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Hannover 96 schlägt den FC Bayern:"Wir hatten eine Strategie"

Hannovers 2:1-Sieg gegen die Bayern war teilweise dem Unglück des Rekordmeisters geschuldet - jedoch auch der eigenen starken Leistung: Trainer Mirko Slomka hat in Hannover ein verflucht stabiles Gebilde erschaffen, das sich nicht so schnell aus der Spitzengruppe der Bundesliga verabschieden dürfte.

Carsten Eberts

Am Ende sang die Hannoveraner Arena "Won't Forget These Days", jenes fast vergessene Lied der vielleicht auch zu Recht vergessenen Band Fury in the Slaughterhouse. Was sollten die 96-Fans auch tun? Echte musikalische Helden hat die Stadt nicht, abgesehen von Lena Meyer-Landrut, die nicht unbedingt fußballkompartibel ist; und den Scorpions, die nun mal die Scorpions sind. Also wurden Fury in the Slaughterhouse auserkoren, um den 2:1-Sieg von Hannover 96 gegen die Bayern zu zelebrieren: "Won't Forget These Daaahaahaays."

Hannover 96 - FC Bayern München 2:1

Zwei Siege hintereinander gegen den FC Bayern: Die Fans feiern die Spieler von Hannover 96 mit einem Lied von "Fury in the Slaughterhouse".

(Foto: dpa)

Weiter unten in den Katakomben saß Trainer Mirko Slomka und versuchte behende, seinen Stolz über die aktuelle Situation zu verbergen. Nicht über die Sangeskunst der Fans, sondern über die Leistung seiner Akteure, die die bislang übermächtigen Bayern zur besten und dramatischsten Partie der bisherigen Saison zwangen. Und am Ende sogar gewannen. Einzig: Es gelang ihm überhaupt nicht.

Denn Slomka war stolz. Sehr sogar. Er lauschte, was Bayern-Trainer Jupp Heynckes an lobenden Worten über die 96er verlor, er saß ruhig, seine Augen blitzten, er genoss die Situation. Dann sagte er: "Wenn man gegen die Bayern eine Chance haben will, muss man eine Strategie haben." Und er, Slomka, hatte diese Startegie.

Seit Januar 2010 ist Slomka Trainer in Hannover - und er hat aus dem damals höchst verunsicherten Abstiegskandidaten ein verflucht stabiles Gebilde geformt. Wie noch kein anderes Team in dieser Spielzeit hat sich Hannover den Bayern entgegengestellt, mit ziemlich viel Mut, was sie von zahlreichen anderen Bundesligateams unterschied. "Wir haben genau das gemacht, was man gegen die Bayern machen muss", erklärte Kapitän Steven Cherundolo nach der Partie, "wir haben ihnen keinen Zentimeter Platz gegeben. Das zeichnet uns aus."

Über die Kräfteverhältnisse in der Liga sagte diese Partie manches aus. Gewiss, die Bayern hatten in Hannover enormes Pech, sie sollten, sofern denn alles normal läuft, immer noch allererster Anwärter auf den Meistertitel bleiben. Doch wer soll sich den Bayern noch entgegenstellen? Die Dortmunder, sicher, aber sonst? Leverkusen oder Schalke haben es bereits versucht - und sahen dabei weit schlechter aus als Hannover 96. Nein, es wäre verwunderlich, würde sich Hannover alsbald aus den Spitzenregionen der Bundesliga verabschieden.

So entwickelte sich eine höchst ansehnliche Partie. Nach dem frühen Platzverweis gegen Jérôme Boateng griffen die kombinationssicheren Bayern beleidigt an, für Hannover boten sich dadurch noch mehr Räume für ihr nahezu perfektioniertes Konterspiel: für diese blitzartigen Überfälle, wenn sie nach Ballgewinn binnen acht bis zehn Sekunden auf der gegenüberliegenden Seite den Abschluss suchen. Es wurde ein Duell der Systeme, das Hannover am Ende, wenn auch etwas glücklich, für sich entschied.

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