Handballer des HSV Hamburg:Einstimmig gegen die Lizenz

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HSV Hamburg

Es droht das endgültige Aus für die Handballer des HSV Hamburg und Pascal Hens.

(Foto: dpa)

Vor zwölf Monaten gewann der HSV Hamburg die Champions League, nun verweigert die Handball-Bundesliga dem Klub auch in zweiter Instanz die Lizenz. Es ist die Geschichte eines Emporkömmlings, der sich finanziell massiv übernahm.

Von Carsten Eberts, Hamburg

Noch vor wenigen Tagen war die Zuversicht greifbar bei den Handballern des HSV Hamburg. Johannes Bitter, der Nationaltorhüter, verbreitete offen seinen Optimismus. Die letzten Informationen, die er bezüglich der Lizenz erhalten habe, seien "sehr positiv".

So positiv können sie nicht gewesen sein, denn am Dienstagmittag verschickte die Handball-Bundesliga (HBL) die Nachricht, die von Fachleuten schon erwartet worden war. Der HSV Hamburg, der Champions-League-Sieger der vergangenen Saison, erhält nur ein Jahr nach dem größten Triumph der Vereinsgeschichte keine Lizenz für die kommende Bundesliga-Spielzeit.

Schon in erster Instanz war dem Klub vor anderthalb Wochen die Spielberechtigung verwehrt geblieben. Der endgültige Ausstieg von Präsident und Hauptgeldgeber Andreas Rudolph hatte den Klub schwer getroffen, monatelang erhielten die Spieler verspätet ihr Gehalt, auch bezüglich der Hallenmiete blieben Rechnungen offen. Da der HSV selbst keine Rücklagen hatte, fehlten nach Rudolphs Rückzug plötzlich 2,7 Millionen Euro - allein für die laufende Saison.

Der HSV legte Beschwerde ein, besserte nach - doch nach Ansicht der Lizensierungskomission reichte es erneut nicht. "Maßgeblicher Grund für die Entscheidung ist der weiterhin fehlende Nachweis einer gesicherten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit", heißt es in der offiziellen Bestätigung. "Der Beschluss des achtköpfigen HBL-Präsidiums ist einstimmig", sagte HBL-Geschäftsführer Holger Kaiser dem SID: "Der HSV hat auch in den fristgerecht nachgereichten Unterlagen seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zum Ende dieser Saison und auch für die kommende Saison nicht belegen können."

2011 Meister, 2013 Champions-League-Sieger

Es ist das vorläufige Ende der Geschichte eines Emporkömmlings, der sich wirtschaftlich massiv übernahm. Der Verein wurde 1999 als HSV Lübeck gegründet, übernahm anschließend die Bundesliga-Lizenz des VfL Bad Schwartau. Fleißig subventioniert mit den Millionen von Mäzen Rudolph wurde bald der zweithöchste Etat der Liga nach dem THW Kiel aufgestellt, 2011 gelang es dem HSV sogar, den Seriensieger als Meister abzulösen.

Im Sommer 2013 folgte dann der größte Triumph der Vereinsgeschichte: der Champions-League-Titel in Köln, in einem unfasslich spannenden Finale gegen den FC Barcelona. Die Mannschaft feierte auf dem Ratshausplatz, Mimi Kraus, der damalige Spielmacher, zog sich im Jubel bis auf die Unterhose aus. Nur zwölf Monate später soll nun Schluss sein.

Sogar der Weg zurück in die zweite Liga bleibt dem Klub wohl verwehrt. "Der HSV Handball hat zudem nicht die Möglichkeit, eine Lizenz für die 2. Handball-Bundesliga zu erhalten, da kein vorsorglicher Lizenzantrag für die 2. Handball-Bundesliga gestellt wurde", heißt es in der Begründung. Niemand hatte beim HSV damit gerechnet, dass es wirklich so weit kommen würde.

"Es tut uns, die alles für diesen Verein getan haben, unfassbar Leid für unsere vielen Fans und Partner. Worte können unsere Gefühle nicht beschreiben", so die HSV-Leitung in einem Statement. Eine Einspruchsmöglichkeit bleibt noch, doch bestätigt das Liga-Schiedsgericht das Urteil ebenfalls, stünde der HSV nachträglich als Zwangsabsteiger fest.

Stattdessen bliebe die HBW Balingen-Weilstetten in der Eliteklasse. Der HSV wäre nur noch in der dritten Liga startberechtig - wenn der Klub denn überhaupt weiter fortbestehen kann.

Mit Material des sid

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