Hannover 96 in der Bundesliga Rauswurf der besonders krachenden Art

Horst Heldt (r.) bei seiner Vorstellung in Hannover im März 2017 neben Martin Kind.

(Foto: Peter Steffen/dpa)
  • Hannover 96 trennt sich von Manager Horst Heldt - und schickt ihm in einer Mitteilung deutliche Worte über seine Arbeit hinterher.
  • Heldt trägt eine gewisse Teilschuld am Niedergang des Bundesligisten, vor allem wegen schwacher Personalentscheidungen.
  • Prominente Namen werden für Heldts Nachfolge gehandelt - bis hin zum Gladbacher Trainer Dieter Hecking.
Von Carsten Scheele, Hannover

Eigentlich müsste es für Horst Heldt ja ein Jubeltag sein: Zweimal hätte der Manager seinen aktuellen Verein Hannover 96 gerne verlassen - zweimal durfte er nicht. Weder für einen Wechsel zum 1. FC Köln (für den er als junger Profi spielte) noch zum VfL Wolfsburg (wo es viel Geld zu verdienen gibt) erhielt er die Erlaubnis. Nun darf Heldt tatsächlich gehen, allerdings so, wie er es sich eher nicht vorgestellt hatte: ohne neuen Arbeitgeber an der Hand. Es war ein Rauswurf der besonders krachenden Art, den Heldt, 49, am Dienstag mitgeteilt bekam. Jedenfalls hat sich Geschäftsführer Martin Kind kaum bemüht, seinen Manager gesichtswahrend aus der Stadt zu verabschieden.

Die Ouvertüre zu diesem Schritt ist einige Wochen her: Anfang März hatte Kind die Hannover-Elf als "kaputt, schlecht zusammengestellt und gescheitert" bezeichnet, was vor allem ein Tritt in den Hintern von Heldt war, der das aktuelle Team, das im Jahr zuvor noch locker auf Rang 13 gelandet war, komponiert hatte. Wer wollte, konnte Kinds Worte noch als Motivationskniff abtun, der das Team aufrütteln sollte. Doch es war bereits damals ein vernichtendes Urteil über Heldts Arbeit. Einen Platz im Mittelfeld sollte die Mannschaft erreichen, nun ist sie mit 14 Punkten Letzter. Die Sportliche Leitung habe "versichert, dass das Saisonziel mit den Transfers erreicht wird und die Mannschaft konkurrenzfähig ist. Diese Einschätzung hat sich nicht bestätigt", hieß es nun in der offiziellen Trennungsmitteilung. Mehr noch: "Hannover 96 braucht einen Neuanfang." In Schulnoten ausgedrückt ist das eine glatte Fünf, mit der sich Heldt nun bei potenziellen Arbeitgebern bewerben darf.

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Dabei trägt Heldt gewiss eine Teilschuld an diesem Niedergang; vor allem mit unglücklichen Personalentscheidungen hat er dazu beigetragen, dass 96 nach dem Abstieg 2016 nun der nächste Neuanfang in der zweiten Liga bevorsteht.

Bis Ostern soll ein neuer Sportchef installiert werden

Seine Zukäufe in diesem Sommer (Takuma Asano, Kevin Wimmer, Bobby Wood, Walace) haben die Elf kaum verstärkt, dafür aber das finanzielle Defizit erhöht (zuletzt 18 Millionen Euro Jahresverlust). Nach der Trennung von Trainer André Breitenreiter im Winter hatte Heldt zudem sein Ja-Wort zur Verpflichtung von Thomas Doll gegeben, der seitdem mit forschen Sprüchen auffiel, in neun Spielen aber acht Niederlagen sammelte, was für einen "Retter" eine auffallend schlechte Bilanz ist.

Für andere Begleitumstände konnte Heldt dagegen wenig. Nicht für die Verletzungen von Niclas Füllkrug und Ihlas Bebou, den mit Abstand besten Stürmer und den mit Abstand besten Flügelspieler; auch nicht für den großen Konflikt zwischen den Ultras und Kind, der die Stimmung im Stadion lähmte und zuletzt in der Installierung eines vollständig Kind-kritischen Aufsichtsrats mündete. Im Hauptstreitpunkt um "50+1" und die Frage, ob Kind für Hannover eine Ausnahmegenehmigung von der Deutschen Fußball Liga (DFL) erhält, stand Heldt meist an der Seite des mächtigen Geschäftsführers. Das half ihm nun auch nichts mehr. Gegen Ende einer "sportlich wie wirtschaftlich desaströsen Saison" (Kind) ist Heldt sein Amt los. Es wird nun erwartet, dass Doll die Saison als Trainer zwar zu Ende führen darf, dann aber ebenfalls gehen muss.

Bis Ostern soll ein neuer Sportchef installiert werden, der dann mit den Planungen für ein Zweitliga-Team beginnen darf. Prominente Namen werden gehandelt, etwa Dietmar Beiersdorfer oder Klaus Allofs - und einer, dem ebenfalls gerade mitgeteilt wurde, dass er seinen Klub im Sommer verlassen muss und der sogar aus der Region Hannover stammt: Dieter Hecking, der am Samstag mit Gladbach nach Hannover kommt, könnte bei seinem Ex-Klub wieder einsteigen.

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