Handball in den USAFootball? Basketball? Handball!

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Am Einsatz liegt es nicht, doch Alexandre Blanco (links) und das US-Team verlieren bei der WM auch gegen Norwegen.
Am Einsatz liegt es nicht, doch Alexandre Blanco (links) und das US-Team verlieren bei der WM auch gegen Norwegen. (Foto: Susana Vera/Reuters)

Handball soll Amerika erobern – mit dem großen Dänen Mikkel Hansen als Botschafter, einem Zehn-Tage-Turnier in Las Vegas und einer eigenen Profiliga. Doch der Weg erscheint weit, sehr weit.

Von Carsten Scheele, Herning

Mikkel Hansen lässt sich in seiner Sportart nicht für jeden Quatsch einspannen, also muss es etwas bedeuten, dass er mitmacht. Vor ein paar Tagen saß der frühere Weltklassespieler aus Dänemark auf einem Podium in der Jyske Bank Boxen in Herning. Neben ihm: der dänische Investor Mads H. Winther, die Spitzenspielerinnen Stine Oftedal (Norwegen) und Estavana Polman (Niederlande). Auch der Franzose Nikola Karabatic, wie Hansen mehrfacher Welthandballer, hat seine Unterstützung angekündigt.

Ihr Ziel ist klar: Handball soll die USA erobern. Die Sportart soll wachsen, nicht in Europa, wo Handball ohnehin groß ist, sondern im wichtigsten Sportmarkt der Welt. „Pro Handball USA“ heißt die Firma, die Winther dafür gegründet hat. „Die USA verdienen Handball“, lautet der Slogan. Die Botschafter um Hansen sind sehr prominent gewählt.

Handball in den USA, really?

Als ersten Schritt will Winther ab 2026 ein jährliches Einladungsturnier mit den besten europäischen Klubs veranstalten: ein zehntägiges Event in Las Vegas, der FC Barcelona und Paris Saint-Germain hätten ihr Kommen bereits zugesagt. Dem Vernehmen nach laufen auch Anfragen bei deutschen Klubs. Ab 2028 soll dann eine Profiliga etabliert werden, die (es wird groß gedacht!) eines Tages die beste der Welt werden soll. „Ich bin nicht naiv zu glauben, dass es über Nacht passieren wird“, sagt Hansen: „Aber Amerika ist sportbegeistert. Handball passt sehr gut zu einem Markt wie den USA.“

Bei der Handball-WM ist das US-Team nur dank einer Wildcard dabei

Aktuell gilt die deutsche Handball-Bundesliga (HBL) als beste Liga der Welt, und die Aussicht auf neue Konkurrenz aus den USA treibt dem HBL-Chef Frank Bohmann nicht gerade Angstschweißperlen auf die Stirn. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt Bohmann lapidar: „Vielleicht braucht man eine solch große Vision, um in den USA etwas zu erreichen.“ Es sei unstrittig, dass der Handball, um langfristig zu wachsen, in die großen Märkte vorstoßen müsse. Doch eine Profiliga in Amerika, das sei schon ein „Mordsunterfangen“, sagt Bohmann: „Das wird viel Geld kosten, vor allem in den USA.“

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Bohmann ist der Angelegenheit nicht abgeneigt, er wolle sich mit den Protagonisten von „Pro Handball USA“ zu einem Videocall treffen. Doch dass die USA im Handball zeitnah ein entscheidender Faktor werden und Spitzenspieler in Scharen nach Übersee wechseln, schließt Bohmann erst mal aus.

Der Weg erscheint immens weit. Es genügt ein Blick auf die Weltmeisterschaft, die gerade in Dänemark, Norwegen und Kroatien läuft, um zu erahnen, welchen Stellenwert die Sportart in den USA aktuell hat. Das US-Team spielt mit, aber nur dank einer Wildcard mit Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. In der Vorrunde hat das Team von US-Nationalcoach Robert Heidin, einem früheren schwedischen Nationalspieler, alle Spiele verloren. Als punktloser Letzter ging es zum President’s Cup, dort lief es besser, allerdings nur im Kampf um die Plätze 25 bis 32. Am Ende landeten die USA auf Rang 26, sechs Plätze schlechter als bei der WM vor zwei Jahren.

Anders als erhofft geriet das US-Team in die Schlagzeilen. Weil es keine staatlichen Zuschüsse gibt, kann sich der Verband mit seinen beiden Angestellten die WM-Teilnahme kaum leisten. Dank Sponsoren sind immerhin Unterkunft und Verpflegung gesichert; für die An- und Abreise zum Trainingslager vor der WM mussten die Spieler selbst aufkommen. „In den USA hat sich in Sachen Handball nicht viel getan, es gibt immer noch keine Liga“, sagte Teammanager Andreas Hertelt, ein Deutscher, der seit 2019 für den Verband arbeitet, bei sportdeutschland.tv.

Viele Amerikaner wissen nicht, was Handball überhaupt ist

Sport in den USA funktioniert über die Präsenz an den Highschools und Colleges. „Solange Handball nicht im Schulsystem verankert ist, wird es flächendeckend keine Entwicklung geben“, sagt Hertelt. Der US-Verband hat gerade mal 1500 Mitglieder. Viele Amerikaner wissen nicht, was Handball überhaupt ist, im Ranking der beliebtesten Sportarten (Football vor Basketball und Baseball) taucht Handball gar nicht auf. Doch Investor und Firmenchef Winther will das ändern, er verspricht: „Wir werden das jetzt ernsthaft angehen. Wir brauchen die USA, und sie brauchen uns.“

Einen großen Haken an den Plänen gibt es bereits, denn was die Spieler der europäischen Topteams gewiss nicht benötigen, ist ein weiteres Turnier im ohnehin arg strapazierten Terminkalender. Mühsam haben sich die Profis eine längere Sommerpause erkämpft, um einmal im Jahr eine Chance zur Regeneration zu haben. In diese Zeit will „Pro Handball USA“ künftig ein Turnier in Las Vegas platzieren.

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