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Handball-WM:Zwischenfinale gegen Südkorea

Handball Frauen WM Deutschland - Frankreich

Vergebliche Höchstleistung: Selbst neun Tore von Emily Bölk (hier gegen Meline Nocandy und Allison Pineau) reichten nicht gegen Frankreich.

(Foto: Marco Wolf/dpa)

Das nächste Spiel der deutschen Handballerinnen hat großen Einfluss auf die Hauptrunde.

Als sich die erste Niederlage bei der WM in Japan abzeichnete, meldete sich das einzige weltmeisterliche Gen in der deutschen Mannschaft zum Widerstand. Emily Bölk, Tochter der 1993er-Weltmeisterin Andrea Bölk, erzielte mit einem Kraftakt binnen sieben Minuten vier der letzten fünf deutschen Tore. Es sollte nur nicht reichen gegen den Olympiafinalisten von 2016, Weltmeister von 2017 und Europameister von 2018. Die deutschen Handballerinnen verloren gegen Frankreich 25:27 (12:14). Dass Bölk, 21, mit neun Treffern zur besten Spielerin der Partie gewählt wurde, war ein schwacher Trost. "Wir geben niemals auf", sagte sie umso entschiedener. Das klang wie eine Kampfansage für den weiteren Turnierverlauf.

Tatsächlich fiel positiv auf, dass die deutschen Handballerinnen selbst nach deutlichen Rückständen immer wieder zurückkamen. Schwer in den Schlaf fanden sie aber vermutlich wegen der Szenen, in denen sie mit nur einem weiteren Treffer hätten ausgleichen können. Doch diese wiederkehrende Chance vergaben sie jedes Mal. Es stand nur bei 0:0 unentschieden in diesem Spiel, später kein einziges Mal mehr. Der Bundestrainer Henk Groener hob trotzdem das Durchhaltevermögen seiner Spielerinnen hervor. "Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, sie hat bis zum Schluss gekämpft", sagte er und wusste auch, warum am Ende ein Stückchen gefehlt hat: "Das schwere Spiel gegen Dänemark vom Vortag steckte uns noch in den Knochen, da war ein bisschen Müdigkeit drin."

Die bisherige deutsche WM-Bilanz bleibt positiv. Und doch wird sich nun erst am finalen Vorrundengruppen-Spieltag entscheiden, ob Deutschland mit null, zwei oder vier Punkten in die Hauptrundengruppe einzieht. Das macht einen enormen Unterschied. In der Hauptrundengruppe warten drei weitere Spiele, vermutlich gegen Norwegen, Serbien und die Niederlande. Auf Platz eins und zwei in dieser Hauptrundengruppe zieht man ins Halbfinale ein, auf Platz drei wäre man für ein Olympia-Qualifikationsturnier im März qualifiziert, und auf Platz vier müsste man anschließend erst noch das Spiel um WM-Platz sieben gewinnen, um das Olympia-Qualifikationsturnier im März zu erreichen. Es geht also bereits um sehr viel, wenn die deutschen Handballerinnen am Freitag gegen Südkorea spielen.

"Der Kampfgeist stimmt, wir geben niemals auf", sagt Emily Bölk

Im schlimmsten Fall bleibt aus den drei deutschen Siegen in den ersten drei Spielen kein einziger Punkt für die Hauptrunde übrig. Die Regel besagt, dass man nur die Punkte aus den Spielen gegen jene Mannschaften mitnimmt, die ebenfalls in die Hauptrunde einziehen. So ergibt sich für die deutsche Mannschaft am Freitag folgende Konstellation: Wenn man gegen Südkorea verliert und zugleich die Französinnen gegen Dänemark gewinnen, dann geht man ohne jeglichen Zähler in die Hauptrunde. Wenn man jedoch gegen Südkorea gewinnt und Dänemark gegen Frankreich ebenfalls, bringt man vier Punkte mit in die Hauptrunde und sieht womöglich sogar eine kleine Chance aufs Halbfinale.

In den ersten drei Spielen hatten die deutschen Handballerinnen nur ein einziges Mal zurückgelegen: direkt im ersten Spiel beim 0:1 gegen Brasilien. Anschließend lagen sie spielübergreifend gegen Brasilien (30:24), Australien (34:8) und Dänemark (26:25) knapp drei Stunden lang kein einziges Mal mehr im Rückstand. Im vierten Spiel mussten sie eine neue Erfahrung machen: Frankreich führte von der ersten Minute an durchgehend. "Dennoch hatten wir eine Chance gegen den amtierenden Welt- und Europameister", sagte Bölk und benannte extra noch einmal die beiden gegenwärtigen Titel der Französinnen. "Das ist deshalb so schade, weil wir uns nach einem schlechten Start immer wieder herangekämpft haben und mehrfach die Chance zum Ausgleich hatten."

Doch die Deutschen haben mit den Jahren gelernt, statt Ergebnisse lieber Tendenzen zu bewerten. Der bislang letzte WM-Titel ist 26 Jahre her (1993), die letzte (Bronze-)Medaille zwölf Jahre (2007). Das Team weiß bereits zu schätzen, wenn es mit den besten Nationen der Welt wieder mithalten kann. "Wer hätte das vor dem Turnier gedacht?", fragte Bölk. "Der Kampfgeist stimmt, wir geben nie auf - und jetzt haben wir ein Finale gegen Südkorea und können immer noch Punkte in die Hauptrunde mitnehmen."