jugend bei Köln, später 130 Mal für den FC in der Bundesliga. "Das ist eine außergewöhnliche Situation für mich", warb Heldt um Verständnis, "deshalb muss ich dieses Gespräch führen."

Auf viel Verständnis wird er beim Vereinsboss, der ihn aus dem Vertrag bis 2020 entlassen müsste, nicht stoßen. Er habe mitbekommen, dass Köln "an vielen Stellen rumfummelt", sagte Kind schon am Freitag und machte dem Tabellenletzten, der seit dem Rücktritt von Schmadtke einen Nachfolger sucht, wenig Hoffnung. Er wisse ja, dass Köln ein "Problem" habe, sagte Kind, aber: "Wenn die erwarten, dass 96 das Problem löst, um dann im Ergebnis ein eigenes Problem zu haben, ist das kein Geschäftsmodell." In der Bild am Sonntag wurde Kind noch deutlicher: "Es ist 1000-prozentig, dass Horst Heldt bleibt. Sein Bleiben ist alternativlos." Und richtig sauer wurde Kind dann am Sonntag, nachdem Kölns Vizepräsident Toni Schumacher am Rande des 0:2 gegen Hertha BSC bei Sky angedeutet hatte, man habe "natürlich mitbekommen, dass in Hannover in der Führungsriege so einige Dinge nicht stimmen"; unter anderem sei Heldt mit dem 96-Berater Martin Andermatt zerstritten. "Deshalb sind wir erst auf die Idee gekommen", so Schumacher. Sowohl Andermatt als auch Kind dementierten scharf. Kind ist freilich erfahren genug, um zu wissen, dass er einen Sportchef, den es fortzieht, kaum wird halten können. André Breitenreiter hat sich mit dem Gedanken schon beschäftigt. Ginge Horst Heldt, wäre das "ein großer Verlust", sagte der 96-Trainer.