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Hannover 96 in Quarantäne:Das Highlight: die Türklingel

Prib

"Light of the Seven": Hannovers Mittelfeldspieler Edgar Prib übt laut Notenbuch eine aus der Serie "Game of Thrones" bekannte Melodie.

(Foto: Hannover 96/OH)
  • Bei Hannover 96 gab es den ersten Corona-Fall im deutschen Profi-Fußball.
  • Mittlerweile befindet sich die gesamte Mannschaft in Quarantäne.
  • Im "14-Tage-Buch" zeigt der Klub, wie die Profis mit "erdrückender" Langeweile umgehen.

Der Höhepunkt für Linton Maina? Die Türklingel! "Weil ich seit drei Tagen keine mehr gehört habe", sagt der junge Offensivspieler von Hannover 96. Es war dann nicht sonderlich spektakulär, kein Lotteriegewinn oder wenigstens der Pizzaservice - aber immerhin die Ärztin, die einen Abstrich machen wollte. Aufregender wird es im Alltag von Linton Maina derzeit nicht: Er steht unter häuslicher Quarantäne, darf die eigene Wohnung nicht verlassen, so wie die gesamte Zweitliga-Mannschaft von Hannover 96.

Nach zwei positiven Coronafällen im Team wurde diese Maßnahme verfügt, und da sitzen sie nun, seit Donnerstag: die Profis, die Trainer, der engere Betreuerstab. Zu Hause. In den eigenen vier Wänden. Und langweilen sich. Die Medienabteilung des Klubs nutzt dies für ein "14-Tage-Buch": An jedem Quarantäne-Tag berichtet ein anderer Spieler im Kurz-Interview, wie sehr ihm die Decke auf den Kopf fällt. Der Alltag mag bei Fußballprofis normalerweise etwas anders sein als beim Nullachtfünfzehnbürger - nun ist er so wie bei vielen.

Edgar Prib übt viel Klavier. Er hat auch mehr Zeit für seine Katze Lilly, was ihn freut. Außerdem trinkt er Kaffee, wie er berichtet. Maina schläft "extra-lang", damit der Tag schneller rumgeht. Spielt Playstation, schaut Serien, aktuell: "Prince of Bel Air", die Comedyserie mit Will Smith aus den Neunzigern, was schwer nach Notbeschäftigung klingt. Eine besondere Herausforderung stellt sich John Guidetti, dem frisch verpflichteten Schweden: Der Stürmer hat zwei kleine Kinder, die bespaßt werden wollen, also hat Guidetti den heimischen Flur zur Kegelbahn umfunktioniert, alles gefilmt und ins Netz gestellt (wie man das heutzutage als Fußballprofi so macht).

In der Quarantäne ist "ganz viel Improvisation gefragt"

Anderen fällt es schwerer, sich auf das heruntergedimmte Leben einzulassen. Timo Hübers findet die Langeweile "erdrückend", mit ihm hat alles angefangen. Hübers war in der vergangenen Woche der erste Coronafall im deutschen Profifußball, er sitzt schon seit Mittwoch in Quarantäne, zeigte bislang leichte Grippesymptome, es geht ihm aber gut. Wegen Hübers und dem Kollegen Jannes Horn, Hannovers zweitem positiv getesteten Spieler, wurde das Ligaspiel am Wochenende gegen Dynamo Dresden bereits abgesagt, bevor die Deutsche Fußball Liga (DFL) den Generalstopp verfügte. Denn wie soll man spielen, wenn kein Mannschaftsmitglied die eigene Wohnung verlassen darf?

Seitdem wird viel an der Playstation gezockt, gefacetimed oder telefoniert, online gegeneinander Karten gespielt. Oder sie vertreiben sich die Zeit mit ein paar sportlichen Übungen. Kapitän Bakalorz zwar eher nicht, der sei "nicht so der klassische Kraftraum-Typ", für Liegestütze reicht es aber. Edgar Prib macht dagegen "Sit-ups, bis alles brennt". Und, da in Hannover in diesen Tagen die Sonne scheint, "auf der Matte im Garten". Einziges Problem: die Nachbarn - "die haben sich bestimmt gewundert, wer da so schnauft".

Hübers sagt, bei ihm sei "ganz viel Improvisation gefragt", nicht nur er steht unter Quarantäne, auch alle Kontaktpersonen ersten Grades: Familie, Freunde. Es sei schon "recht schwer, die Tage rumzubekommen", sagt Hübers. Trotzdem hat er von einem echten Höhepunkt zu berichten: "Jetzt habe ich gerade meinen Einkauf auf die Fensterbank gestellt bekommen."

© SZ vom 17.03.2020/tbr
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