Handballer Patrick WiencekEin letztes „Bam-Bam“

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Eine letzte Partie, dann ist Schluss: Patrick Wiencek wechselt nach seinem Karriereende in die Geschäftsstelle des THW Kiel.
Eine letzte Partie, dann ist Schluss: Patrick Wiencek wechselt nach seinem Karriereende in die Geschäftsstelle des THW Kiel. (Foto: Ostseephoto/Imago)
  • Patrick Wiencek, langjähriger Handballer des THW Kiel, beendet am Sonntag nach fast 500 Bundesligaspielen seine Karriere.
  • Der 36-jährige Kreisläufer gewann mit dem THW Kiel sechs Meisterschaften und die Champions League 2020.
  • Nach seinem Karriereende wechselt Wiencek in die Geschäftsstelle des THW Kiel als Repräsentant des Vereins.
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Einer der größten und beliebtesten deutschen Handballer hört auf: Noch ein Spiel, dann beendet Patrick Wiencek beim THW Kiel seine Bundesliga-Karriere. Nur für seine Gegenspieler ist das eine gute Nachricht.

Von Carsten Scheele, Hannover

„Alle mal aufstehen“, rief der Hallensprecher der TSV Hannover-Burgdorf, und Patrick Wiencek sah, wie sich tatsächlich die ganze Arena für ihn erhob. Fast 10 000 Menschen applaudierten laut und anhaltend; ein kleiner Gruß an den Handballer des THW Kiel, der an diesem Mittwochabend sein letztes Auswärtsspiel als Bundesligaprofi bestreiten sollte. Ein Geschenk gab’s auch noch, das war emotional fast schon zu viel für Wiencek. „Echt rührend, und das in Hannover“, sagte der Kreisläufer über die seltene Geste in fremder Halle. Er habe „Gänsehaut bekommen“.

Da stellt sich die Frage: Wie soll das erst am Sonntag in Kiel werden? Bei Wienceks allerletztem Bundesligaspiel für den THW? Alle Emotionen hoch zehn?

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Der eine war der Posterboy, der zweite eine lebendige Mauer, der dritte einfach nur komplett: Ohne Mikkel Hansen, Niklas Landin und Nikola Karabatic wird dem Handball künftig einiges fehlen.

Von Carsten Scheele

Wenn Wiencek, 36, am Wochenende seine lange Bundesligakarriere beendet, geht einer der größten und beliebtesten deutschen Handballer in Rente. Hochgeschätzt bei den Fans und Mitspielern, nicht ganz so sehr bei den Gegnern. Denn der Kreisläufer Wiencek agierte als Abwehrspieler stets besonders unerbittlich, seine Pranken waren gefürchteter als Meteoriteneinschläge. Abseits der Platte mutierte der Mann mit der Türsteherstatur aber, das haben Teamkollegen immer wieder bestätigt, zum sanftmütigsten und liebsten Menschen dieses Planeten. Seinen niedlichen Spitznamen aus den frühen Karrieretagen – „Bam-Bam“ wie das keulenschwingende Baby aus der Zeichentrickserie „Flintstones“ – hat er bis zum Ende beibehalten. Jetzt sagt „Bam-Bam“ also Tschüss.

Seine Karriere in der Nationalmannschaft beendete Wiencek gegen den Willen des Bundestrainers

Annähernd 500 Bundesligaspiele hat Wiencek seit 2008 für TuSEM Essen, den VfL Gummersbach und den THW Kiel absolviert. In Kiel, wo er seit 2012 spielt, kam er zunächst mit deutlich zu vielen Kilos auf der Waage an, die ihn der damalige Trainer Alfred Gislason aber in Rekordzeit abtrainieren ließ. Der Legende nach waren es 14 Kilo in nur zwei Wochen. Mit dem THW hat Wiencek anschließend alles erreicht, was im Vereinshandball möglich ist: sechs Meisterschaften, ein Champions-League-Sieg im Jahr 2020, den Titel als Handballer des Jahres 2018. Vor ein paar Wochen zum Abschluss noch ein Pokalsieg beim Final Four in Köln.

Kapitän in Kiel war Wiencek ebenso wie der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, geschätzt für seine gradlinige und mitreißende Art. „Er ist eine Ikone, eine Legende“, sagte sein Teamkollege Domagoj Duvnjak, der viele Jahre an der Seite von Wiencek um Titel und Trophäen gerackert hat. Auch der Kroate glaubt: „Das wird sehr, sehr emotional am Sonntag.“

Schon länger hatte Wiencek realisiert, dass seine Kraft, die es benötigt, um in dieser körperlich fordernden Sportart mit den Besten mitzuhalten, endlich ist. Seine Karriere in der Nationalmannschaft hat er bereits 2022 nach 159 Länderspielen beendet, gegen den Willen des Bundestrainers Gislason, für mehr Zeit zur Regeneration und einzelne freie Wochenenden mit der Familie. Jetzt ist auch im Verein Schluss. Als eine Kampfkandidatur mit seinem langjährigen Kollegen Hendrik Pekeler um einen Platz als Kreisläufer im künftigen Kieler Kader drohte, nahm Wiencek das Angebot des Vereins an, in eine andere Funktion zu wechseln. Noch einmal umziehen, in eine andere Stadt zu einem anderen Verein, kam für den Familienmenschen nicht infrage. Wiencek wird künftig als Repräsentant des THW arbeiten, einen neuen Job in der Geschäftsstelle erhält er auch.

Was ihm fehlen wird? Der Alltag mit den Teamkollegen, klar. Nicht so sehr die körperliche Schinderei, schon gar nicht in der Saisonvorbereitung, die für Wiencek immer eine besondere Qual darstellte. Beim 29:29 am Mittwoch in Hannover knickte Wiencek auf dem Fuß eines Gegenspielers um, humpelte vom Feld, beendete die Partie unter Schmerzen. Beim großen Finale am Sonntag gegen den ThSV Eisenach wird er aber auflaufen können. Domagoj Duvnjak verriet, dass Wiencek dann eine unter Handballern übliche Ehre zuteilwerden soll: „Wenn möglich, wird er das letzte Tor werfen.“ Ein letztes „Bam-Bam“, sozusagen.

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