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Handball-WM in Ägypten:Tschechien und USA sagen WM-Start ab

Preparations for Handball World Championship amid the spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Egypt

Wie viele Nationalmannschaften kommen in der Blase an? Ein Blick auf das New Capital Stadium.

(Foto: Shokry Hussien/Reuters)

Vier Nationalmannschaften verzeichnen kurz vor Turnierbeginn in Ägypten heftige Corona-Ausbrüche - auch der zweite Gegner des deutschen Teams ist betroffen.

Von Carsten Scheele

Bei der Ankunft in Ägypten ist alles geregelt. Die Handball-Nationalmannschaften und ihre Delegationen landen auf dem Flughafen Kairo International, noch im Bus auf dem Rollfeld werden bei allen Reisenden PCR-Tests durchgeführt, danach begeben sich alle erst einmal in Isolation. Die ägyptischen Labore arbeiten schnell; innerhalb von drei Stunden sollen die Ergebnisse feststehen. Das Ziel ist klar: In die Blase von Kairo, die Hotels sowie Trainings- und Spielstätten umfasst, kommt nur rein, wer negativ getestet wurde.

Wie viele der teilnehmenden Länder überhaupt in Mannschaftsstärke in Kairo ankommen, ist seit diesem Dienstag allerdings die große Frage. Drei Nationalmannschaften haben kurz vor dem WM-Start größere Infektionszahlen zu beklagen: Zunächst die Tschechen, sie schlugen bereits am Montag Alarm. Jetzt hat es auch das Team der USA heftig erwischt, Brasilien - und offenbar auch den zweiten deutschen WM-Gegner, die Kapverdischen Inseln.

Zehn Covid-19-Infektionen bestätigte das tschechische Team, Brasilien vermeldete zwei Spieler, den Trainer und vier weitere Team-Verantwortliche als positiv, bei den USA ist es noch schlimmer: 18 Infektionen! Hinzu kommen Medienberichte, wonach auch der WM-Neuling aus Afrika einen Ausbruch zu verzeichnen hat, sieben Spieler der Kapverden seien betroffen, das Team hält sich aktuell noch in Portugal auf. Kann eine WM seriös starten, wenn in jeder zweiten Vorrundengruppe ein Team völlig dezimiert in Kairo ankommt?

Das US-Team rätselt, wer der Superspreader ist

Alle Mannschaften wollten anreisen und antreten - doch am Dienstagabend wurde klar, dass das nicht klappen wird. Dem Terminplan zufolge sollte Tschechien am Donnerstag gegen Schweden ins Turnier starten, sie hatten einen Notkader aus gesunden Spielern benannt, um die Partie nicht absagen zu müssen. Doch am Dienstagabend meldeten die Tschechen ihr Team ab, es hatte keinen Sinn. Nachrücker wird Nordmazedonien sein.

Dann kam auch noch die Absage der USA dazu, die Rede war nun von 19 positiv getesteten Spielern. Das Land wollte zunächst nur zwölf Spieler schicken, wie Nationaltrainer Robert Hedin der norwegischen Zeitung Aftenposten bestätigte, die Mannschaft sollte am Donnerstag gegen Österreich spielen. Der sportliche Wettkampf war bei der ersten WM-Teilnahme der USA seit 20 Jahren aber schnell in den Hintergrund gerückt: Hedin sagte, der Ausbruch im Team sei "unglaublich heftig", er habe keine Abwehrspezialisten mehr zur Verfügung, "aber wir haben einen Torhüter". Der Coach selbst wurde ebenfalls positiv getestet, er blieb mit den anderen im Hotel im dänischen Kolding in Quarantäne.

Auf die Frage, wo sich das Team infiziert hat, gibt es bislang keine Antwort. Die Heftigkeit des Ausbruchs lässt auf einen Superspreader schließen, das US-Team ist seit einigen Wochen unterwegs, hat sich erst in Norwegen, dann in Dänemark auf die WM vorbereitet. "Wir wurden die ganze Zeit getestet", sagte Hedin etwas ratlos, "am Montag haben wir noch einen Schnelltest absolviert, der war negativ." Vermutlich habe ein aus den USA angereister Spieler das Virus mitgebracht.

Nordmazedonien und die Schweiz stehen als Nachrücker bereit

Es hätte für die Amerikaner noch ein Szenario für den späteren Einstieg ins Turnier gegeben, hätten sie nur die erste Partie absagen müssen - doch darauf machte sich das Team angesichts der Lage wohl keine Hoffnungen mehr. Für die USA wird nun die Schweiz zur WM fahren, die Mannschaft hatte sich als Nachrücker bereit gehalten.

Das deutsche Team ist indes am Dienstag in Kairo gelandet, streng abgeschottet begab sich die Delegation nach Gizeh, in ein Fünf-Sterne-Hotel unweit der berühmten Pyramiden, das die Spieler vorerst nur zum Trainieren und für die drei Vorrundenspiele verlassen werden. Immerhin wird im Hotel nun etwas mehr Platz sein: Auch die USA und die Kapverden hatten dort in Mannschaftsstärke ihre Zimmer gebucht.

© SZ/moe, ska
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