Hannover 96 Im roten Pulli

"Die Tabelle können wir alle lesen. Das ist nicht das, was mich primär beschäftigt": Daniel Stendel zum Abstand auf den Relegationsrang.

(Foto: Joachim Sielski/Getty)

Von der A-Jugend in die Bundesliga: Daniel Stendel rückt vom U19-Coach zum Erstliga-Trainer auf. Der Nachfolger des entlassenen Thomas Schaaf soll die Mannschaft aber nur bis zum Saisonende coachen.

Beim Griff in den Kleiderschrank bewies Daniel Stendel ein sicheres Gespür. Bei seiner Vorstellung als Nachfolger des am Sonntagabend entlassenen Thomas Schaaf erschien der Trainer-Neuling im roten Pullover - mit der Lieblingsfarbe aller Fans von Hannover 96. Auch verbal versprach der einstige Aufstiegsheld den Anhängern volle Identifikation für den Rest der Saison. "Ich will die Jungs dazu bringen, alles aus sich herauszuholen, mit Mut und Leidenschaft zu spielen", sagte Stendel bei seiner Präsentation am Montag, seinem 42. Geburtstag. Der ehemalige Stürmer versprach keine Wunder, sondern ehrliche Arbeit. "96 ist mehr als ein Verein für mich", sagte Stendel, der die A-Jugend des Klubs zuletzt ins Pokalfinale geführt hatte: "Ich habe Bock, Hannover wieder in die positiven Schlagzeilen zu führen." Angesichts von zehn Punkten Rückstand auf den Vorletzten sprach aber auch Stendel, der am Montag sein erstes Training bei den Profis leitete, nicht mehr vom Klassenverbleib. Für Vorgänger Schaaf gab es ein vergiftetes Lob: Dieser sei "super engagiert" gewesen und habe "viel probiert".

Schaaf war am Sonntag nach zehn Niederlagen in elf Spielen beurlaubt worden. Der Klub habe Schaaf "überhaupt nichts" vorzuwerfen, sagte Geschäftsführer Martin Bader, der selbst zunehmend unter Druck gerät. "Im Winter hatten wir einen Punkt Rückstand auf Platz 15, jetzt sind es zehn. Wir haben die teuerste Mannschaft, den höchsten Transferaufwand - und wir steigen ab. Das passt nicht zusammen", sagte Präsident Martin Kind am Sonntag und kritisierte damit indirekt Bader: "Mit dem Abstieg wird es einen Umbruch geben." Stendel soll nur bis zum Saisonende Trainer der Profis sein. Als mögliche Nachfolge-Kandidaten für die neue Saison gelten Ex-Trainer Mirko Slomka und der langjährige 96-Spieler Steven Cherundolo, der derzeit die U17 des Klubs betreut.