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Handball-Torhüterin Dinah Eckerle:Superheldin aus Bietigheim

Handball, Frauen: WM 2019, Vorrunde, Gruppe B, 1. Spieltag , Deutschland - Brasilien Torhueterin Dinah Eckerle (Deutsch

Nicht von dieser Welt: Am Ende des Spiels hatte Deutschlands Torhüterin Dinah Eckerle jeden dritten Wurf pariert.

(Foto: Marco Wolf/imago)
  • Die deutschen Handballerinnen spielen sich vorzeitig in die Hauptrunde der WM in Tokio.
  • Der Erfolg gegen die Olympiasiegerinnen aus Dänemark ist der dritte in Serie, besonders die Torfrau Dinah Eckerle brillierte.

Natürlich wurde die Torhüterin zur Spielerin des Spiels gekürt. Daran hatte keinerlei Zweifel bestanden nach all den Paraden und Rettungstaten. Bloß dass die Torhüterin leise weinte, als sie ihre Ehrung entgegennahm, das war seltsam. Die ausgezeichnete Torfrau hieß Sandra Toft. Sie hatte in einer Sporthalle der südjapanischen Stadt Kumamoto im Tor der dänischen Handball-Nationalmannschaft gestanden - aber sie hatte das Spiel nicht gewonnen. Die siegreiche Torhüterin hieß Dinah Eckerle. Sie trug das deutsche Trikot und ist bei der Weltmeisterschaft in Japan bislang die beste deutsche Handballerin. Eckerle konnte auf die Auszeichnung als Spielerin des Spiels diesmal also ganz gut verzichten.

19 Jahre lang hatten deutsche Handballerinnen bei Turnieren nicht mehr gegen Dänemark gewonnen, aber nicht zuletzt durch Eckerles Glanztaten besiegten sie die Däninnen diesmal mit 26:25 (13:11), feierten den dritten Sieg im dritten Spiel und machten den Einzug in die Hauptrunde vorzeitig klar.

Die zwei verbleibenden Gruppenspiele gegen Frankreich an diesem Mittwoch und Südkorea am Freitag werden aber trotzdem große Bedeutung haben, denn die Ergebnisse gegen jene beiden Gegner, mit denen die deutschen Frauen in die Hauptrunde einziehen, werden mitgenommen und haben maßgeblichen Einfluss darauf, ob die Deutschen in der Hauptrundengruppe mindestens Vierte werden können. Das müssen sie, um sich ihre Olympia-Chance zu bewahren.

Die Torhüterin erzielt das 3:0 selbst

"Olympia ist das Größte", hatte Eckerle vor der WM gesagt und ist aus vermutlich genau dieser Haltung heraus gleich im ersten WM-Spiel gegen Brasilien zur Matchwinnerin avanciert. 30:24 gewann das deutsche Team, Eckerle erhielt für 20 Paraden die Auszeichnung als beste Spielerin. Beim 34:8 gegen die zweitklassigen Australierinnen durfte sich die Schwäbin dagegen weitgehend ausruhen.

Dass sie auch dies höchst professionell erledigt hat, zeigte sich sogleich in den ersten sechseinhalb Minuten des dritten Spiel, in denen die Däninnen kein einziges Tor erzielten. Eckerle parierte direkt die ersten drei Würfe und einen Siebenmeter, erzielte das 3:0 ins leere Tor selbst und bereitete das 4:0 durch einen Pass auf Julia Behnke vor. Eckerle spielte wie eine Superheldin, nicht von dieser Welt. Am Ende hatte sie jeden dritten Wurf pariert.

Dass die starken Däninnen es trotzdem noch spannend machten, war zu erwarten, aber anders als bei früheren Turnieren behielten die deutschen Spielerinnen diesmal die Nerven und verteidigten nahezu durchgängig einen knappen Vorsprung. Die Siege gegen Brasilien und Australien mögen noch erwartet worden sein, aber gegen Dänemark haben die deutschen Handballerinnen angedeutet, dass sie in den vergangenen eineinhalb Jahren unter dem Bundestrainer Henk Groener, 59, offenbar doch den ersehnten Schritt Richtung Weltspitze gemacht haben.