Hannover 96Schmadtke soll’s noch mal richten

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Zweite Amtszeit in Hannover: Jörg Schmadtke kehrt zu Hannover 96 zurück.
Zweite Amtszeit in Hannover: Jörg Schmadtke kehrt zu Hannover 96 zurück. Swen Pförtner/dpa
  • Jörg Schmadtke kehrt als neuer Geschäftsführer Sport zu Hannover 96 zurück und hat einen Dreijahresvertrag bis 2029 unterschrieben.
  • Schmadtke soll den Zweitligisten zurück in die Bundesliga führen, nachdem er bereits von 2009 bis 2013 erfolgreich bei 96 arbeitete.
  • Hannover liegt aktuell fünf Punkte hinter einem Aufstiegsplatz und will bis zum Rückrundenstart am 18. Januar noch zwei neue Spieler verpflichten.
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Die Idee, frühere Helden zu reaktivieren, ging bei Zweitligist Hannover 96 zuletzt oft schief. Doch mit Jörg Schmadtke als neuem Geschäftsführer soll nun endlich die Bundesliga-Rückkehr gelingen.

Von Carsten Scheele, Hannover

Ein paar Menschen in Hannover denken jetzt groß. Wen wird Jörg Schmadtke wohl mitbringen zum Start seiner zweiten Amtszeit beim Sportverein von 1896 e.V.? Moa Abdellaoue und Didier Ya Konan sind längst zu alt, aber ein Stürmer von diesem Kaliber würde Hannover 96 für die Rückrunde in der zweiten Liga bestens zu Gesicht stehen. Abdellaoue und Ya Konan sind prägende Figuren aus Schmadtkes erster, ziemlich erfolgreicher Wirkungszeit bei den Niedersachsen. Das war von 2009 bis 2013, Hannover wurde damals Vierter in der Bundesliga und spielte zweimal im Europapokal, mit Mirko Slomka auf der Trainerbank, Konterfußball, Abdellaoue, Ya Konan, Jan Schlaudraff. Wilde Zeiten waren das, schöne Zeiten.

Jetzt kehrt Schmadtke, 61, zurück, und die Mission dürfte mit dem Erstligaaufstieg klar umrissen sein. Man hätte auch mit Vorgänger Marcus Mann weitergemacht, dessen wohltuend unaufgeregte Art im Klub geschätzt wurde. Doch mit der Karte Schmadtke in der Hinterhand ließ man Mann, der erst im März zum Geschäftsführer aufgestiegen war, zu seinem Wunschverein RB Salzburg ziehen. Eine Ablöse im Millionenbereich dürften die Niedersachsen zudem kassieren.

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Schmadtke beginnt sofort, für drei Jahre hat er als Geschäftsführer Sport unterschrieben, bis 2029. Im komplizierten Konstrukt der Gremien bei 96 hat sogar der vierköpfige Aufsichtsrat der Management-GmbH, der hälftig mit Mitgliedern des Stammvereins und der Profisparte besetzt ist (was häufiger zu Problemen führt), einstimmig für Schmadtke votiert. Er wolle „zügig ins Arbeiten kommen“, sagte der frühere Bundesligatorwart, müsse sich „schnell ein umfassendes Bild machen“ und werde „viele Gespräche führen, um die internen Abläufe, Strukturen und Sichtweisen kennenzulernen“. Schmadtke dürfte über die Prokura verfügen, schnell Dinge anzugehen und auch zu verändern. Über die Versetzung von Sportdirektor Ralf Becker in die 96-Nachwuchsakademie wird in den Lokalmedien bereits spekuliert.

Schmadtke arbeitete zuletzt beim FC Liverpool

Mit Rückholaktionen haben die 96er ihre Erfahrungen, jedoch keine sonderlich guten. Vor ziemlich genau einem Jahr versuchte der Klub schon einmal, die alten Zeiten wiederzubeleben. Damals kam André Breitenreiter zurück, der alte Aufstiegscoach. Doch Breitenreiter blieb nur knapp länger als 100 Tage. Ähnlich ist es ein paar Jahre zuvor Slomka ergangen, der zusammen mit Schmadtke einst Teile von Europa aufgemischt hatte. 2019 kam Slomka zurück, er blieb nur wenige Monate.

Mit Schmadtke soll es besser laufen, die Erwartungen sind vermutlich nicht ganz unbegründet. Als Manager hat Schmadtke nach seinem Abschied in Hannover erst beim 1. FC Köln, dann beim VfL Wolfsburg und zuletzt sogar ein Dreivierteljahr in England beim großen FC Liverpool gearbeitet, er ist besser vernetzt als jemals zuvor. Eigentlich ist Schmadtke eine Nummer zu groß geworden für 96, so ehrlich muss man sein. Doch Schmadtke reizt die Aufgabe bei seinem ehemaligen Verein, der in der Rückrunde bei aktuell fünf Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz realistische Chancen auf die Rückkehr in die Bundesliga besitzt.

Alte Bekannte: Jörg Schmadtke (rechts) mit dem damaligen 96-Präsidenten Martin Kind.
Alte Bekannte: Jörg Schmadtke (rechts) mit dem damaligen 96-Präsidenten Martin Kind. Rust/Imago

Der Aufstieg sollte vielleicht besser gelingen, damit es atmosphärisch harmonisch bleibt. Denn reizärmer wird es im Klub mit dem stets fordernd auftretenden Schmadtke sicherlich nicht zugehen. Der Kader ist zu groß, soll verkleinert werden, hier stehen unangenehme Gespräche an. Zudem werden die Gesellschafter allmählich etwas unruhig angesichts des siebten Jahres in der Zweitklassigkeit.

Martin Kind, der Aufsichtsratschef, ist zwar nicht mehr so mächtig wie früher, gibt in vielen Debatten aber noch den Ton an. Und Kind hält große Stücke auf Schmadtke. Schon in der Zeit zwischen 2009 und 2013 kamen beide relativ gut miteinander klar, jetzt betonte Kind, der Kontakt mit Schmadtke sei über die Jahre nie abgerissen (was nicht für alle ehemaligen Mitarbeiter gilt). Schmadtke stehe „für strukturiertes Vorgehen, Entscheidungsstärke und im Ergebnis für erfolgreiche Arbeit“, lobte Kind.

Bis zum Rückrundenstart am 18. Januar mit der Partie beim 1. FC Kaiserslautern sollen noch zwei neue Spieler kommen. Schmadtke dürfte seine Ideen einfließen lassen. Moa Abdellaoue (29 Tore für Hannover) und Didier Ya Konan (39 Tore) hat er damals in den Niederungen der norwegischen Liga entdeckt. Mal sehen, wie gut Schmadtkes Riecher mehr als 15 Jahre später noch funktioniert.

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