Hannover - Bremen 0:1 Tiefgreifende Verunsicherung

Neongelbe Wand: Für den Bremer Auswärtserfolg in Hannover war auch Jiri Pavlenka wesentlich verantwortlich, der hier etwa gegen Iver Fossum besteht.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Hannover 96 macht zum Rückrundenstart da weiter, wo der Klub in der Hinrunde aufgehört hat. Bei der Niederlage gegen Bremen wirkt die Mannschaft verunsichert und verliert verdient.

Pfiffe auf den Rängen, Katerstimmung im Team und ein ratloser Trainer: Das 1000. Bundesligaspiel von Hannover 96 hat den Anfang vom Ende des Andre Breitenreiter bei den Niedersachsen mächtig forciert. Zu chancenlos waren die Platzherren bei der deprimierenden 0:1 (0:1)-Niederlage gegen den alten Nordrivalen Werder Bremen.

"Die Liga ist doch etwas anderes als die Vorbereitung. Wir waren zu ängstlich, verunsichert und haben zu viele Zweikämpfe verloren", tadelte der Coach den über weite Strecken blutleeren Auftritt seiner Mannschaft. Bundesligareif war er definitiv nicht, die Gastgeber konnten noch von Glück sagen, dass die Mitkonkurrenten Augsburg und Stuttgart ihre Heimspiele ebenfalls verloren.

Erstliga-Ansprüchen genügte nur 96-Torhüter Michael Esser, der mit zahlreichen starken Paraden eine höhere Niederlage verhinderte. Ohne es direkt auszusprechen, offenbarte der Schlussmann, dass es in der Vorbereitung auf die Rückrunde möglicherweise etwas zu harmonisch zuging. "Wir müssen endlich klar ansprechen, was schlecht war und was besser werden muss", sagte der 31-Jährige, der sich nur beim Treffer des Tages durch den Bremer Angreifer Milot Rashica in der 32. Minute geschlagen geben musste. Das dürften lange Gespräche werden, denn in jedem Mannschaftsteil gibt es bei den "Roten" dringenden Verbesserungsbedarf. Trainer André Breitenreiter meinte ehrlich: "Ein Ausgleich wäre heute nicht verdient gewesen. Uns ist es in Ballbesitz nicht gelungen, Mut und Spielfreude zu entwickeln. Wir waren einfach zu ängstlich, das muss man festhalten."

Das Trio der Neulinge jedenfalls wird allein wenig ausrichten können. Während Abwehrspieler Kevin Akpoguma vor 44.300 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften WM-Arena am Maschsee zumindest solide agierte, blieben in der Offensive sowohl Nicolai Müller als auch der nach 63 Minuten eingewechselte Brasilianer Jonathas nahezu wirkungslos.

Und wenig spricht dafür, dass die verängstigte Mannschaft ausgerechnet beim Herbstmeister Borussia Dortmund oder im folgenden Heimspiel gegen RB Leipzig sportlich die Kurve bekommt. Spätestens dann könnte die Geduld von 96-Präsident Martin Kind mit Breitenreiter zu Ende sein. Denn um doch noch irgendwie die Klasse zu halten, ist dem exzentrischen Klubboss bekanntermaßen jedes Mittel recht. Auch die drei Wintertransfers, so verriet Manager Horst Heldt bei Sky, finanzierte der millionenschwere Unternehmer aus eigener Tasche. Weitere Neuzugänge schloss Manager Horst Heldt in einem Sky-Interview so gut wie aus ("Es ist abgestimmt, dass erstmal keine weiteren Transfers möglich sind").

Einen solchen Mäzen braucht Werder derzeit nicht, die Hanseaten fanden an der Leine auch ohne personelle Blutauffrischung in die Erfolgsspur zurück. Doch die spielerisch ansprechende Vorstellung allein war Trainer Florian Kohfeldt zu wenig: "Zur Wahrheit gehört auch, dass wir das eine oder andere Tor mehr erzielen müssen", sagte der 36-Jährige, der beim Schlusspfiff von Schiedsrichter Marco Fritz voller Erleichterung einen mächtigen Urschrei ausstieß. Im kommenden Heimspiel am nächsten Samstag (18.30 Uhr/Sky) gegen Eintracht Frankfurt mit dem "magischen Dreieck" Sebastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic dürfen sich die Bremer solche Nachlässigkeiten nicht erlauben. Kohfeldt: "Denn jetzt kommen diese drei Verrückten aus Frankfurt auf uns zu."