Hannover 96 Kinds bitterer Abend

Präsident Martin Kind auf der Mitgliederversammlung von Hannover 96. Links Uwe Krause, Mitglied des Vorstands

(Foto: dpa)
  • Bei der Mitgliederversammlung von Hannover 96 erlebt Vereinschef Martin Kind einen bitteren Abend.
  • Vorstand und Aufsichtsrat werden von den Mitgliedern nicht entlastet.
  • Bei ihrem wichtigsten Antrag scheitern Kinds Gegner aber an der Zweidrittelmehrheit.
Von Carsten Scheele, Hannover

Eine halbe Stunde vor Mitternacht hielt der an sich bittere Abend für Martin Kind noch einen kleinen Sieg bereit. Als wichtigsten Antrag der Mitgliederversammlung hatten seine Gegner bei Hannover 96 eine Satzungsänderung eingebracht. Sie hätte die Befugnisse des Vorstands um Präsident Kind eingeschränkt. Eine Zweidrittelmehrheit hätte die Opposition erreichen müssen, der Verein hatte im Vorfeld hart gegen diesen Vorschlag gekämpft.

Von den rund 1100 Stimmberechtigten votierten 576 Mitglieder für den Antrag - eine Mehrheit, aber eine zu knappe. Kinds Gegner verließen enttäuscht den Saal, obwohl die Veranstaltung noch nicht beendet war. "Das war wichtig", raunte Kind etwas später. Er sah abgekämpft und müde aus.

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Nach Monaten des offenen Streits hatte die 96-Opposition am Donnerstagabend versucht, dem Vorstand um Kind die alleinige Entscheidungsmacht zu entziehen. Der Antrag zielte darauf ab, dass die Mitglieder bei wichtigen Entscheidungen die Richtung vorgeben sollen, etwa bei der strittigen Frage, ob der Klub eine Ausnahmegenehmigung für die 50+1-Regel bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) beantragen soll. Damit sich nicht wiederholt, was 2017 geschah, als die Mitglieder zwar mit großer Mehrheit beschlossen hatten, über den 50+1-Antrag abstimmen zu wollen, Kind dies aber bloß als "Empfehlung" verstand. Er brachte den umstrittenen Antrag dennoch ein, weil es die Vereinssatzung ja erlaubte.

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In vielen Interviews hatte Kind sein Vorgehen zuletzt verteidigt und gar mit Rücktritt gedroht für den Fall, dass die Satzungsänderung beschlossen würde. Die Mitgliederversammlung verbrachte er - zwei Tage vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern - dann stoisch auf dem Podium sitzend. Kind lieferte zwar den Vorstandsbericht, als die Auseinandersetzung mit dem kritischen Teil der Fans begann, schwieg Kind aber, während seine Vorstandskollegen der Reihe nach ans Mikrofon traten und leidenschaftlich mit der Opposition stritten.

Der Abend hatte mit einigen Niederlagen für den Vereinsboss begonnen. Weder der Vorstand, dem Kind vorsteht, noch der Aufsichtsrat wurden von den Mitgliedern entlastet. Und auch wenn der Antrag auf Satzungsänderung am Ende nicht durchkam: Kind konnte verfolgen, wie tief sein Verein in zwei Lager gespalten ist.

An dieser Situation haben viele in der Stadt mitgewirkt. Kind selbst, aber auch die Opposition, die mit ihrem Stimmungsboykott seit Saisonbeginn vor allem der Mannschaft schadet. Als "Krawallmacher aus der Nordkurve" wird der Zusammenschluss vieler Gruppen (nicht bloß Ultras), der unter dem Namen IG Pro Verein firmiert, von Vereinsseite gerne tituliert. Auf der Versammlung war es jedoch der Vorstand, der die Stimmung aufheizte.