Kader für die Handball-WM:Plötzlich steht ein Weltmeister von 2007 im Kader

Christian Prokop

Bundestrainer Christian Prokop (im schwarzen Hemd) geht mit seinem Team hoffungsvoll in die Heim-WM.

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)
  • Bei der Handball-WM im eigenen Land im kommenden Januar setzt Bundestrainer Prokop auf die erwarteten Namen.
  • Etwas überraschend kommt die Nominierung von Torhüter Johannes Bitter, der schon 36 ist.

Von Joachim Mölter

Der Handball-Bundestrainer Christian Prokop hat am Montag seinen erweiterten Kader für die bevorstehende Weltmeisterschaft bekanntgegeben und damit die entscheidende Phase der Vorbereitung auf das Turnier eingeleitet, das im Januar von Deutschland und Dänemark gemeinsam ausgerichtet wird. 28 Spieler hat Prokop dem Weltverband IHF gemeldet, mit 16 Akteuren darf er am 10. Januar in Berlin gegen eine gesamtkoreanische Auswahl in die WM starten. Der Kreis der Auserwählten zeichnet sich freilich schon jetzt ab: Für das Länderspiel gegen Polen am Mittwoch in Rostock, den ersten von nur noch drei Tests vor der WM, hat Prokop 17 Spieler eingeladen. Und die, so verriet er, haben "einen kleinen Vorsprung gegenüber den anderen" aus dem 28er-Kader: "Die WM-Mannschaft nimmt klare Züge und klare Konturen an."

Wobei natürlich auch Kapitän Uwe Gensheimer noch zu berücksichtigen ist. Der fehlt in Rostock, weil ihm sein Klub Paris Saint-Germain die Freigabe für das Freundschaftsspiel verweigert hat. Aber auf den derzeit wohl besten Linksaußen der Welt wird Prokop kaum verzichten bei der Heim-WM. Der 39-Jährige ist ja sowieso kaum ein Risiko eingegangen bei der Kader-Zusammenstellung, ganz anders als noch bei seinem Turnier-Debüt als Bundestrainer im vergangenen Januar. Kurz vor der Europameisterschaft in Kroatien hatte Prokop den Abwehrchef Finn Lemke aus dem Aufgebot gestrichen, den 2,10-Meter-Mann, der beim EM-Triumph zwei Jahre vorher die Defensive zusammengehalten hatte.

Dafür hatte er zwei seiner früheren Spieler vom SC DHfK Leipzig mitgenommen, den Kreisläufer Bastian Roschek und den Rückraumspieler Maximilian Janke, beides Länderspiel-Neulinge. Die Folge war eine sichtbare Verunsicherung innerhalb der Mannschaft und der Absturz des Titelverteidigers auf Platz neun. Aus diesen Turbulenzen hat Prokop offensichtlich gelernt. Roschek und Janke gehören nun jedenfalls nicht einmal mehr zum erweiterten Kader; Lemke hatte der Coach ja noch während der EM zurückgeholt, als es leider schon zu spät war.

Diesmal ist die einzige Überraschung, dass sich unter den 28 nominierten Spielern tatsächlich noch ein Weltmeister von 2007 befindet, als das globale Championat zuletzt in Deutschland ausgetragen wurde. Damals war Johannes Bitter einer der drei WM-Torhüter, diesmal ist der mittlerweile 36 Jahre alte Profi nur die Nummer vier im Aufgebot. Er dient als letzte Absicherung für den schlimmsten Fall, nämlich den, dass sich die drei anderen berufenen Torhüter allesamt noch Verletzungen zuziehen sollten, erklärte Prokop seine Überlegungen: "Jogi ist ein Spieler, der über ganz starke Akzeptanz und Erfahrung verfügt. Er ist zu 100 Prozent motiviert."

Mit der Berufung von Johannes "Jogi" Bitter war auch deshalb nicht zu rechnen gewesen, weil der Schlussmann das bislang letzte seiner 144 Länderspiele vor viereinhalb Jahren bestritten und sich dann zugunsten seiner Familie von der internationalen Bühne zurückgezogen hat. In der Szene war eher über ein Comeback von Michael "Mimi" Kraus spekuliert worden, Bitters Klubkollege beim TBV Stuttgart und ein ebenfalls noch aktives Mitglied der Weltmeisterschaft-Mannschaft von 2007.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB