Hannover 96 Breitenreiter klagt an: "Versetzung ist stark gefährdet"

Hannovers Trainer Andre Breitenreiter (li.) hat schlechte Laune nach dem Sturz auf Platz 18.

(Foto: dpa)

Bei Hannover 96 ist die Stimmung im Keller. Trainer Andre Breitenreiter muss in der englischen Woche dringend Punkte liefern - und droht mit ungewöhnlichen Schritten.

Andre Breitenreiter nahm auf dem Podium Platz, schenkte sich ein Glas Wasser ein und holte tief Luft für eine außergewöhnliche Pressekonferenz. Der 45-Jährige präsentierte sich vor dem so wichtigen Spiel des Tabellenletzten beim SC Freiburg hochemotional. Breitenreiter bezog mit bemerkenswerten Worten Stellung zum Disput mit Niclas Füllkrug und verteidigte die Androhung einer Urlaubssperre über die Feiertage.

"Wir haben gemeinsam beschlossen, es etwas rauer anzugehen", sagte der Coach von Hannover 96 vor der Partie am Mittwoch (20.30 Uhr/Liveticker SZ.de) im Breisgau und zählte seine Mannschaft öffentlich an. Sie habe sich zuletzt zweimal "wehrlos ergeben", sagte er: "Ich vergleiche es mit der Schule. Es stehen die Halbjahreszeugnisse an, und da steht: Die Versetzung ist stark gefährdet."

Bundesliga Hannover 96 ist innerlich zerfressen
Bundesliga

Hannover 96 ist innerlich zerfressen

Das Team von André Breitenreiter ist Tabellenletzter - und komplett desillusioniert. Keine guten Voraussetzungen, um eine Saison zu einem guten Ende zu führen.   Kommentar von Carsten Scheele

Also greift Breitenreiter mit dem Rücken zur Wand zu besonderen Maßnahmen. Wenn seine Mannschaft nicht mindestens drei Punkte aus den Duellen in Freiburg und gegen Fortuna Düsseldorf am Samstag holt, stehen statt entspannter Stunden unter dem Tannenbaum harte Einheiten auf dem Trainingsgelände an. "Ich würde die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr auch lieber mit meiner Familie alleine verbringen, aber es geht um 96", sagte Breitenreiter. Bei den Niederlagen gegen Hertha BSC (0:2) und zuletzt gegen Bayern München (0:4) hatte der 45-Jährige auch Probleme in Sachen "Mentalität und Einstellung" erkannt.

Alarmierende Worte

Die alarmierenden Worte sprudelten nur so aus Breitenreiter heraus, der seine schwerste Phase bei 96 seit seinem Amtsantritt im März 2017 erlebt. Noch stehen Präsident Martin Kind und Manager Horst Heldt zu ihrem Trainer. Wie angespannt die Atmosphäre am Maschsee aber ist, zeigte sich beim Training am Sonntag, als Breitenreiter seine Angriffshoffnung Füllkrug nach dessen genervter Reaktion auf ein unpräzises Zuspiel des Athletiktrainers zusammenstauchte.

Breitenreiter wählte zur Erklärung seines Verhaltens am Dienstag den Vergleich mit einem Schuljungen, der mit einer Sechs in Mathe nach Hause kommt und mit dem die Eltern die Klausur geduldig besprechen. Dann komme das Mittagsessen auf den Tisch. "Und es gibt nicht das gewünschte Rinderfilet sondern vielleicht eine Nudelsuppe", sagte Breitenreiter, er blieb weiter im Bild: "Und das Kind quittiert die Nudelsuppe mit: 'Ey, Alte, was hast du denn hier heute für ein Essen auf den Tisch gebracht?' Was machen Sie dann als Vater? Stehen Sie Ihrer Frau zur Seite und greifen Sie ein, weil es kein respektvoller Umgang ist?" Ihm gehe es um Prinzipien, der Tabellenstand haben in diesem Fall keine Rolle gespielt.

Füllkrug soll dagegen schnell wieder eine Rolle spielen, Breitenreiter braucht die Tore des 25-Jährigen für eine Trendwende. "Ich habe eine sehr, sehr hohe Meinung von Niclas Füllkrug. Wir sind gemeinsam einen exzellenten Weg gegangen und werden das auch in Zukunft tun", sagte Breitenreiter: "Er hat einen Fehler gemacht, ich musste eingreifen. Das ist abgehakt, und weiter gehts."

Bundesliga "Das ist eine Schwalbe! Das ist Wahnsinn!"

Mainz gegen Hannover

"Das ist eine Schwalbe! Das ist Wahnsinn!"

Nach dem späten Mainzer Ausgleich wüten Hannovers Verantwortliche gegen den Videoschiedsrichter. Auch der Mainzer Trainer kann den Ärger verstehen, nur der angeklagte Stürmer Mateta sieht die Dinge anders.   Von Tobias Schächter