Steffen Fäth im DHB-Team X-Faktor im Rückraum

Steffen Fäth (M.), der bisher 18 Turniertore erzielt hat.

(Foto: dpa)
  • Steffen Fäth entwickelt sich zum entscheidenen Mann in der deutschen Mannschaft.
  • Bundestrainer Prokop missfällt, dass sein Spieler so stark in den Fokus gerät. Für den DHB-Vizepräsidenten Bob Hanning hat er einen Seitenhieb parat.
  • Hier geht es zu den Ergebnissen der Handball-WM.
Von Carsten Scheele, Köln

Der große öffentliche Auftritt ist eine der weniger geliebten Disziplinen des Steffen Fäth. Wirft er ein Tor bei dieser Handball-WM, rennt er meist schnell raus auf die Bank, um einen Abwehrspieler aufs Feld zu schicken. Kurzes Abklatschen mit den Kollegen, eine Faust, dann reiht sich Fäth sitzend auf der Ersatzbank ein - nichts wie raus aus der exponierten Lage.

Das wurde allerdings schwierig nach dem 24:19 (14:10) im ersten Hauptrundenspiel gegen Island, als Fäth, 28, vor brüllender Kulisse zum "Man of the Match" gewählt wurde, zum besten Spieler der Partie. Jetzt musste er raustreten, ganz allein vor die 19 250 Zuschauer. Fäth ertrug es, zog die Augenbrauen hoch und nahm aus den Händen von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Andreas Michelmann, dem Präsidenten des Deutschen Handball-Bundes (DHB), die Glückwunschplakette entgegen. Stolz wirkte er schon, überglücklich aber nicht.

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Wird gefragt, auf welchen deutschen Spieler es in der zweiten Turnierwoche der Heim-WM ankommen wird, ist Fäth die häufigste Antwort. Im Kampf um den Halbfinaleinzug (für den Deutschland ein Sieg am Montag über Kroatien genügt, nach der überraschenden Niederlage des Konkurrenten gegen Brasilien) kommt dem scheuen Mannheimer eine gewichtige Rolle zu, weil er über ein Alleinstellungsmerkmal im deutschen Rückraum verfügt: Er kann die einfachen Tore erzielen. Hochsteigen, Torwart ausgucken, Ball reindonnern. Eine Fähigkeit, die für die gesamte Mannschaft entlastend wirken kann.

Diese Meinung wird auch von prominenten Köpfen des DHB vertreten, von Bob Hanning zum Beispiel, dem Vizepräsidenten, der offen erklärte, der Weg zu einer WM-Medaille gehe quasi nur über Fäth. "Wenn wir eine Medaille wollen, brauchen wir ihn noch besser, als er jetzt schon ist", hatte Hanning gesagt; Fäth müsse "jetzt für uns die Kohlen aus dem Feuer holen", ging er noch weiter. Es dürfte der Versuch gewesen sein, einen wichtigen Spieler zu noch stärkeren Leistungen anzustacheln.

Ob er bei Fäth damit an der richtigen Adresse gelandet ist, sei dahingestellt. Der Spieler kann mit derlei Extramotivation offenbar wenig anfangen. "Es geht nie um mich", sagte Fäth nach dem Island-Spiel; und auch Hannings Bemerkung, Fäth habe sich in dieser Partie "freigeschwommen", wollte er nur widerwillig einordnen. Er lese erstens nicht alles, was so geschrieben und gesagt werde, sagte Fäth. Außerdem werde er "den Teufel tun, nur noch daran zu denken, weil der Bob irgendwas gesagt hat".

Leichte Verärgerung war auch bei Bundestrainer Prokop spürbar: Eine Medaille gehe nur über die Mannschaft, nicht über einzelne Spieler, erklärte Prokop angesäuert, als wolle er Fäth davor bewahren, noch stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt zu werden. "Wer das bis hierhin nicht begriffen hat, kennt sich im deutschen Handball schlecht aus", sagte Prokop, der Seitenhieb an Hanning saß.

Gleichwohl bestätigte Prokop Fäth eine ansteigende bis starke Turnierform. Er sei sich nicht sicher gewesen, ob Fäth mit der isländischen Abwehr zurechtkomme. Doch gleich seine ersten beiden Würfe aus dem Rückraum fanden ihr Ziel, am Ende stand Fäth bei sechs Toren. "Bei Steffen ist es fantastisch gelaufen", resümierte Prokop. 18 Turniertore erzielte Fäth bisher. "Er ist unser X-Faktor", sagte Torwart Andreas Wolff, um aus der Torwartsicht zu erklären, was seinen Mitspieler so stark macht: Es sehe gar nicht so schnell aus, wenn Fäth werfe, "aber seine Würfe haben unheimlich Schmackes".